Posts für Suchanfrage Klerikalismus werden nach Datum sortiert angezeigt. Nach Relevanz sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage Klerikalismus werden nach Datum sortiert angezeigt. Nach Relevanz sortieren Alle Posts anzeigen

Sonntag, 16. November 2025

Sonntagsnotizen: 60 Jahre "Katakombenpakt" – Eine Frucht des Konzils

die Seite "katholisch.de" befasst sich mit einem eher geheimnisvollen Treffen geistlicher Würdenträger in den Katakomben von Rom:
Rom ‐ Er war ein Nebenschauplatz des Zweiten Vatikanischen Konzils. Und doch betraf er eine Kernbotschaft der Kirche: Der "Katakombenpakt" von rund 40 Bischöfen der Weltkirche wies ihr denselben Weg wie zuletzt Papst Franziskus.

"Wie sehr wünsche ich mir eine arme Kirche für die Armen!" Dieser Ausruf aus den ersten Tagen der Amtszeit von Papst Franziskus (2013-2025) hat viele in der Kirche aufgeschreckt. Eine arme Kirche? Bitte nicht! Immer wieder zielte der Papst aus Lateinamerika auf Pomp, Selbstzufriedenheit und Äußerlichkeiten, auf Klerikalismus und auf die Beschäftigung mit sich selbst. ...
wir haben diesem faszinierenden Ereignis bereits vor Jahren immer wieder Blogbeiträge gewidment. Sie sind "hier" nachzulesen. Viel Spaß - und gerade die richtige Lektüre an einem grauen Novembersonntag.
Vielleicht ist an diesem Sonntag dann auch noch die heutige Botschaft von Papst Leo zum Welttag der Armen eine ergänzende Lektüre in diesem Kontext.

Sonntag, 1. Dezember 2024

Sonntagsnotizen zu Beginn des Kirchenjahres - Abschlussdokument der katholischen Weltsynode ist vom Papst als "rechtsverbindlich" bezeichnet worden

das berichten zu Beginn des neuen Kirchenjahres u.a. das Domradio oder auch VaticanNews *). Da ist es dann schon interessant zu schauen, was denn nun genau "rechtsverbindlich" geworden ist.
Die vier Bischöfe aus Eichstätt, Köln, Passau und Regensburg haben in einer gemeinsamen Presseerklärung bereits am 4. November klar gestellt, dass von den Themen des "Synodalen Weges" in Deutschland lediglich das Thema "Macht" von der Weltsynode aufgegriffen wurde:
...
Die von der Frankfurter Versammlung vorgenommene, ausschließliche Identifikation von vier Hauptthemen als diejenigen, die Missbrauch strukturell begünstigen würden, hält nach heutigen Erkenntnissen kaum Stand. Zwei der vier Themen (Zölibat und Sexualmoral) sind im Abschlussdokument der Weltbischofssynode zudem nicht aufgegriffen worden. In der Frage nach der möglichen Teilhabe von Frauen am sakramentalen Weiheamt gibt es nach der Weltbischofssynode keinen neuen Sachstand. Und die Frage nach der Macht, die in ihrer negativen Auswirkung von Papst Franziskus massiv unter dem Stichwort "Klerikalismus" angeprangert wird, wird im Schlussdokument mit einem umfassenden Entwurf eines gemeinsamen, geistlichen Weges der Kirche beantwortet. Die Ziele des deutschen Synodalen Weges und der weltkirchliche Prozess der Synode gehen damit aus der Sicht der vier Bischöfe inhaltlich nicht Hand in Hand. Auf den in der römischen Synode angestoßenen Weg sind auch die vier Bischöfe gerne bereit, sich mit ihren Mitbrüdern im Bischofsamt und mit möglichst vielen anderen Beteiligten aus möglichst allen kirchlichen Gruppierungen neu einzulassen. Leitend ist ihnen dabei die Frage, welche Formen und Strukturen dem gläubigen Volk Gottes in Deutschland dabei helfen, "ein Volk von Jüngern und Missionaren zu sein, die gemeinsam unterwegs sind" (XVI. Ordentliche Bischofssynode, Abschlussdokument, Nr. 155).
Auch wir haben das Thema "Macht" und "Klerikalismus" mehrfach in unserem Blog aufgegriffen. Wir möchten daher nachlesen, wass denn die Weltsynode dazu gesagt hat.
Bisher liegt die offizielle Fassung des finalen Dokuments auf Italienisch, Französisch, Portugiesisch, Spanisch und Englisch (Stand 26.10.2024) vor. Das Abschlussdokument der katholischen Weltsynode ist bisher wohl nur in deutscher Arbeitsübersetzung verfügbar.
Wir sind dann schon neugierig, wann dieses Dokument dann auch offiziell auf deutsch veröffentlicht wird.


Anmerkungen:
vergleich auch
katholisch.de - Jeppesen-Spuhler (Synodenteilnehmerin): Papst hat Weltsynoden-Dokument verbindlicher gemacht
katholisch.de - Was die offizielle Approbation des Papstes bedeutet: Maßschnur für Bischöfe – das Synodendokument als ordentliches Lehramt
Diesem Lehramt ist zwar keine "Glaubenszustimmung", wohl aber "religiöser Verstandes- und Willensgehorsam" entgegenzubringen, wie es in der Sprache des Kirchenrechts heißt (c. 752 CIC). Das bedeutet: Glauben muss zwar niemand, was im Abschlussdokument steht, wie das etwa bei Dogmen der Fall wäre.
Wohl aber muss es "ehrfürchtig anerkannt" werden und den Positionen "aufrichtige Anhänglichkeit gezollt" werden, wie es das Zweite Vatikanische Konzil in seiner Kirchenkonstitution "Lumen Gentium" (Nr. 25) formuliert. Damit sollen nicht Verstand und Willen ausgeschaltet werden, kommentiert der "Münsterische Kommentar zum CIC", und ein eigenständiges "Nachdenken und Forschen" werde erwartet. Letzten Endes werde in dieser Verbindlichkeitsstufe aber erwartet, dass die von der höchsten Autorität der Kirche vorgetragene Lehre akzeptiert wird. So wichtig war dem kirchlichen Gesetzgeber dieser Gehorsam, dass auf die "hartnäckige Ablehnung" derart vorgetragener Lehren kirchliche Strafen ausgesetzt sind – insbesondere der Amtsverlust. Auf diese Konsequenzen verweist Papst Franziskus nicht ausdrücklich. Er lässt sie angesichts konservativer Kritik an der Weltsynode und ihren Beschlüssen aber zumindest anklingen.
na ja, was wir von der "ehrfürchtigen Anerkennung" und der "hartnäckigen Ablehnung" halten können, sehen wir ja bei den Irrungen des deutschen kirchlichen Arbeitsrechts - da ist vom Gewerkschaftsprinzip der päpstlichen Sozialenzykliken und Tarifverträgen (Mater et magistra) nur das Gegenteil übrig geblieben.
Wie war das doch gleich wieder mit dem Thema "Glaubwürdigkeit und Kirche" ?
Sollte man wirklich noch daran glauben, dass im neuen Kirchenjahr (beginnend mit dem 1. Adventssonntag) der Umgang mit dem päpstlichen Lehramt auch in Deutschland relevant würde?
Zweifel bleiben - aber die gehören wohl zur Theologie (Joh 20,19-31)

Freitag, 20. Oktober 2023

Weltsynoden-Halbzeit: jetzt stehen die Konflikte auf der Tagesordnung

Am letzten Freitag haben wir unter der Überschrift "Toleranzpatent vom 13. Oktober 1781" darauf hingewiesen, dass das Staatskirchenrecht in Europa - also das staatliche Religionsrecht, das auch die staatlichen Beziehungen zu den Kirchen regelt, ein Ergebnis der gesellschaftlichen Entwicklungen des 18ten und 19ten Jahrhunderts ist.
Als Beispiel diente uns auch der "preußische Kulturkampf", der anlässlich der "polnischen Teilungen" in den Jahren 1772 (1. Teilung), 1793 (2. Teilung) und 1795 (3. Teilung) unter Russland, Preußen und Österreich für die protestantischen Preußen und deren protestantischem Königshaus zur drängenden Frage führte, wie mit den überwiegend katholischen Bevölkerungsteilen umzugehen sei - und den Versuch begründete, im der "preußische Kulturkampf" von 1871 bis 1887 eine preußisch katholische Staatskirche unter staatlichem Kuratell zu bilden. Den förmlichen Gesetzen dieses Kulturkampfes gingen - schon Jahrzehnte vorher - ständige Bemühungen des preußischen Staates voraus, die katholische Kirche der ehemals polnischen Staatsgebiete in das preußische Staatswesen und die preußische Staatsverwaltung einzugliedern. Dieses Bemühen stieß auf den erbitterten Widerstand des polnischen Episkopats.

Heute wollen wir kurz erläutern, dass diese gesellschaftlichen Umbrüche auch vor dem innerkirchlichen Recht nicht "anhalten".

Mittwoch, 18. Oktober 2023

Bistum Eichstätt wartet noch auf Millionenrückzahlung aus USA

berichtet katholisch.de
Im Zusammenhang mit seinem Finanzskandal sollte das Bistum Eichstätt bis Sommer 2023 rund 18 Millionen Dollar aus den USA erhalten. Es gingen aber erst 13 Millionen Dollar ein. Geprüft werde nun auch eine Zwangsvollstreckung.
...
auf den Skandal und das zugrunde liegende Herrschaftsverstädnis "Klerikalismus" haben wir im Blog bereits hingewiesen.
Wir betrachten es daher auch als unsere Pflicht, gelegentlich über den Fortgang der Entwicklung zum "System Eichstätt" zu berichten.

Sonntag, 8. Oktober 2023

Sonntagsnotizen: für inklusive und solidarische Wirtschaft - gegen Klerikalismus

Nach einer Meldung von VaticanNews hat sich Papst Franziskus für eine inklusive und solidarische Wirtschaft "stark gemacht". In seiner Botschaft an
jungen Wirtschaftswissenschaftler und Finanzexperten, die sich der Bewegung „Economy of Francesco“ angeschlossen haben, um eine Wirtschaft aufzubauen, die niemanden zurücklässt
unterstützte er die Werte, für die sich in Deutschland unsere ver.di in der Gemeinschaft der DGB-Gewerkschaften einsetzt.

Obwohl die Weltsynode "geheim" tagt, sind erste Diskussionsinhalte bekannt geworden.
Vaticannews berichtet, dass auch der Klerikalismus diskutiert wurde:
Die Synodenteilnehmerinnen und – teilnehmer hätten aber auch die Probleme einer „klerikalistischen Kirche“ angesprochen, präzisierte Ruffini. Eine synodale Kirche sei offen für alle und es gehe darum, von einem Verständnis der Macht zu einem Verständnis des Dienstes zu kommen.
Klerikalismus - das ist die gerade in kirchlichen Kreisen herrschende "Verwaltungsform", die zum Einen zu diversen finanziellen Skandalen geführt hat, die den Missbrauch begünstigt, die Machtmissbrauch fördert und wohl letztendlich auch die "Ideologie der Dienstgemeinschaft" befeuert. Der Abschluss von "Tarifverträgen auf Augenhöhe" würde dagegen die Abgabe von klerikaler Macht bedeuten - einer Macht, an der die Mitglieder der kirchlichen Kommissionen zu partizipieren glauben, ohne tatsächlich teil zu haben - eine "Partizipationsattrappe", wie der emeritierte Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke ein Grundsystem des kirchlichen Rechts beschreibt.
So scheint sich vielen die Frage zu stellen: "Was ist diese Synodalität eigentlich?" - dazu passt, dass Kardinal Müller, Teilnehmer der derzeit im Vatikan tagenden Weltsynode der Bischöfe, Teilen des deutschen Katholizismus "häretische Positionen" vorwirft. Wir haben das bezüglich der theologischen Überhöhung der "Dienstgemeinschaft" und dem daraus folgenden, schismatisch erscheinenden, Widerspruch zu den päpstlichen Sozialenzykliken allerdings auch schon getan.

Sonntag, 12. März 2023

Papst warnt vor einer "Klerikalisierung von katholischen Laien"

Papst Franziskus hat eine "Klerikalisierung" von katholischen Laien vehement zurückgewiesen. "Klerikalismus ist das Schlimmste, was der Kirche passieren kann, schlimmer noch als zu Zeiten der korrupten Päpste", sagte er am Sonntag der italienischen Zeitung "Il Fatto Quotidiano". Franziskus sprach von einer "sehr ansteckenden Krankheit", die der Kirche schade, wenn sie Priester, Bischöfe oder Kardinäle befalle. "Noch schlimmer sind klerikalisierte Laien. Sie sind eine Pest in der Kirche. Der Laie muss Laie bleiben", so der Papst.

"Ich träume von einer Kirche ohne Klerikalismus", sagte Franziskus und verwies auf den französischen Theologen Henri de Lubac (1896-1991), der auch Joseph Ratzinger beeinflusste, den späteren Papst Benedikt XVI. De Lubac warnte laut Franziskus vor Klerikalismus mit dem Begriff einer "spirituellen Verweltlichung". Diese sei "unendlich viel desaströser als jede nur moralische Verweltlichung".
berichtet katholisch.de erneut - wie schon im Juni 2022.

Ob das jetzt auch für eine Klerikalisierung des für Laien geltenden Arbeitsrechts in der Kirche gilt? Die theologische Überhöhung des "Dritten Weges" und des historisch schwer belasteten Begriffes der "Dienstgemeinschaft" war ja immer wieder Gegenstand der Kritik.

Dienstag, 8. Februar 2022

Der Klerikalismus ist die Perversion der Kirche

unterstrich der Pontifex. Er führe zu Starrheit und einem Festfahren in der Kirche, "und unter jeder Art von Starrheit gedeiht Fäule", sagte der Papst.

Quelle: Papst Franziskus gibt einem italienischen TV-Sender ein Interview.

... aber was interessiert das nördlich der Alpen? Rom ist weit, und der direkte Blick verfängt sich an den Gipfeln.  

Donnerstag, 20. Januar 2022

Heute: Kirche und Gesellschaft - leider ...

Mit dem Rummel um das heute veröffentlichte Missbrauchsgutachten für die Erzdiözese München und Freising kommen wir nicht umhin, uns auch mit diesem Thema auseinander zu setzen.

1. Sogar im "tiefkatholischen Bayern" überschlagen sich die Austritte und erreichen immer neue Rekorde (Quelle)
2. Ja, das Vertrauen der Menschen in Deutschland ist nach Angaben des forsa-Instituts auf einem Tiefpunkt (Quelle). Es scheint uns aber "zu kurz gesprungen", das ursächlich auf den geistlichen und sexuellen Missbrauch zu reduzieren. Das Problem ist viel weitergehender.
2.a) Der (Macht-)Missbrauch ist eine Folge der theologischen Überhöhung geistlicher Berufe, und der damit einhergehende Klerikalismus führt zwangsläufig zum Verdrängen, Verschweigen und zur systemischen Vertuschung - weil nicht "am Lack gekratzt werden" darf.
2.b) Verdrängung, Vertuschung und Wegschauen sind das eigentliche Missbrauchs-Problem der Institution Amtskirche.
"Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird." (Lk 12,1-2)
Und weil das "Verdrängen und Wegschauen" zur Erhaltung der Machtkultur gehört, sind auch nicht diejenigen die "Bösen", die ihre Stellung missbrauchen sondern diejenigen, die auf die Fehler hinweisen und auf deren Behebung drängen. Dass das universelle Kirchenrecht die Gläubigen dazu ausdrücklich berechtigt und bisweilen sogar dazu verpflichtet (Can. 212 § 3 CIC) wird dabei geflissentlich und gerne übersehen.

Und jetzt kommt etwas das im Getöse der Missbrauchsdebatte untergeht:
3. Der Kern des Problems ist doch auch, dass die "klerikale Amtskirche" keinen Bezug mehr zur Lebenswirklichkeit der Gesellschaft hat.

Samstag, 1. Januar 2022

Samstagsnotizen: Wie weiter mit unserer katholischen Kirche? (1)

In einem unmissverständlich klaren Interview hat sich Erzbischof Dr. Gänswein, Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI., zum Synodalen Weg geäussert. Einige Passagen sind hier zum Nachlesen wiedergegeben. Wir dokumentieren einige der Texte auch in unserem Blog, obwohl wir uns aus den theologischen Diskussionen auch um mißbrauchende Triebtäter und vertuschende Obere heraus halten müssen - und wollen, aber ein wesentlicher Kern der Aussagen ist auf das kirchliche Arbeitsrecht als "Mittel zum Machterhalt" anzuwenden - gute Arbeitsbedingungen werden nicht fair zwischen starken Gewerkschaften und der Amtskirche vereinbart, sondern (nur in Deutschland) zwischen Verbandsfunktionären verhandelt und dann per "Gnadenakt" gewährt.
Wie wir dazu kommen:

Montag, 20. Dezember 2021

Bischof Meier: Wer bei der Kirche arbeitet, dem muss man es anmerken

zitiert katholisch.de
Augsburgs Bischof Bertram Meier hat Kirchen-Mitarbeitende dazu aufgerufen, sich als "lebendige Visitenkarten" zu verstehen. "Wer bei der Kirche beschäftigt ist, dem muss man es anmerken. Bei der Kirche arbeiten heißt nicht nur, sie als 'Brötchengeberin' zu sehen, sondern auch in ihr und mit ihr zu leben",
Wie jetzt?
Muss ich als kirchliche/r Mitarbeiter/in täglich mit einem entrückten Seeligkeitslächeln durch die Welt flanieren und allen Mitmenschen ein durchgeistigtes "Hosianah" zulispeln?
Darf ich als kirchliche/r Mitarbeiter keine emotionalen Regungen mehr zeigen - sind das neue Loyalitätspflichten?
Ja, ich bin katholisch - auch aus einer langen Familiengeschichte deren Ziele ich mir zu eigen gemacht habe - und manchmal bin ich so wütend auf meine katholische Kirche, dass ich dieser meiner Kirche am liebsten den ganzen Betel vor die Füße werfen würde. Diese meine Kirche macht es mir und vielen anderen unendlich schwer, mit ihr zu leben. Muss man mir das auch anmerken?
Wie war das mit dem "Heiligen Zorn" (Johannes 2:13 ff; vgl. auch Mt 21,12–17; Mk 11,15–19; Lk 19,45+46) - und passt das nicht gerade auch auf die Adventszeit und nicht nur auf den dritten Fastensonntag?

Nun, der Bischof meint weiter:
"Wie oft legen wir die alten Schallplatten auf, ohne auf die 'Zeichen der Zeit' zu achten. Was vor 30 oder 40 Jahren gut war, ist 2021 wahrscheinlich überholt", mahnte der Bischof. Zukunftsfähige Pastoral sei mehr als neue Strukturen für dünnere Personaldecken zu organisieren: "Wir müssen sie mit Inhalt füllen!"

Dass eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen sich zu freikirchlich anmutenden Gemeinschaften hingezogen fühle, müsse der katholischen Kirche zu denken geben. "Sollte es daran liegen, dass sie bei uns nicht das finden, was sie eigentlich suchen: geistliche Nahrung, 'Sprit' fürs Leben?" Die Kirche dürfe kein "seelenloser Apparat" sein, betonte der Bischof, sie müsse "als Werkzeug lebendiger Seelsorge" dienen. "Für mich steht die Seelsorge ganz oben. Sie hat absolute Vorfahrt." (tmg/KNA)
- da hat er ja nicht unrecht: der Kirche gelingt es nicht, sich auf die Lebenswirklichkeit in der Gesellschaft einzustellen, die "frohe Botschaft" zeitgerecht zu verkünden. Sie agiert stattdessen mit Hoheitsakten, Druck, Strafe und Verweigerung, und verlangt letztlich dass sich die Gesellschaft der alten Schallplatte anpasst.
Die Beharrung auf "katholische MAV-Vorsitzende" (wir berichteten), die in manchen bayerischen Diözesen ihr Unwesen treibt und weder eine deutsche katholische Anforderung (siehe die anderen Bistümer) noch eine Regel aus Rom ist, sondern lediglich eine völlig überzogene theologische Überhöhung (vgl. Nell Breuning und Hengsbach) einer durch den Staat in vielen Gesetzen erzwungenen Tätigkeit) ist ein typisches Zeichen der "Weltfremdheit" dieser Amtskirche - repräsentiert auch durch Bischof Meier.
Aber am gleichen Tag bringt "katholisch.de" auch einen aufschlußreichen weiteren Bericht:
Klerikalismus ist in der Kirche nicht die Regel, aber auch nicht die Ausnahme, schreibt Julia Knop. Mitarbeiter spüren zu lassen, "dass er ein Bischof ist und ich nur ein Mensch", ist noch an der Tagesordnung.
meint Erich Sczepanski

Sonntag, 14. Februar 2021

Sonntagsnotizen - Machtstrukturen hinterfragen!

Diese Forderung wird im Kontext mit dem "Synodalen Weg" immer wieder erhoben. So berichtet "Kirche und Leben" Anfang Februar:
Drei von Missbrauch Betroffene haben bei der Delegiertenversammlung gefordert, der Synodale Weg dürfe nicht weiter auf die Stimme der Betroffenen verzichten.
Einer von ihnen fragte, wann Änderungen im kirchlichen Verfahrensrecht erfolgten, „die Überlebende vom Objekt zur handelnden Person machen“.
Die Erfurter Theologin Julia Knop kritisiert (bei einer jetzt beendeten Online-Tagung zum Thema "Gestaltwandel des Priesterlichen. Verortung des Leitungsdienstes in einer sich wandelnden Kirche" der Katholischen Akademie Schwerte) nach einem Bericht von katholisch.de, dass die Kirche weiterhin vielfach von Standesdenken geprägt sei.
Was momentan häufig als Klerikalismus kritisiert werde, sei letztlich eine Standeslogik, die zum Habitus geworden sei, so die Theologin: dass Bischöfe Dinge "unter sich" regelten und Mitbrüder einander näherstünden als diejenigen, die von Missbrauch betroffen seien. ...
Die Macht eines geistlichen Amtes sollte nach Ansicht von Jesuitenpater Klaus Mertes nicht verleugnet werden. Wer ein geistliches Amt innehabe, dieses aber nicht als Amt begreife oder bestehende Machtgefälle negiere, ändere nichts an den Fakten. ... Mertes mahnte zudem zu einer differenzierten Sprache. So lasse sich etwa zwischen Grenzverletzungen, Übergriffen und Missbrauchstaten unterscheiden.
...
und der frühere Bundesrichter Thomas Fischer kritisiert die „Hysterisierung“ in der Debatte um Missbrauchsgutachten im Erzbistum Köln. „Alles ist überaufgeregt“ (so Radio Vatikan).
Alles überzogen?

Sonntag, 22. September 2019

Sonntagsnotizen - Klerikale Macht: Zur Herbstkonferenz der Deutschen Bischöfe

Seit 10.09.2019 ist die Themenpalette für DBK-Herbstvollversammlung in der kommenden Woche bekanntgegeben:
Beratungen über Reformen, Missbrauch und aktuelle Politik
Hochaktuelle Themen stehen auf der Tagesordnung der DBK-Herbstvollversammlung in Fulda.
Dort wollen die Bischöfe vor allem über Reformen in der Kirche und über die weitere Aufarbeitung des Missbrauchsskandals beraten. Auf der Agenda der Versammlung vom 23. bis 26. September stehen aber auch die politischen Entwicklungen nach den jüngsten Landtagswahlen, die Klimadebatte und das Engagement der Kirche für Flüchtlinge, wie die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn mitteilte. An den Beratungen nehmen 69 Mitglieder der Bischofskonferenz unter Leitung des Vorsitzenden teil, Kardinal Reinhard Marx....

"Synodaler Weg" soll Schwerpunktthema sein"
Schwerpunkt der Beratungen bei der Vollversammlung sollen die Vorbereitungen des von den Bischöfen beschlossenen "synodalen Wegs" sein.

Donnerstag, 2. Mai 2019

Kardinäle im Streit - Kasper will kirchliche Verwaltungsgerichte als Machtbegrenzung

Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper widersprach seinem Mitbruder, Kardinal Gerhard Müller, der es für unmöglich hält, dass in Verwaltungsgerichten Laien über Bischöfe zu Gericht sitzen könnten. „Das sehe ich anders. Es geht ja nicht um ein Urteil über Personen, sondern über deren Entscheidungen“, sagte Kasper.


Diese Bemerkenswerte Aussagen finden sich in aktuellen Berichten u.a. von Radio Vatikan, wonach Kardinal Kasper die Einführung innerkirchlicher Verwaltungsgerichte als Beschwerde-Instanzen fordert. Als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal würde eine solche Einrichtung der Autorität eines Bischof nichts wegnehmen. 
Es handele sich um
"Formen von Machtbegrenzung, die sich bewährt haben"
"Wenn wir zu Recht über arroganten, selbstverliebten Klerikalismus und Machtmissbrauch in der Kirche klagen, dann müssen wir doch auch sehen, welche Formen von Machtbegrenzung und Machtkontrolle sich anderswo bewährt haben, etwa in demokratischen Gemeinwesen."
Quelle:

Mittwoch, 27. Februar 2019

Resümee aus dem Gipfel im Vatikan?

Höchst widersprüchlich sind die Reaktionen auf den mehrtägigen Gipfel der Bischöfe in Rom.
Tatsächlich scheint die Umsetzung der päpstlichen Vorgabe "Null Toleranz" im Hinblick auf den körperlichen Missbrauch auch auf dem Weg zu sein. Die Leiter von Dikasterien (das sind die Ministerien im Vatikan), die mit dem Thema Kinder und Jugendliche zu tun haben, sowie Vertreter des Staatssekretariats trafen das Organisationskomitee des Kinderschutzgipfels und dessen Moderator Federico Lombardi.
Wir können und wollen uns an dieser spezifischen Diskussion nicht beteiligen.

Das Thema "sexueller Missbrauch" ist nach unserer Überzeugung nämlich nur die Auswirkung, das Symptom einer viel tiefer greifenden strukturellen Problematik, die unter dem Stichwort "klerikaler Machtmissbrauch" in der öffentlichen Diskussion immer wieder aufscheint.

Mittwoch, 6. Februar 2019

"Was die Kirche kaputt macht"

Unter dieser Überschrift kommentiert heute die Süddeutsche Zeitung (print, S. 4) anlässlich der Finanzskandale in unserer Kirche und führt dazu aus:
Das System, das da in Eichstätt sichtbar wird, hat einen Namen: Klerikalismus. Ein Bund der Brüder wähnt sich unangreifbar. Er schottet sich ab, Eindringlinge sind Feinde, kritische Fragen Blasphemie. Der gleiche Klerikalismus macht den Machtmissbrauchsskandal in der katholischen Kirche möglich. ....
...
Der Klerikalismus ist ein weltweites Problem. Jeder Priester sollte es bekämpfen, wenn er sein will, was er sein soll: Diener Gottes und der Menschen. Und die Gläubigen sollten es sowieso. Klerikalismus würdigt sie herab - und macht ihre Kirche kaputt.
 
Wir möchten dem nur hinzufügen, dass nach unserer Ansicht der Klerikalismus auch ursächlich für den Machtmissbrauch im kirchlichen Arbeitsrecht ist (die Weigerung, sich mit Gewerkschaften zu vertragen, steht als "negative Koalitionsfreiheit jedermann und jedem Arbeitgeber zu, widerspricht aber den kirchlichen Sozialenzykliken und damit dem universal geltenden Kirchenrecht und dem päpstlichen Lehramt).

Sonntag, 3. Februar 2019

Sonntagsnotizen: Offener Brief an Marx - Theologen fordern Reformen

unter dieser Überschrift berichtet katholisch.de über einen Brandbrief namhafter Theologen an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, der dann auch im Wortlaut dokumentiert wird.
In all dem Desaster um sexuellen Missbrauch und Finanzskandale wird fast zugedeckt, dass sich eine klerikale Machtstruktur auch in anderen Bereichen zeigt. Wir möchten daher einen Auszug aus dem Brandbrief zitieren:
Lieber Herr Kardinal Marx,

der sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenen durch katholische Kleriker und die Versuche im Verantwortungsbereich der Bischöfe, solche Taten zu vertuschen, haben viel Unheil in das Leben der Betroffenen gebracht und im weiten Umkreis den Glauben von katholischen Christen erschüttert.


Wir bitten Sie darum, in Rom freimütig den wichtigsten Ertrag der MHG-Studie zur Sprache zu bringen: Missbrauch in unserer Kirche hat auch systemische Gründe. Die Versuchung des Klerikalismus folgt dem Klerus wie ein Schatten. Die Aussicht auf Macht in Männerbünden zieht Menschen aus Risikogruppen an.


Die aktiven Katholiken in Deutschland tragen in ihrer großen Mehrheit die vormoderne Ordnung der Kirche nicht mehr mit. Sie ertragen sie nur noch. Und jedes Jahr sind es Zigtausende, die die Last abwerfen und austreten.
Wir appellieren deshalb an unsere Bischöfe: Vertrauen Sie dem Glaubenssinn Ihrer Gläubigen, und gewinnen Sie der Kirche Wahrhaftigkeit und Weite zurück, ohne die das Evangelium nicht atmen kann! Nehmen Sie Ihre geistliche Vollmacht für mutige Reformen in Anspruch: Binden Sie sich selbst durch echte Gewaltenteilung – das passt besser zur Demut Christi und in den Rahmen der für alle geltenden Gesetze.

Freitag, 21. Dezember 2018

Kardinal Marx für mehr Gewaltenteilung in der Kirche

Mit einem "Paukenschlag" endet die Adventszeit im Erzbistum München und Freising. Wie Medien *) berichten, hat sich Kardinal Marx am Donnerstag bei seinem traditionellen Jahresabschlussgespräch im Münchner Presseclub massiv gegen den auch von uns immer wieder kritisierten "Klerikalismus in der Kirche" gewandt:
 
Kardinal Reinhard Marx sieht im Klerikalismus ein Hauptproblem für den Missbrauch – daher brauche es mehr Verantwortung für Laien.
...
Die Antwort der Geschichte auf solche Zustände sei die Kontrolle und Teilung von Macht.
 
Im Lärm um sexuellen Missbrauch durch Kleriker scheinen allerdings einige weitere Untertöne der Aussagen von Kardinal Marx fast unterzugehen. Dabei haben diese Aussagen noch bedeutend mehr "Sprengkraft". Katholisch.de zitiert Marx mit folgender Aussage:
 
Es geht nicht um Weihe, sondern um Kompetenz

Dienstag, 20. November 2018

"Vertrauenskrise extremsten Ausmaßes"

Bischof Overbeck fordert deutliche Veränderungen in der Kirche

"Vertrauenskrise extremsten Ausmaßes"


Nach Veröffentlichung der Missbrauchsstudie fordert Essens Bischof Franz-Josef Overbeck deutliche Veränderungen in der katholischen Kirche. Diese erlebe "eine Vertrauenskrise extremsten Ausmaßes", sagte der Ruhrbischof in Mülheim an der Ruhr.

Fragen zur Sicht der Kirche auf Homosexualität, Zölibat, Machtmissbrauch und die Rolle der Frau müssten neu gestellt und beantwortet werden, so Overbeck nach Angaben des Bistums vom Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion.
Quelle und mehr: Domradio

Wir meinen: auch die Verweigerung der Kooperation mit Gewerkschaften könnte als "Machtmissbrauch" verstanden werden. Diese Haltung entspringt den
Abhängigkeitsstrukturen zwischen Geistlichen und Laien

Auch zum Klerikalismus nehmen die Wissenschaftler Stellung: Sie definieren ihn "als das Bestreben, einer Religion über die religiös-geistige Einflusssphäre hinaus weltliche Macht zu verleihen und religiösen Dogmen politische Geltung und politisches Gewicht zu verschaffen".

Sie kommen zu dem Schluss, dass "Priester mit klerikalem Amtsverständnis dazu tendieren, Laien in der Interaktion zu dominieren und asymmetrische Abhängigkeitsstrukturen zwischen sich und Laien zu schaffen".
(zitiert aus einem Bericht des Domradio *klick*) - allerdings können sich Gewerkschaften auch auf anderen Wegen zu Wort melden. Daher gilt auch hier das Schlagwort:
"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."

Sonntag, 9. September 2018

Sonntagsnotizen - Kirchliches Selbstverständnis?

Gedanken zu Rosch Haschana


Wir haben das Thema unter dem Stichwort "Entweltlichung" immer wieder angesprochen. Wo liegt das Selbstverständnis der Kirche? Wodurch zeichnen sich kirchliche Einrichtungen aus? Ist das wirklich im Wesentlichen die Verweigerung von Vereinbarungen mit Gewerkschaften (die im Übrigen nicht dem weltweit geltenden Kirchenrecht und der katholischen Soziallehre entspricht)?

Man hat insbesondere im Bereich des Arbeitsrechts den Eindruck, dass gewerbliche - wirtschaftliche - Interessen das Selbstverständnis kirchlicher Einrichtungen dominieren.

Wir möchten heute auf eine wichtige Entwicklung hinweisen, die sich in Papst Franziskus konkretisiert:
Nicht nur für die Kirche in Lateinamerika war die Bischofsversammlung in Medellín 1968 ein Meilenstein. Die dort beschriebene "Option für die Armen" prägt Theologie und Kirche bis heute - auch den Papst.
1)