„Ich glaube schon, dass wir in unserer Kirche über die Machtfrage reden müssen, und das haben wir auch ja beim ‚Synodalen Weg‘ intensiv getan. Meine Frage geht – ich glaube, im Einklang mit der Besorgnis aus Rom – dahin: Was hat es zu tun mit der sakramentalen Verfassung der Kirche? Das ist eine herausfordernde, auch theologische Frage."wird der Passauer Bischof Oster von VATICAN.NEWS zitiert.
Infoblog für Verdi-Betriebsgruppen in Caritas-Einrichtungen & Interessierte. In Bayern und anderswo.
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Sonntag, 12. November 2023
Sonntagsnotizen: Kirche und Lebenswirklichkeit
In Essen hat sich an diesem Freitag der sogenannte „Synodale Ausschuss“ - ein Ergebnis des „Synodalen Wegs“ der katholischen Kirche in Deutschland- zu seiner ersten Sitzung mit Konstituierung eingefunden, "mit Gegenwind" - so meldet VATICAN.NEWS, und berichtet über elementare Meinungsverschiedenheiten im Spektrum der Kirche.
Samstag, 23. Oktober 2021
Samstagsfrage: Wie erneuert sich Kirche?
... "nicht durch Anpassung an Zeitgeist" meint der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer (Quelle).
... aber
... aber
"auch nicht durch Festhalten an längst überholten Konzepten, an weltlicher Macht und Riten",meine ich.
Sonntag, 3. Dezember 2023
Sonntagsnotizen - Kirchenrecht und Lebenswirklichkeit
Unter dem Stichwort "Lebenswirklichkeit" haben wir mehrfach darauf hingewisen, dass der autorität-hierarchische "Dritte Weg", der aus der historisch schwer belasteten Ideologie der Dienstgemeinschaft abgeleitet ist, mit der freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsstruktur unseres Landes nicht in Einklang zu bringen ist.
Nun ist dieser Sonderweg für die Weltkirche eine absolute Ausnahme. Er wird - in ökumenischer Solidarität - lediglich im deutschsprachigen Raum gepflegt. Und er beruht ausschließlich auf der kirchenrechtlichen Grundlage diözesaner Bischöfe. Papst Franziskus hat nun zurecht darauf hingewiesen:
Nun ist dieser Sonderweg für die Weltkirche eine absolute Ausnahme. Er wird - in ökumenischer Solidarität - lediglich im deutschsprachigen Raum gepflegt. Und er beruht ausschließlich auf der kirchenrechtlichen Grundlage diözesaner Bischöfe. Papst Franziskus hat nun zurecht darauf hingewiesen:
Kirchenrecht ist nicht unabänderlichIn dem Artikel von katholisch.de wird weiter ausgeführt:
Deutlich sprach sich das katholische Kirchenoberhaupt für ein an die jeweilige Zeit angepasstes Kirchenrecht aus: "Das Volk Gottes lebt in der Geschichte; daher können seine Lebens- und Organisationsformen nicht unabänderlich sein." Es gelte zu unterscheiden, was im täglichen Leben der Kirche wesentlich ist und was lediglich eine Reihe äußerer Formen, "die vielleicht in der Vergangenheit nützlich und bedeutsam waren, aber in der Gegenwart nicht mehr, ja manchmal sogar ein Hindernis für ein Zeugnis darstellen, das gerade heute eine größere Einfachheit erfordert, um glaubwürdig zu sein".Darüber sollten die Verfechter des kirchlichen Sonderrechts einmal nachdenken.
Freitag, 24. November 2023
Altersstarrsinn, Beharrungsvermögen oder Sturheit?
Wir haben immer wieder die Kluft zwischen der katholischen Kirche in Deutschland und dem päpstlichen Lehramt angesprochen, insbesondere, was das "kirchliche Arbeitsrecht" betrifft.
In den letzten Wochen waren diese Hinweise verstärkt.
Nun bringt das DOMRADIO (Köln) ein Interview mit der katholischen Journalistin Dorothea Schmidt. Diese war eine der vier Frauen, die vor wenigen Tagen ganz schnell und ganz überraschend Post aus Rom erhalten hat (wir berichteten mit der Wiedergabe dieses Briefes).
Auch, wenn es sich beim Thema dieses Briefes nicht um kirchenspezifisches deutsches Arbeitsrecht handelt: die Grundproblematik ist gleich.
Die weltweit tätige katholische Kirche sieht sich nationalen gesellschaftlichen Entwicklungen gegenüber, die zu einer unterschiedliche Interpretation der Glaubenslehre führen - und damit zu einer Teilung der universellen, katholischen Kirche führen können. Der Papst erscheint - um es bildhaft auszudrücken - wie der Lenker einer vielspännigen Kutsche, deren Pferde dabei sind, in alle möglichen Richtungen auszubrechen. Können die Zügel den Zusammenhalt bewahren?
Wir haben mit dem Stichwort "Lebenswirklichkeit" auf die immer wieder geforderte Erneuerung des kirchlichen Auftretens hingewiesen. Dabei darf freilich der Zusammenhang des Ganzen nicht verloren gehen.
Und auch wenn die Fliehkräfte stark sind - sollte man nicht wenigstens dort den römischen Kurs befolgen, wo die Lebenswirklichkeit der eigenen Gesellschaft und die römischen Direktiven übereinstimmen? Das wäre dann die katholische Soziallehre mit dem Bekenntnis zum partnerschaftlichen Gewerkschaftsprinzip - ENTWELTLICHT EUCH ENDLICH ! Dorothea Schmidt sieht die Alternative sehr klar:
Mit anderen Worten:
Dort wird ein partnerschaftlicher Umgang "auf Augenhöhe" gepflegt. Die Zeit der Fürstbischöfe ist vorbei. Das sollte auch für die sehr zweifelhaften Dritten Wege gelten.
ENTWELTLICHT EUCH ENDLICH ! Sonst müssten wir es tun ...
Nun bringt das DOMRADIO (Köln) ein Interview mit der katholischen Journalistin Dorothea Schmidt. Diese war eine der vier Frauen, die vor wenigen Tagen ganz schnell und ganz überraschend Post aus Rom erhalten hat (wir berichteten mit der Wiedergabe dieses Briefes).
Auch, wenn es sich beim Thema dieses Briefes nicht um kirchenspezifisches deutsches Arbeitsrecht handelt: die Grundproblematik ist gleich.
Die weltweit tätige katholische Kirche sieht sich nationalen gesellschaftlichen Entwicklungen gegenüber, die zu einer unterschiedliche Interpretation der Glaubenslehre führen - und damit zu einer Teilung der universellen, katholischen Kirche führen können. Der Papst erscheint - um es bildhaft auszudrücken - wie der Lenker einer vielspännigen Kutsche, deren Pferde dabei sind, in alle möglichen Richtungen auszubrechen. Können die Zügel den Zusammenhalt bewahren?
Wir haben mit dem Stichwort "Lebenswirklichkeit" auf die immer wieder geforderte Erneuerung des kirchlichen Auftretens hingewiesen. Dabei darf freilich der Zusammenhang des Ganzen nicht verloren gehen.
Und auch wenn die Fliehkräfte stark sind - sollte man nicht wenigstens dort den römischen Kurs befolgen, wo die Lebenswirklichkeit der eigenen Gesellschaft und die römischen Direktiven übereinstimmen? Das wäre dann die katholische Soziallehre mit dem Bekenntnis zum partnerschaftlichen Gewerkschaftsprinzip - ENTWELTLICHT EUCH ENDLICH ! Dorothea Schmidt sieht die Alternative sehr klar:
Meines Erachtens gibt es jetzt zwei Möglichkeiten darauf zu reagieren. Entweder wir sehen das nicht ein, was der Papst sagt, wir schimpfen über Rom und alle Bischöfe, Kardinäle, Laien in der Welt, die ihm folgen. Oder wir lassen die Frage zu: Wenn wir immer wieder zu hören bekommen, auch von wichtigen Autoritäten der Kirche, sogar vom Papst selbst, dass wir falschliegen, sollten wir uns dann nicht einmal besinnen? Das fehlt noch, finde ich. Statt mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, wäre Besinnung angesagt.Das können wir 1:1 für das sepzifisch kirchliche Arbeitsrecht unterschreiben und das hier auch:
Es gibt ja bereits ganz viele grüne Glaubensoasen, .... Und da können wir hinschauen und evaluieren, warum dort so viele Berufungen hervorgehen. Warum strahlen die Leute so eine Freude aus? Wir sehen, dass alle diese Gemeinschaften "back to the roots" gehen. Sie sind auch gewinnend, weil sie zum Kern des katholischen Glaubens zurückführen.(Links im Interview durch uns eingefügt)
...
Dort herrscht kein klerikaler Geist, sondern ein tiefes Zusammen von Laien und Klerikern. Also Amtsträger sind dort nicht klerikalistisch und Laien nicht klerikal. Jeder steht an seinem Platz, ergänzt einander. Dort sehen wir, wie tatsächlich Erneuerung oder Stärkung der Kirche – wie Sie sagten – wirklich funktionieren können.
...
Mit anderen Worten:
Dort wird ein partnerschaftlicher Umgang "auf Augenhöhe" gepflegt. Die Zeit der Fürstbischöfe ist vorbei. Das sollte auch für die sehr zweifelhaften Dritten Wege gelten.
ENTWELTLICHT EUCH ENDLICH ! Sonst müssten wir es tun ...
Samstag, 13. November 2021
Samstagsnotizen - Kirche und Lebenswirklichkeit ?
Der Wertverfall unserer Kirche in der Gesellschaft nimmt dramatische Formen an.
Ist Wilmer's Blick nun Selbsterkenntnis oder nur ein fokussierter Reflex auf ein aufloderndes Schlaglicht?
Wir haben nicht nur in den letzten Wochen auf den Widerspruch zwischen "Tun und Lehre" - und auf die Lebenswirklichkeit der Christen und Katholiken in Deutschland hingewiesen, z.B.:
Dienstgemeinschaft – Idee und Wirklichkeit (insbesondere die Auführungen zu B) und weitere Beiträge zur sog. "Dienstgemeinschaft"
Samstagsfrage: Wie erneuert sich Kirche? .
Sonntagsnotizen: Streik und Krankenhausbewegung oder "wenn ich wissen will, wie die katholische Lehrmeinung ist, schau ich in den Katechismus".
Samstagsgedanken zu Paul Josef Kardinal Cordes: Weltbischofssynode und Rückblick auf die Würzburger Synode
und damit Anregungen gegeben, wie die Kirche selbst wieder glaubwürdiger werden könnte.
"Zukünftig wird die Rolle der Kirche als eine mächtige Institution kleiner werden", so der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer vor Vertretern von Politik, Religionsgemeinschaften und gesellschaftlichen Gruppen (zitiert vom Domradio Köln) - und weiter:
Mit dem Missbrauchsskandal habe die Kirche massiv das Vertrauen der Menschen verspielt, räumte Wilmer ein. "Wir stehen vor einem Scherbenhaufen." Dementsprechend könne sie nicht mehr die Gesellschaft beherrschen. "Sie ist nur ein Anbieter von Sinn neben anderen."Tatsächlich - der Missbrauchsskandal oder besser die vielen Missbrauchs- und Vertuschungsskandale haben die Kirche erschüttert. Aber das ist nur eine von vielen Baustellen. Wir erinnern an die Finanzskandale, die auch wir benannt haben - und die im Schatten der Missbrauchsdebatte kaum medial ausgeschlachtet wurden. Aber auch da lässt sich feststellen: "Machtmissbrauch" und "Vertuschung" haben entscheidend mitgewirkt. Und wir erinnern an den "fortwirkenden Skandal" (Würzburger Synode) der selbst gewählten Abkehr der Kirche von der Arbeitnehmerschaft und ihren Gewerkschaften, die nun ein Spiegelbild findet.
Ist Wilmer's Blick nun Selbsterkenntnis oder nur ein fokussierter Reflex auf ein aufloderndes Schlaglicht?
Wir haben nicht nur in den letzten Wochen auf den Widerspruch zwischen "Tun und Lehre" - und auf die Lebenswirklichkeit der Christen und Katholiken in Deutschland hingewiesen, z.B.:
Dienstgemeinschaft – Idee und Wirklichkeit (insbesondere die Auführungen zu B) und weitere Beiträge zur sog. "Dienstgemeinschaft"
Samstagsfrage: Wie erneuert sich Kirche? .
Sonntagsnotizen: Streik und Krankenhausbewegung oder "wenn ich wissen will, wie die katholische Lehrmeinung ist, schau ich in den Katechismus".
Samstagsgedanken zu Paul Josef Kardinal Cordes: Weltbischofssynode und Rückblick auf die Würzburger Synode
und damit Anregungen gegeben, wie die Kirche selbst wieder glaubwürdiger werden könnte.
Sonntag, 26. September 2021
Sonntagsnotizen: Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda
Es ist den allgemeinen Medien allenfalls noch eine Randnotiz wert: letzten Montag startete die Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda. Dabei hatte es die Predigt des DBK-Vorsitzenden, ein Aufruf zur radikalen Wende, zum Auftakt der Herbstvollversammlung in sich. (So berichtet katholisch.de):
Für die jetzt anstehenden, strittigen Reformdebatten brauche es "den Geist und den Mut zur Umkehr", sagte Bätzing am frühen Dienstagmorgen in seiner Predigt zum Auftakt der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda und fuhr fort: "Kehrt um! Denkt neu! Das ist in der Tat mehr und anders als bloß etwas Anpassung und Fortschreibung."
Ohne eine echte Umkehr würden die Bischöfe der Wucht des Missbrauchs-Skandals und der Dramatik der Entkirchlichung nicht gerecht, betonte der Vorsitzende,
Dienstag, 9. Juli 2024
Kirchen in Deutschland erstmals in der Minderheit - geänderte Lebenswirklichkeit und Glaubwürdigkeitsfrage
die NZZ (Schweiz) hat immer auch einen wachen Blick auf Deutschland. Nun wird eine klare Aussage getroffen:
Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, dass es nach unserer Auffassung zwei maßgebliche Ursachen für den schweren Bedeutungsverlust der Kirchen gibt.
1. die geänderte Lebenswirklichkeit - mit den traditionellen Rezepten und Riten kann in einer weltoffenen Gesellschaft kaum mehr jemand begeistert werden, und
2. der massive Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlust, den sich die Kirchen selbst zuzuschreiben haben. Der ist das Schlimmste, das einer Religionsgemeinschaft passieren kann. Wer von einem Skandal in den anderen stolpert, wer Wasser predigt und selbst Wein säuft, wer sich mit seinem eigenen Handeln völlig konträr zu seinen ethischen Grundsätzen stellt - der braucht sich über den zunehmenden Verlust an Glaubwürdigkeit nicht zu wundern. Kann die Kirche aus ihren Fehlern wirklich lernen?
Was den Widerspruch zwischen "Theorie und Praxis" etwa der katholischen Soziallehre anbelangt - das haben wir oft genug thematisiert.
Was die Veränderung des kirchlichen "Tun's" anbelangt - das haben wir oft genug angemahnt.
Bleibt uns jetzt nur noch die Rolle der Chronisten des Niedergangs?
weitere Meldung zum Thema:
Domradio vom 09.07.2024: Fast keine Städte mit christlicher Mehrheit
katholisch.de vom 09.07.2024 - 12:24 Uhr Bundesweit fast keine Städte mehr mit christlicher Mehrheit
Vatikan News am 10. Juli 2024 - 11:35: Christen jetzt Minderheit? Was sagt die Religionssoziologie
DATENANALYSEDie mit eindrucksvollen Graphiken unterlegte Analyse ist das Eine. Die Ursachenklärung ist das Andere. Und von der Ursachenklärung dann auch zu entsprechenden Handlungen zu kommen erfordert einen weiteren Schritt.
Kirchen in Deutschland erstmals in der Minderheit – so rasant hat sich die religiöse Landkarte verändert
In der Bundesrepublik gibt es keine einzige Grossstadt mehr mit evangelischer Mehrheit, katholisch geprägte nur noch vier. Wo der Rückgang am stärksten ist, zeigen neue Zahlen aus 11 000 Städten und Gemeinden.
Die Entkirchlichung Deutschlands hat im vergangenen Jahrzehnt rasant an Geschwindigkeit zugelegt und wirkt sich besonders im Westen des Landes in immer mehr Städten und Gemeinden aus. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes zur Religionszugehörigkeit hervor, die die NZZ angefordert hat. . ...
Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, dass es nach unserer Auffassung zwei maßgebliche Ursachen für den schweren Bedeutungsverlust der Kirchen gibt.
1. die geänderte Lebenswirklichkeit - mit den traditionellen Rezepten und Riten kann in einer weltoffenen Gesellschaft kaum mehr jemand begeistert werden, und
2. der massive Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlust, den sich die Kirchen selbst zuzuschreiben haben. Der ist das Schlimmste, das einer Religionsgemeinschaft passieren kann. Wer von einem Skandal in den anderen stolpert, wer Wasser predigt und selbst Wein säuft, wer sich mit seinem eigenen Handeln völlig konträr zu seinen ethischen Grundsätzen stellt - der braucht sich über den zunehmenden Verlust an Glaubwürdigkeit nicht zu wundern. Kann die Kirche aus ihren Fehlern wirklich lernen?
Was den Widerspruch zwischen "Theorie und Praxis" etwa der katholischen Soziallehre anbelangt - das haben wir oft genug thematisiert.
Was die Veränderung des kirchlichen "Tun's" anbelangt - das haben wir oft genug angemahnt.
Bleibt uns jetzt nur noch die Rolle der Chronisten des Niedergangs?
weitere Meldung zum Thema:
Domradio vom 09.07.2024: Fast keine Städte mit christlicher Mehrheit
katholisch.de vom 09.07.2024 - 12:24 Uhr Bundesweit fast keine Städte mehr mit christlicher Mehrheit
Vatikan News am 10. Juli 2024 - 11:35: Christen jetzt Minderheit? Was sagt die Religionssoziologie
Montag, 6. Mai 2024
Erneut 380.000 Austritte aus der evangelischen Kirche in Deutschland (2023)
berichten u.a. katholisch.de (auch hier) oder Kirche und Leben. Da stellt sich schon die Frage, welche Gemeinsamkeiten bei den beiden großen christlichen Gemeinschaften (bei den Katholiken waren im Jahr 2021 359.338 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten und 2022 gab es mit 522.821 die bislang meisten Austritte) zu solch hohen Austrittszahlen führen. Die hierarchische Strukter der katholischen Kirche und das päpstliche Lehramt oder das Zölibat können ja auf die protestantischen Landeskirchen keine Auswirkungen haben. Und auch so mancher Skandal, der speziell katholische Gemeinden erschüttert, sollte bei den evangelischen Gemeinden irrelevant sein.
Was also "eint" die beiden großen Gemeinschaften?
Mir fällt da - ganz spontan - die Sonderrolle mit eigenen Arbeitsrechtsregelungen ein, die ein Ausdruck des "Machterhaltes" sind und hinsichtlich der Sozialethik jede kirchliche Glaubwürdigkeit in der Gesellschaft beeinträchtigen.
Oder, um es anders zu formulieren:
die Lebenswirklichkeit der Menschen hat sich mit der Gesellschaft geändert. Und beiden großen christlichen Gemeinschaften ist es nicht gelungen, sich mit ihrer tagtäglichen Handlungspraxis auf diese geänderten gesellschaftlichen Realitäten einzustellen.
Einige Landeskirchen konnten im vergangenen Jahr auch einen Zusammenhang mit den gestiegenen Lebenshaltungs- und Energiekosten beobachten.berichtet katholisch.de; aber bei näherer Betrachtung ist das wohl eher eine erleichternde Ausrede. Denn die Lebenshaltungs- und Energiekosten betreffen alle Bürger des Landes. Nachdem aber andere Gemeinschaften wie die "Altkatholische Kirche" sogar steigende Mitgliederzahlen aufweisen (2021 waren es dort sogar doppelt so viele Beitritte wie 2020 kann diese Begründung nicht so recht greifen.
Was also "eint" die beiden großen Gemeinschaften?
Mir fällt da - ganz spontan - die Sonderrolle mit eigenen Arbeitsrechtsregelungen ein, die ein Ausdruck des "Machterhaltes" sind und hinsichtlich der Sozialethik jede kirchliche Glaubwürdigkeit in der Gesellschaft beeinträchtigen.
Oder, um es anders zu formulieren:
die Lebenswirklichkeit der Menschen hat sich mit der Gesellschaft geändert. Und beiden großen christlichen Gemeinschaften ist es nicht gelungen, sich mit ihrer tagtäglichen Handlungspraxis auf diese geänderten gesellschaftlichen Realitäten einzustellen.
Samstag, 27. Juli 2024
Samstagabend - Zeit für das jüngste Gerücht
Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen ist, sollen sich neben einzelnen Bischöfen inzwischen auch vatikanische Stellen mit unserem Blog beschäftigen. Ob man der Blog-Redaktion allerdings den "brennenden Besen" wegen fortgesetztern Betrachtung der als ketzerisch gebannten "Glaskugeln" oder doch prophetische Weitsicht anerkennnen möchte, scheint noch nicht entschieden.
Wenn wir die letzten 10 Jahre "Revue passieren lassen", dann hat sich in diesen 10 Jahren das aktuelle Geschehen (z.B. in Weimar) auf die Debatte eingestellt, die wir vor 10 Jahren hier im Blog geführt haben. Wir dürfen auf die Überschriften von Ende Juli 2014 verweisen:
Und auch aktuell sind wir anscheinend unserer Zeit voraus. Wir haben jedenfalls nachweisbar immer wieder darauf verwiesen, dass die traditionelle Kirche mit ihren Einstellungen und Riten an der Lebenswirklichkeit einer modernen, säkularen Gesellschaft vorbei geht. Und - wir haben immer wieder die Glaubwürdigkeitsprobleme beklagt, die der Kirche insbesondere auch im Widerspruch von der eigenen Soziallehre zum konkreten Handeln entstehen. Beides hat jetzt auch Bestätigung durch eine neue Studie der Kölner Hochschule für Katholische Theologie erfahren. Das Domradio berichtet darüber in einem Interview mit Prof. Dr. Elmar Nass (Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaften und gesellschaftlichen Dialog an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie / KHKT):
Aber - wie ein Redaktionsmitglied immer sagt: nur er und der Papst seien unfehlbar (zumindest solange beide das gleiche sagen) - leider hätten die maßgeblichen Honoratioren der katholischen Kirche in Deutschland das aber immer noch nicht verstanden.
Vorletztes Gerücht
Wenn wir die letzten 10 Jahre "Revue passieren lassen", dann hat sich in diesen 10 Jahren das aktuelle Geschehen (z.B. in Weimar) auf die Debatte eingestellt, die wir vor 10 Jahren hier im Blog geführt haben. Wir dürfen auf die Überschriften von Ende Juli 2014 verweisen:
Papst Franziskus zur Diskussion in der AK des Deutschen Caritasverbandes? - Papst fordert mehr Anerkennung für Pflegekräfte!
Auch EZB für deutlich höhere Löhne
Erzieherinnen lassen sich nicht schnitzen
Milliarden, die sich rechnen ...
und
Kirche und Gewerkschaft? - So gehts doch auch:
Und auch aktuell sind wir anscheinend unserer Zeit voraus. Wir haben jedenfalls nachweisbar immer wieder darauf verwiesen, dass die traditionelle Kirche mit ihren Einstellungen und Riten an der Lebenswirklichkeit einer modernen, säkularen Gesellschaft vorbei geht. Und - wir haben immer wieder die Glaubwürdigkeitsprobleme beklagt, die der Kirche insbesondere auch im Widerspruch von der eigenen Soziallehre zum konkreten Handeln entstehen. Beides hat jetzt auch Bestätigung durch eine neue Studie der Kölner Hochschule für Katholische Theologie erfahren. Das Domradio berichtet darüber in einem Interview mit Prof. Dr. Elmar Nass (Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaften und gesellschaftlichen Dialog an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie / KHKT):
...Eigentlich gehört nicht viel Untersuchung zu dieser Erkenntnis - nur der wache Blick.
Wir müssen schauen, was die Fragen sind, die die Menschen heute wieder an Kirche interessieren könnten, um sie auch wieder dafür zu begeistern, nicht auszutreten und vielleicht auch wieder einen Weg zurück in die Kirche zu finden.
...
Zum Zweiten aber ist es ganz wichtig, dass sich die Glaubwürdigkeit von Kirche nicht nur in Themen und der Theorie zeigt, sondern dass sie sich auch im Umgang miteinander zeigt. Da ist in der Vergangenheit auch manches falsch gelaufen, auch innerhalb der Kirche.
...
Aber - wie ein Redaktionsmitglied immer sagt: nur er und der Papst seien unfehlbar (zumindest solange beide das gleiche sagen) - leider hätten die maßgeblichen Honoratioren der katholischen Kirche in Deutschland das aber immer noch nicht verstanden.
Vorletztes Gerücht
Montag, 12. September 2022
Synodaler Weg: Handlungstext „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“
Beim "Synodalen Weg" wurde der Handlungstext "Grundordnung des kirchlichen Diensts" verabschiedet. Wir verlinken die einschlägigen Texte:
DER SYNODALE WEG - Dokumente, Reden und Beiträge
Wir begrüßen die bedeutende und klare Beschlussfassung zum Thema „Leben in gelingenden Beziehungen - Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft". Die katholische Kirche nimmt einen bedeutenden Schritt zur Akzeptanz der Lebenswirklichkeit der Mitarbeitenden. Und sie akzeptiert die von Gott geschenkte zwischenmenschliche Beziehung, die ganz persönliche Liebe zwischen Menschen. Sie zieht damit gerade noch rechtzeitig Konsequenzen aus der zunehmend kritischen Rechtsprechung der Arbeitsgerichte.
Wir bedauern zugleich, dass sich die Diskussion und Beschlussfassung lediglich auf den Bereich der "Loyalitätspflichten" und deren Konsequenzen bezog. Der Bezug zur (historisch schwer belasteten) "Dienstgemeinschaft" ist nach wie vor genauso enthalten wie die Ablehnung der sozialen Errungenschaften des weltlichen Arbeitsrechts. So bleibt das kirchenamtliche Verbot, mit Gewerkschaften zu kooperieren; ein Verbot, das - wir betonen das gerne erneut - im völligen Gegensatz zur eigenen Soziallehre, den Sozialenzykliken und damit letztendlich dem päpstlichen Lehramt steht. Und das sich auf keine theologische Grundlage stützen kann. Denn der CIC - das weltweite Gesetzbuch der katholischen Kirche, das auf theologischer Grundlage aufbaut - verpflichtet die Vermögensverwalter, das komplette weltliche Arbeits- und Sozialrecht genauestens zu beachten, soweit nicht eben die eigene Soziallehre dagegen steht. Hier besteht noch ein großer Handlungsbedarf. Die Kirche hat noch die Chance, den Weg selbst zu gehen.
Die Grundordnung hat allerdings auch nur einen sehr geringen Teil der beratenen Materie eingenommen. Die vierten Vollversammlung des Synodalen stand - wen wundert es - vielmehr und immer noch im großen Kontext der Diskussionen um Frauen und Macht oder die (Homo-)Sexualität und der Missbrauchsdebatte. Dementsprechend "unterschiedlich" sind auch die Reaktionen auf die Ergebnisse. Katholisch.de berichtet abschließend von "Gemischten Reaktionen nach Vollversammlung des Synodalen Wegs".
Man darf nun durchaus gespannt sein, wie es weitergeht (die kommende Synodalversammlung im März 2023 soll die fünfte und letzte sein) und wie generell die Umsetzung der verabschiedeten Papiere erfolgt. Während Münchens Kardinal Marx erklärt, er wolle Beschlüsse "selbstverständlich umsetzen" (Quelle) erklärt der Augsburger Nachbar Bertram Meier, er wolle "warten, bis die Weltkirche und der Papst sich eingeklinkt haben" (Quelle). Nun, Kirche rechnet ja bekanntlich ohnehin in "Ewigkeitsmaßstäben".
Handlungstext „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“, zweite Lesung (in die Synodalversammlung eingebrachte Version)Quelle und mehr:
Handlungstext „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“, zweite Lesung (beschlossene Fassung, 09.09.2022)
Synopse Synodalforum IV: Handlungstext „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“
TOP 5.3: Abstimmung Handlungstext Grundordnung kirchlicher Dienst, alle
TOP 5.3: namentliche Abstimmung Handlungstext Grundordnung kirchlicher Dienst, alle
TOP 5.3: Abstimmung Handlungstext Grundordnung kirchlicher Dienst, nur Bischöfe
TOP 5.3: Abstimmungsprotokoll Handlungstext Homosexualität
DER SYNODALE WEG - Dokumente, Reden und Beiträge
Wir begrüßen die bedeutende und klare Beschlussfassung zum Thema „Leben in gelingenden Beziehungen - Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft". Die katholische Kirche nimmt einen bedeutenden Schritt zur Akzeptanz der Lebenswirklichkeit der Mitarbeitenden. Und sie akzeptiert die von Gott geschenkte zwischenmenschliche Beziehung, die ganz persönliche Liebe zwischen Menschen. Sie zieht damit gerade noch rechtzeitig Konsequenzen aus der zunehmend kritischen Rechtsprechung der Arbeitsgerichte.
Wir bedauern zugleich, dass sich die Diskussion und Beschlussfassung lediglich auf den Bereich der "Loyalitätspflichten" und deren Konsequenzen bezog. Der Bezug zur (historisch schwer belasteten) "Dienstgemeinschaft" ist nach wie vor genauso enthalten wie die Ablehnung der sozialen Errungenschaften des weltlichen Arbeitsrechts. So bleibt das kirchenamtliche Verbot, mit Gewerkschaften zu kooperieren; ein Verbot, das - wir betonen das gerne erneut - im völligen Gegensatz zur eigenen Soziallehre, den Sozialenzykliken und damit letztendlich dem päpstlichen Lehramt steht. Und das sich auf keine theologische Grundlage stützen kann. Denn der CIC - das weltweite Gesetzbuch der katholischen Kirche, das auf theologischer Grundlage aufbaut - verpflichtet die Vermögensverwalter, das komplette weltliche Arbeits- und Sozialrecht genauestens zu beachten, soweit nicht eben die eigene Soziallehre dagegen steht. Hier besteht noch ein großer Handlungsbedarf. Die Kirche hat noch die Chance, den Weg selbst zu gehen.
Die Grundordnung hat allerdings auch nur einen sehr geringen Teil der beratenen Materie eingenommen. Die vierten Vollversammlung des Synodalen stand - wen wundert es - vielmehr und immer noch im großen Kontext der Diskussionen um Frauen und Macht oder die (Homo-)Sexualität und der Missbrauchsdebatte. Dementsprechend "unterschiedlich" sind auch die Reaktionen auf die Ergebnisse. Katholisch.de berichtet abschließend von "Gemischten Reaktionen nach Vollversammlung des Synodalen Wegs".
Man darf nun durchaus gespannt sein, wie es weitergeht (die kommende Synodalversammlung im März 2023 soll die fünfte und letzte sein) und wie generell die Umsetzung der verabschiedeten Papiere erfolgt. Während Münchens Kardinal Marx erklärt, er wolle Beschlüsse "selbstverständlich umsetzen" (Quelle) erklärt der Augsburger Nachbar Bertram Meier, er wolle "warten, bis die Weltkirche und der Papst sich eingeklinkt haben" (Quelle). Nun, Kirche rechnet ja bekanntlich ohnehin in "Ewigkeitsmaßstäben".
Samstag, 22. Januar 2022
Samstagsnoitzen: Wie weiter mit unserer Kirche (4)
Grundlegende Veränderungen seien notwendigberichtete "Kirche und Leben" letzten Samstag. (Quelle 2: Domradio)
Bischof Overbeck: Katholische Kirche wegen Missbrauchs in Existenzkrise
- Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sieht die katholische Kirche in einer existenziellen Krise.
- Als einen der Hauptgründe nennt er den geistlichen und sexuellen Missbrauch in der Kirche.
- Ein Zusammenbruch der bisherigen Strukturen sei fast unausweichlich.
Dem ersten Teil der Meldung stimmen wir gerne zu. Die Kirche braucht grundlegende systemische Veränderungen, nicht nur den Rücktritt oder die Entlassung von einzelnen Symbolpersonen. Unsere Kirche hat sich insgesamt zunehmend von der Lebenswirklichkeit der Gläubigen entfremdet. Sie ist in einem vorkonziliaren Muster "stehen geblieben" während sich die freiheitlich demokratische Gesellschaft zunehmend entwickelt hat. Ein "weiter so" führt nur in den Abgrund.
Beim zweiten Teil müssen wir widersprechen. Die Kirche ist nicht "wegen Missbrauchs" in der Existenzkrise, sondern wegen dieser Entfremdung und der Vertuschung der Amtskirche. Mißbrauch gibt es in der gesamten Gesellschaft - in Familien und Vereinen - ohne dass das Modell "Familie" oder "Verein" dadurch in's Wanken geriete. Mißbrauch ist nichts "kirchenspezifisches", auch wenn wegen der z.T. kruden Sexualmoral der Kirche und einiger Einrichtungen auch sexuell verklemmte Personen angezogen werden sollten. Und die finden dann mit dem "geistlichen Mißbrauch" auch noch die Möglichkeit, ihre Gelüste durch klerikale Machtausübung zu verbrämen.
Spezifisch ist nun aber der Umgang mit dem Mißbrauch. Mißbrauch von Einzeltätern wurde so systemisch zu einem Problem der gesamten Kirche (vgl. Matthäus 7, 16). Aus dem Bemühen, das "Antlitz strahlend zu halten" ist so unbeabsichtigt die Kreation einer hässlichen Fratze geworden.
Wir zitieren Bischof Overbeck aus der o.g. Meldung nochmal:
Die Kirche sei in einer Krise, „die von uns sowohl spirituell als auch strukturell Entscheidungen abverlangen wird, die zu einer echten Neu-Werdung unserer Kirche führen müssen“. Vieles stehe massiv infrage, was bislang nicht hinterfragbar schien, aber „unser Gott ist ein Gott des Weges – und nicht des Stillstands. Seine Wege führen nicht zurück, sondern nach vorn“.Dann sollten wir uns unter Verweis auf Matthäus 7, 13 - 15 auch gemeinsam bemühen, dass unsere Kirche dabei nicht "auf halbem Weg" in einer Sackgasse stecken bleibt.
Anlässlich der Vorlage des Münchner Mißbrauchsgutachtens
Donnerstag, 20. Januar 2022
Heute: Kirche und Gesellschaft - leider ...
Mit dem Rummel um das heute veröffentlichte Missbrauchsgutachten für die Erzdiözese München und Freising kommen wir nicht umhin, uns auch mit diesem Thema auseinander zu setzen.
1. Sogar im "tiefkatholischen Bayern" überschlagen sich die Austritte und erreichen immer neue Rekorde (Quelle)
2. Ja, das Vertrauen der Menschen in Deutschland ist nach Angaben des forsa-Instituts auf einem Tiefpunkt (Quelle). Es scheint uns aber "zu kurz gesprungen", das ursächlich auf den geistlichen und sexuellen Missbrauch zu reduzieren. Das Problem ist viel weitergehender.
2.a) Der (Macht-)Missbrauch ist eine Folge der theologischen Überhöhung geistlicher Berufe, und der damit einhergehende Klerikalismus führt zwangsläufig zum Verdrängen, Verschweigen und zur systemischen Vertuschung - weil nicht "am Lack gekratzt werden" darf.
2.b) Verdrängung, Vertuschung und Wegschauen sind das eigentliche Missbrauchs-Problem der Institution Amtskirche.
Und jetzt kommt etwas das im Getöse der Missbrauchsdebatte untergeht:
3. Der Kern des Problems ist doch auch, dass die "klerikale Amtskirche" keinen Bezug mehr zur Lebenswirklichkeit der Gesellschaft hat.
1. Sogar im "tiefkatholischen Bayern" überschlagen sich die Austritte und erreichen immer neue Rekorde (Quelle)
2. Ja, das Vertrauen der Menschen in Deutschland ist nach Angaben des forsa-Instituts auf einem Tiefpunkt (Quelle). Es scheint uns aber "zu kurz gesprungen", das ursächlich auf den geistlichen und sexuellen Missbrauch zu reduzieren. Das Problem ist viel weitergehender.
2.a) Der (Macht-)Missbrauch ist eine Folge der theologischen Überhöhung geistlicher Berufe, und der damit einhergehende Klerikalismus führt zwangsläufig zum Verdrängen, Verschweigen und zur systemischen Vertuschung - weil nicht "am Lack gekratzt werden" darf.
2.b) Verdrängung, Vertuschung und Wegschauen sind das eigentliche Missbrauchs-Problem der Institution Amtskirche.
"Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird." (Lk 12,1-2)Und weil das "Verdrängen und Wegschauen" zur Erhaltung der Machtkultur gehört, sind auch nicht diejenigen die "Bösen", die ihre Stellung missbrauchen sondern diejenigen, die auf die Fehler hinweisen und auf deren Behebung drängen. Dass das universelle Kirchenrecht die Gläubigen dazu ausdrücklich berechtigt und bisweilen sogar dazu verpflichtet (Can. 212 § 3 CIC) wird dabei geflissentlich und gerne übersehen.
Und jetzt kommt etwas das im Getöse der Missbrauchsdebatte untergeht:
3. Der Kern des Problems ist doch auch, dass die "klerikale Amtskirche" keinen Bezug mehr zur Lebenswirklichkeit der Gesellschaft hat.
Sonntag, 5. Oktober 2014
Wochenrückblick: kirchliches Arbeitsrecht in den Medien
Wenns in den Medien mal wieder etwas heftiger zugeht in den Fragen, die uns interessieren, dann machen wir Sonntags einen Wochenrückblick - hier wieder eine Auswahl aktueller Fundstücke.
Kath.de: Papst kritisiert Abbau des Sozialstaats
Spiegel Online: Papst Franziskus lädt zum Streitgespräch (erwähnt wird in der Meldung auch die deutsche Diskussion zum kirchlichen Arbeitsrecht die automatische Kündigung von Geschiedenen betreffend)
Radio Vatikan: Bischofssynode muss auf Lebenswirklichkeit reagieren
Kath.de: Papst kritisiert Abbau des Sozialstaats
Spiegel Online: Papst Franziskus lädt zum Streitgespräch (erwähnt wird in der Meldung auch die deutsche Diskussion zum kirchlichen Arbeitsrecht die automatische Kündigung von Geschiedenen betreffend)
Radio Vatikan: Bischofssynode muss auf Lebenswirklichkeit reagieren
Samstag, 20. Dezember 2025
Buchempfehlung „Wir erleben einen kulturellen Umbruch, wie seit Hunderten von Jahren nicht“
Es ist Tatsache: Religion hat einen dramatischen Bedeutungsverlust *) erlitten. Die Veröffentlichungen der Kirchenstatistiken - sowohl der Mitgliederzahlen wie auch der Kirchenbesucher - sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Dabei sind religiös geprägte und dort verwurzelte Werte **) wie Gerechtigkeit, Frieden, Nächstenliebe, Demut nicht verpönt.
Woher kommt dann der dramatische Bedeutungsverlust?
Nun - die "Lebenswirklichkeit" einer säkularen Gesellschaft klafft immer weiter mit den Anforderungen einer meditativ-spirituellen Ethik auseinander. Dazu kommt, dass die Kirchen und ihre Einrichtungen mit dem eigenen Führungsperonal nicht unbedingt überzeugende Vorbilder für die Umsetzung der eigenen Ideale sind.
Wir möchten Ihnen zum Jahreswechsel eine kleine Buchempfehlung auf den Weg geben. Zumindest "nachdenken" kann man über Fakten und Ursachen dieser Tatsache.
*)
vgl. den Autor, Theologen und Religionssoziologen Prof. Dr. Detlef Pollack in „Religion in der Moderne“
**)
nicht nur in christlichen Gemeinschaften, sondern beispielhaft auch in buddhistischen, jüdischen oder muslimischen Gesellschaften
Woher kommt dann der dramatische Bedeutungsverlust?
Nun - die "Lebenswirklichkeit" einer säkularen Gesellschaft klafft immer weiter mit den Anforderungen einer meditativ-spirituellen Ethik auseinander. Dazu kommt, dass die Kirchen und ihre Einrichtungen mit dem eigenen Führungsperonal nicht unbedingt überzeugende Vorbilder für die Umsetzung der eigenen Ideale sind.
Wir möchten Ihnen zum Jahreswechsel eine kleine Buchempfehlung auf den Weg geben. Zumindest "nachdenken" kann man über Fakten und Ursachen dieser Tatsache.
*)
vgl. den Autor, Theologen und Religionssoziologen Prof. Dr. Detlef Pollack in „Religion in der Moderne“
**)
nicht nur in christlichen Gemeinschaften, sondern beispielhaft auch in buddhistischen, jüdischen oder muslimischen Gesellschaften
Freitag, 16. Februar 2024
Abgehoben bis Weltfremd - was wird nächste Woche diskutiert?
Was halt die Bischöfe so bewegt und umtreibt, das sind die Grundsatzfragen der Demokratie und der schöne Schein - das kann man jedenfalls dem Bericht von katholisch.de zur bevorstehenden Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe entnehmen.
Ob das die Sorgen in den Pfarrämtern mindert, die immer größere "Seelsorgeregionen" betreuen müssen?
Die Themenauswahl scheint zu belegen, dass unsere Bischöfe in ihrer eigenen Blase vor sich hin wursteln, ohne die wirklich wichtigen Themen anzufassen.
Wenn man die Kirche mit einer Baustelle vergleicht (wie das jetzt der Papst getan hat), dann werkeln Bischöfe in der Sakristei an Putz und Stuck, während gleichzeitig beim Kirchenschiff die Fundamente wegbrechen und die Mauern einstürzen.
Schwerpunkt ihrer Beratungen ist die Zukunft der Demokratie im Wahljahr 2024. Zudem soll es eine erste Sondierung zur im vergangenen November veröffentlichten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU) geben. Weitere Themen seien weitere Überlegungen zum Synodalen Weg, die Weltsynode in Rom, das Heilige Jahr 2025, die Internationale Ministrantenwallfahrt in diesem Sommer sowie die "Woche für das Leben".Ob das mit der Lebenswirklichkeit etwa der Arbeitnehmer in der Caritas zu tun hat, die unter dem Kostendruck der Refinanzierung leiden?
Ob das die Sorgen in den Pfarrämtern mindert, die immer größere "Seelsorgeregionen" betreuen müssen?
Die Themenauswahl scheint zu belegen, dass unsere Bischöfe in ihrer eigenen Blase vor sich hin wursteln, ohne die wirklich wichtigen Themen anzufassen.
Wenn man die Kirche mit einer Baustelle vergleicht (wie das jetzt der Papst getan hat), dann werkeln Bischöfe in der Sakristei an Putz und Stuck, während gleichzeitig beim Kirchenschiff die Fundamente wegbrechen und die Mauern einstürzen.
Montag, 20. Dezember 2021
Bischof Meier: Wer bei der Kirche arbeitet, dem muss man es anmerken
zitiert katholisch.de
Muss ich als kirchliche/r Mitarbeiter/in täglich mit einem entrückten Seeligkeitslächeln durch die Welt flanieren und allen Mitmenschen ein durchgeistigtes "Hosianah" zulispeln?
Darf ich als kirchliche/r Mitarbeiter keine emotionalen Regungen mehr zeigen - sind das neue Loyalitätspflichten?
Ja, ich bin katholisch - auch aus einer langen Familiengeschichte deren Ziele ich mir zu eigen gemacht habe - und manchmal bin ich so wütend auf meine katholische Kirche, dass ich dieser meiner Kirche am liebsten den ganzen Betel vor die Füße werfen würde. Diese meine Kirche macht es mir und vielen anderen unendlich schwer, mit ihr zu leben. Muss man mir das auch anmerken?
Wie war das mit dem "Heiligen Zorn" (Johannes 2:13 ff; vgl. auch Mt 21,12–17; Mk 11,15–19; Lk 19,45+46) - und passt das nicht gerade auch auf die Adventszeit und nicht nur auf den dritten Fastensonntag?
Nun, der Bischof meint weiter:
Die Beharrung auf "katholische MAV-Vorsitzende" (wir berichteten), die in manchen bayerischen Diözesen ihr Unwesen treibt und weder eine deutsche katholische Anforderung (siehe die anderen Bistümer) noch eine Regel aus Rom ist, sondern lediglich eine völlig überzogene theologische Überhöhung (vgl. Nell Breuning und Hengsbach) einer durch den Staat in vielen Gesetzen erzwungenen Tätigkeit) ist ein typisches Zeichen der "Weltfremdheit" dieser Amtskirche - repräsentiert auch durch Bischof Meier.
Aber am gleichen Tag bringt "katholisch.de" auch einen aufschlußreichen weiteren Bericht:
Augsburgs Bischof Bertram Meier hat Kirchen-Mitarbeitende dazu aufgerufen, sich als "lebendige Visitenkarten" zu verstehen. "Wer bei der Kirche beschäftigt ist, dem muss man es anmerken. Bei der Kirche arbeiten heißt nicht nur, sie als 'Brötchengeberin' zu sehen, sondern auch in ihr und mit ihr zu leben",Wie jetzt?
Muss ich als kirchliche/r Mitarbeiter/in täglich mit einem entrückten Seeligkeitslächeln durch die Welt flanieren und allen Mitmenschen ein durchgeistigtes "Hosianah" zulispeln?
Darf ich als kirchliche/r Mitarbeiter keine emotionalen Regungen mehr zeigen - sind das neue Loyalitätspflichten?
Ja, ich bin katholisch - auch aus einer langen Familiengeschichte deren Ziele ich mir zu eigen gemacht habe - und manchmal bin ich so wütend auf meine katholische Kirche, dass ich dieser meiner Kirche am liebsten den ganzen Betel vor die Füße werfen würde. Diese meine Kirche macht es mir und vielen anderen unendlich schwer, mit ihr zu leben. Muss man mir das auch anmerken?
Wie war das mit dem "Heiligen Zorn" (Johannes 2:13 ff; vgl. auch Mt 21,12–17; Mk 11,15–19; Lk 19,45+46) - und passt das nicht gerade auch auf die Adventszeit und nicht nur auf den dritten Fastensonntag?
Nun, der Bischof meint weiter:
"Wie oft legen wir die alten Schallplatten auf, ohne auf die 'Zeichen der Zeit' zu achten. Was vor 30 oder 40 Jahren gut war, ist 2021 wahrscheinlich überholt", mahnte der Bischof. Zukunftsfähige Pastoral sei mehr als neue Strukturen für dünnere Personaldecken zu organisieren: "Wir müssen sie mit Inhalt füllen!"- da hat er ja nicht unrecht: der Kirche gelingt es nicht, sich auf die Lebenswirklichkeit in der Gesellschaft einzustellen, die "frohe Botschaft" zeitgerecht zu verkünden. Sie agiert stattdessen mit Hoheitsakten, Druck, Strafe und Verweigerung, und verlangt letztlich dass sich die Gesellschaft der alten Schallplatte anpasst.
Dass eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen sich zu freikirchlich anmutenden Gemeinschaften hingezogen fühle, müsse der katholischen Kirche zu denken geben. "Sollte es daran liegen, dass sie bei uns nicht das finden, was sie eigentlich suchen: geistliche Nahrung, 'Sprit' fürs Leben?" Die Kirche dürfe kein "seelenloser Apparat" sein, betonte der Bischof, sie müsse "als Werkzeug lebendiger Seelsorge" dienen. "Für mich steht die Seelsorge ganz oben. Sie hat absolute Vorfahrt." (tmg/KNA)
Die Beharrung auf "katholische MAV-Vorsitzende" (wir berichteten), die in manchen bayerischen Diözesen ihr Unwesen treibt und weder eine deutsche katholische Anforderung (siehe die anderen Bistümer) noch eine Regel aus Rom ist, sondern lediglich eine völlig überzogene theologische Überhöhung (vgl. Nell Breuning und Hengsbach) einer durch den Staat in vielen Gesetzen erzwungenen Tätigkeit) ist ein typisches Zeichen der "Weltfremdheit" dieser Amtskirche - repräsentiert auch durch Bischof Meier.
Aber am gleichen Tag bringt "katholisch.de" auch einen aufschlußreichen weiteren Bericht:
Klerikalismus ist in der Kirche nicht die Regel, aber auch nicht die Ausnahme, schreibt Julia Knop. Mitarbeiter spüren zu lassen, "dass er ein Bischof ist und ich nur ein Mensch", ist noch an der Tagesordnung.meint Erich Sczepanski
Sonntag, 6. März 2022
Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vom 7. bis 10. März
Und - wie schaut's aus mit dem Bestand oder einer Reform des beanspruchten "Sonderarbeitsrecht"? Kommt das neue kirchliche Arbeitsrecht bereits im Juni, wie der Paderborner Generalvikar meint? Oder gibt es wieder beharren, zaudern und zögern wie Regensburgs Generalvikar Batz wohl erhofft? *) Und wie weit werden die Änderungen gehen? Werden da wirklich alle kritischen Bereiche der Grundordnung umfasst - oder beschränkt sich diese Reform nur auf die sehr strittigen Loyalitätspflichten, die ohnehin nicht mehr zu halten sind?
Im letzten Monat hat der Leiter des Katholischen Büros Nordrhein-Westfalen, Antonius Hamers, die Bischöfe vor diözesanen Alleingängen gewarnt
(Quelle 1, Quelle 2).
Wir empfehlen dringend, diese Warnung auch gegenüber deutschen Alleingängen zu erheben. Solche nationale Besonderheiten sind für die katholische Kirche schwer begründbar und haben es in einem zunehmenden europäischen Umfeld schwer. Was in Kufstein oder Salzburg zulässig ist, kann in Kiefersfelden oder Freilassing nicht gegen tragende Grundsätze der katholischen Lehre verstoßen. Was in Slubice von der katholischen Kirche gefördert wurde (vgl. Laborem exercens) kann diesseits der Oder im benachbarten Frankfurt nicht als "des Teufels" bezeichnet werden. Was unterscheidet die katholische Kirche von Kehl und Straßburg beiderseits des Rheins? Wie will man im "Dreiländereck" von Aachen, Lüttich und Maastricht "zwingende" nationale Besonderheiten gegenüber den europäischen Gerichten erklären?
Anmerkung:
*) Quelle:
Im letzten Monat hat der Leiter des Katholischen Büros Nordrhein-Westfalen, Antonius Hamers, die Bischöfe vor diözesanen Alleingängen gewarnt
(Quelle 1, Quelle 2).
Wir empfehlen dringend, diese Warnung auch gegenüber deutschen Alleingängen zu erheben. Solche nationale Besonderheiten sind für die katholische Kirche schwer begründbar und haben es in einem zunehmenden europäischen Umfeld schwer. Was in Kufstein oder Salzburg zulässig ist, kann in Kiefersfelden oder Freilassing nicht gegen tragende Grundsätze der katholischen Lehre verstoßen. Was in Slubice von der katholischen Kirche gefördert wurde (vgl. Laborem exercens) kann diesseits der Oder im benachbarten Frankfurt nicht als "des Teufels" bezeichnet werden. Was unterscheidet die katholische Kirche von Kehl und Straßburg beiderseits des Rheins? Wie will man im "Dreiländereck" von Aachen, Lüttich und Maastricht "zwingende" nationale Besonderheiten gegenüber den europäischen Gerichten erklären?
Anmerkung:
*) Quelle:
Der Regensburger Generalvikar Roland Batz begrüßt die anstehende Überarbeitung der Grundordnung des kirchlichen Dienstes. In einer am Mittwoch auf der Webseite des Bistums veröffentlichten Stellungnahme schreibt er, dass er den Veränderungen positiv entgegen sehe, "weil sie auf der einen Seite die Rechtssicherheit verbessern werden und weil auf der anderen Seite die Loyalitätspflichten in ein angemessenes Maß zur Lebenswirklichkeit vieler Menschen zu rücken sind". Dabei warnte er vor "übereilten Entscheidungen, die dann das rechte Maß genau verfehlen und ein notwendiges und mitunter fragiles Gleichgewicht zwischen Loyalität und persönlichen Lebenssituationen eben nicht gewährleisten".noch Fragen?
Mittwoch, 16. November 2016
"Für höhere Renten und Beiträge" - DGB Bayern Pressemeldung
Viele Versicherte müssen im Alter mit weniger als 600 Euro auskommen.Weitere Informationen: DGB - Pressemitteilung 085: DGB startet Rentenkampagne
München (dpa/lby) - Der DGB Bayern hat höhere Altersrenten und höhere Beitragszahlungen gefordert. Männer, die 2015 in Bayern in Rente gegangen seien, bekämen im Durchschnitt 1.049 Euro im Monat und Frauen 616 Euro, sagte der DGB-Landesvorsitzende Matthias Jena am Montag in München. Aber ein Viertel der Männer und die Hälfte der Frauen müssten mit weniger als 600 Euro auskommen.
Das Rentenniveau müsse "langfristig deutlich erhöht werden", forderte Jena. Um das zu finanzieren, sei eine "frühere und schnellere Anhebung" der Beitragszahlungen erforderlich als von der Bundesregierung geplant, sagte seine Stellvertreterin Verena Di Pasquale. Längere Lebensarbeitszeiten lehnte sie ab. Schon die Rente mit 67 gehe an der Lebenswirklichkeit vorbei.
DGB für Rückkehrrecht in Vollzeitarbeit
"Die niedrigen Renten der Frauen sind das Spiegelbild ihres Erwerbslebens", sagte Di Pasquale. Notwendig seien "ein Rückkehrrecht in Vollzeit, ein flächendeckender Ausbau der Kinderbetreuung und die Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung". Die Mütterrente sollte wie das Kindergeld von allen Steuerzahlern finanziert werden, nicht nur von den Beitragszahlern.
Neurentner in Bayern bekamen laut DGB im Durchschnitt am meisten im Landkreis Erlangen-Höchstadt (1.284 Euro), Rentnerinnen erhielten in München (763 Euro) die höchste durchschnittliche Rente. Auf dem letzten Platz lagen laut Erhebung die Stadt Landshut mit 724 Euro für Männer und der Landkreis Cham mit 462 Euro für Frauen.
Bereits in der Enzyklika Quadragesimo anno (lateinisch für im vierzigsten Jahr) vom 15. Mai 1931 wies Papst Pius XI. darauf hin, dass der gerechte Lohn (64–75) sich zusätzlich zur jeweiligen Arbeitsleistung nach dem Lebensbedarf des Arbeiters und seiner Familie bemessen müsse.
Und noch Papst Johannes Paul II bekräftigte in der Enzyklika Laborem exercens diese Aussage. Es sei immer nur der Mensch, der arbeite und deshalb auch Anspruch auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen und gerechten Lohn habe.
Warum immer nur die Gewerkschaften diese Selbstverständlichkeiten durchsetzen müssen?
Samstag, 29. Januar 2022
Samstagsnotizen: Wie weiter mit unserer Kirche (5)
Wir fühlen uns wie Matros:innen auf einem lecken Schiff. Wir gehen durch den Rumpf des Schiffes und sehen die Löcher in der Schiffswand. Es sind viele kleine Löcher und doch hängen die meisten irgendwie miteinander zusammen. Es sind viele, zu viele Lecks und wir sind viel zu wenige für diese Situation ausgebildeten Matros:innen an Bord – viel zu wenige, die die Krise als produktiven Zustand annehmen können, anstelle noch weiter Wasser aus dem Schiffsbauch zu schöpfen und einzelne Löcher zu stopfen.Quelle: Redaktion Feinschwarz 18. Januar 2022 - Fragen an eine zukünftige Gestalt von Kirche. Logbucheintrag von einem schwankenden Schiff
23.01.2022 Bischof Dieser fordert Reformen beim Umgang mit Sexualität(Quelle: Domradio) während der Würzburger Bischof Jung erklärt, dass "hier nicht sobald mit einer Änderung zu rechnen ist" (Quelle)
"Wenn nichts geschieht, sind wir endgültig weg"
Der Bischof von Aachen fordert einen anderen Umgang mit homosexuellen Menschen, ein Schuldbekenntnis der Kirchen sowie eine kluge und mutige Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt. ...
Der Mainzer Bischof Kohlgraf meint:
[Nun] müsse das Arbeitsrecht bei der "Bewertung der verschiedenen Lebensformen" weiter entwickelt werden.(Quelle).
Mehrere deutsche Bischöfe (und Generalvikare) haben also erklärt, nun das kirchliche Arbeitsrecht in den Blick zu nehmen (Quelle).
Der Münsteraner Bischof Felix Genn [erklärte], es gebe für homosexuelle Mitarbeitende in seinem Bistum keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen. "Außerdem ist es seit einigen Jahren im Bistum Münster bereits so, dass auch der persönliche Familienstand keine Relevanz für die Anstellung oder Weiterbeschäftigung bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung hat"(Quelle)
Und was ist mit den anderen MitarbeiterInnen? Mit den LaientheologInnen, KatechetInnen, KirchenmusikerInnen, KüsterInnenn (MesnerInnen) oder ReligionslehrerInnen? Ist der "Ernst der Lage wirklich allen Bischöfen deutlich" geworden? Man kann daran zweifeln. So meint auch Prälat Peter Beer "Diese Kirche kann sich nicht selbst aufklären. Das ist eine bittere Erfahrung." (Quelle)
Gerade haben queere Beschäftigte völlig zu Recht ihre Diskriminierung durch das rigide Arbeitsrecht für die rund eine Million Mitarbeitenden der katholischen Kirche und der Caritas angeprangert. Immer noch können beide Institutionen, die in Deutschland zu den größten Arbeitgebern nach dem Staat zählen, Menschen wegen einer eingetragenen Partnerschaft oder einer gleichgeschlechtlichen Ehe kündigen. Die katholischen Bischöfe arbeiten schon seit Jahren an Reformen. Bisher ließen sie sich noch so kleine Fortschritte aber oft nur mit Arbeitsgerichtsurteilen abringen.(Zitiert aus der ZEIT)
Wie schnell sich dennoch die Erkenntnis wandelt: Noch im Sommer 2018 konnte der Caritasverband die Kirchengewerkschaft ver.di im DGB auffordern, sich mit Sitz und Stimme an den AK zu beteiligen und damit den bestehenden kirchlichen Sonderweg einschließlich der Loyalitätspflichten im Arbeitsrecht hinzunehmen. Jetzt kann es vielen mit der Reform des kirchlichen Arbeitsrechtes anscheinend nicht schnell genug gehen. Jedenfalls schreibt das Domradio (Köln)
Zahlreiche Bischöfe haben sich positiv zur Kampagne #OutInChurch von queeren katholischer Menschen geäußert. Doch das kirchliche Arbeitsrecht hält mit dieser Entwicklung noch nicht Schritt - wie schnell können Änderungen kommen?Und was ist mit dem Rest? Wieder nur "zu kurz gesprungen"? Nur das aufgeben, was auch nach Erkenntnis der blindesten aller Beteiligten ohnehin nicht mehr zu halten ist?
...
Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode betonte, die Zeugnisse der Kampagne mahnten eine "längst überfällige Debatte" an: Es brauche dringend "für alle Seiten verlässliche Lösungen" bezüglich des Arbeitsrechts.
...
Unterdessen sagte der Arbeitsrechtler Hermann Reichold der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstag), die Grundordnung des kirchlichen Arbeitsrechts könne "in dieser Form keinen Bestand haben". Weltliche Gerichte würden "immer kritischer", kirchliche Arbeitgeber würden künftig eine wachsende Zahl von Prozessen verlieren. Geplant sei die Vorlage eines reformierten Arbeitsrechts noch für dieses Jahr, sagte Reichold, der den Verband der Diözesen Deutschlands bei dieser Reform berät. "Die bisherige Verurteilung von Homosexualität wird aller Voraussicht nach bei der Reform des Arbeitsrechts wegfallen. Man wird dann wahrscheinlich einfach darüber hinweggehen."...
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