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Sonntag, 14. Februar 2021

Sonntagsnotizen - Machtstrukturen hinterfragen!

Diese Forderung wird im Kontext mit dem "Synodalen Weg" immer wieder erhoben. So berichtet "Kirche und Leben" Anfang Februar:
Drei von Missbrauch Betroffene haben bei der Delegiertenversammlung gefordert, der Synodale Weg dürfe nicht weiter auf die Stimme der Betroffenen verzichten.
Einer von ihnen fragte, wann Änderungen im kirchlichen Verfahrensrecht erfolgten, „die Überlebende vom Objekt zur handelnden Person machen“.
Die Erfurter Theologin Julia Knop kritisiert (bei einer jetzt beendeten Online-Tagung zum Thema "Gestaltwandel des Priesterlichen. Verortung des Leitungsdienstes in einer sich wandelnden Kirche" der Katholischen Akademie Schwerte) nach einem Bericht von katholisch.de, dass die Kirche weiterhin vielfach von Standesdenken geprägt sei.
Was momentan häufig als Klerikalismus kritisiert werde, sei letztlich eine Standeslogik, die zum Habitus geworden sei, so die Theologin: dass Bischöfe Dinge "unter sich" regelten und Mitbrüder einander näherstünden als diejenigen, die von Missbrauch betroffen seien. ...
Die Macht eines geistlichen Amtes sollte nach Ansicht von Jesuitenpater Klaus Mertes nicht verleugnet werden. Wer ein geistliches Amt innehabe, dieses aber nicht als Amt begreife oder bestehende Machtgefälle negiere, ändere nichts an den Fakten. ... Mertes mahnte zudem zu einer differenzierten Sprache. So lasse sich etwa zwischen Grenzverletzungen, Übergriffen und Missbrauchstaten unterscheiden.
...
und der frühere Bundesrichter Thomas Fischer kritisiert die „Hysterisierung“ in der Debatte um Missbrauchsgutachten im Erzbistum Köln. „Alles ist überaufgeregt“ (so Radio Vatikan).
Alles überzogen?

Sonntag, 21. Februar 2021

Sonntagsnotizen - Machtmissbrauch ansprechen und verhindern

Dem Thema "Machtmissbrauch" haben wir immer wieder den einen oder anderen Blogbeitrag gewidmet, zuletzt am Sonntag letzter Woche: "Sonntagsnotizen - Machtstrukturen hinterfragen!"
Viele bemerkten gar nicht, dass sie ihre Macht missbrauchten - andere nähmen nicht war, dass sie von Machtmissbrauch betroffen seien, schilderte der Bamberger Erzbischof eine Schwierigkeit bei der Thematik.


Wir möchten diese Reihe heute mit dem Hinweis auf ein Interview mit dem Jesuiten Stefan Kiechle anlässlich einer Online-Tagung zum Thema Machtmissbrauch fortsetzen. Der spricht im katholisch.de-Interview über Präventionsmaßnahmen – und erklärt, warum das Thema erst jetzt in den Fokus rückt.
...
Kiechle: In dieser "Männergesellschaft", einem durchaus männerbündischen Miteinander, gibt es Hierarchien.
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Als vor gut zehn Jahren der Missbrauch von Minderjährigen bekannt wurde, war den meisten, die sich damit befasst haben, klar, dass das etwas mit Macht und deren Missbrauch zu tun hat. Deshalb hat man begonnen, sich intensiv auch mit dem Thema Macht zu beschäftigen. Später kam dann die Frage nach dem Missbrauch geistlicher Macht dazu. Und nach und nach zeigt sich, dass eben nicht nur Minderjährige, sondern auch erwachsene Frauen und Männer von Machtmissbrauch betroffen sind.
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Männer sieht man eher als diejenigen, die Führungsaufgaben haben und Macht ausüben – und damit eher in der Täterrolle. Dabei vergisst man aber jene, die keine Macht haben und daher leicht Opfer von Missbrauch werden können.
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Frage: Wo beginnt Machtmissbrauch ...?

Kiechle: In Gemeinschaften mit einem Gehorsamsgelübde kann er beginnen, also in Konventen oder geistlichen Gemeinschaften: Obere können dieses dazu nutzen, andere Männer zu manipulieren oder sie zu etwas drängen, was diese selbst nicht wollen. Ähnliches gilt für fast alle anderen kirchlichen Einrichtungen. Oft fängt Missbrauch ganz subtil und in kleinem Maß an. Und dann kann er sich ausweiten.

Frage: Zu welchen Formen kann es sich steigern?

Kiechle: Eine Form ist, psychische Abhängigkeit zu schaffen. Oder ein Vorgesetzter verteilt Privilegien – und um diese zu bekommen, muss man sich einschmeicheln oder sich unterwerfen und anpassen.
...
Aber wenn Sie nach strukturellen Ursachen fragen: Es gibt wenig Machttransparenz und wenig Machtkontrolle in der Kirche – und das in einem sehr patriarchalischen und hierarchischen System. Wer schaut bei Führungskräften hin, wie sie agieren? Wo gibt es da wirkliche Überprüfungen – das Kirchenrecht sieht Visitationen vor? Wie ernst werden diese genommen? Gibt es Beschwerdestellen, eine unabhängige Justiz? Im Sinne von Machtkontrolle oder Machtpartizipation kann strukturell sicher einiges verbessert werden. Aber es kommt natürlich auch auf das persönliche Verhalten an. Angefragt ist etwa die Ausbildung in Priesterseminaren, in Ordenshäusern, in der Seelsorge: dass die nächste Generation sensibler wird für das Thema und bei sich selbst oder anderen Fehlverhalten wahrnimmt und dagegen angeht.

Frage: Wo kann man noch ansetzen, um Formen des Machtmissbrauchs zu verhindern?

Kiechle: Das wichtigste wäre, besser über diese Themen sprechen zu lernen. Das gilt für alle Formen von Missbrauch. Wir müssen eine andere Sprachkultur entwickeln und einüben. Danach kommen natürlich Dinge wie entsprechende Ausbildung und Prävention. Aber gerade bei Führungskräften muss es Kontrolle und Machtteilung geben, damit es auch eine soziale Kontrolle gibt.
...
(Kiechle ist ehemaliger Provinzial der Deutschen Ordensprovinz und Chefredakteur der Zeitschrift "Stimmen der Zeit". Er beschäftigt sich besonders seit der Aufdeckung des kirchlichen Missbrauchsskandals vor rund zehn Jahren mit der Verbindung zwischen Macht und Missbrauch; Quelle

Ein Schelm, wer in der Praxis des Arbeitsrechts nicht immer wieder auch auf solche Ausformungen der "Dienstgemeinschaft" zu treffen meint. Da werden etwa Fortbildungen, Kurse und Studien nach Wohlverhalten anerkannt - oder eben nicht, ganz subtil.

Es lohnt sich zumindest, darüber nachzudenken.



Literaturhinweis zum Thema:
Christiane Florin "Trotzdem! Wie ich versuche, katholisch zu bleiben"
... es gehe um die Zukunftstauglichkeit der Kirche, um das Verhältnis zwischen den Hirten und den Schafen, um echte Mitbestimmung statt "Partizipationssimulation", um ein Weiterkämpfen, statt in Zynismus abzurutschen.
Link zum Buch

Donnerstag, 21. Februar 2019

Heute beginnt im Vatikan eine der wichtigsten Konferenzen der Kirchengeschichte.

Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung meint:
Papst Franziskus hat die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen und aller Ordensgemeinschaften nach Rom zitiert. Das Treffen trägt nicht den Namen Konzil, aber es ist ein Konzil: Es ist ein Konzil der Schande, der Buße und, so hoffen viele empörte Christen, der radikalen Umkehr.

Sonntag, 28. März 2021

Sonntagsnotizen - und Presseecho (9): "Diese Woche hat beispielhaft gezeigt, wie sehr die katholische Kirche sich von ihren Gläubigen entfremdet hat."

meint die Süddeutsche Zeitung in einem Kommentar vom 21. März und führt aus:
Die Geschwindigkeit, mit der es nun hohe Geistliche hinwegfegt, ist für katholische Verhältnisse atemberaubend. Man kann das Gutachten durchaus kritisieren für seine rein juristische Perspektive. Doch die Wirkung ist schon jetzt unbestreitbar. Hinter den 18. März kommt die Kirche insgesamt nicht mehr zurück. In vielen deutschen Bistümern wird man die Nachrichten aus Köln mit wachsendem Unbehagen verfolgen. Irgendwann wird der Nebel sich ganz verziehen, und dann stehen sie da, die Brüder.

Diese Einschätzung der Süddeutschen Zeitung korrespondiert mit dem Ergebnis einer Umfrage, die "katholisch.de" sowie "Kirche und Leben" am Freitag veröffentlichten:
Jeder Vierte denke über Austritt nach
Umfrage: Katholische Kirche hat massiv an Glaubwürdigkeit eingebüßt
"Die katholische Kirche in Deutschland hat in den letzten Monaten an Glaubwürdigkeit verloren": Bei einer neuen Erhebung erhält diese Aussage große Zustimmung. Dazu erwäge jeder Vierte, aus der Kirche auszutreten – aus verschiedenen Gründen.
...

Und die Zeitschrift PUBLIK Forum bringt als Schlagzeile:
Lügen! Vertuschen! Diskriminieren! Jetzt gilt es, Farbe zu bekennen

das vatikanische Verbot, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, hat einen Proteststurm unter Gläubigen, Theologen und Bischöfen entfacht. Ordensleute hissen die Regenbogenflagge am Kirchturm. Schockierend ist zudem, was ein Gutachten zum Missbrauch im Erzbistum Köln ans Licht gebracht hat. Der Druck auf Kardinal Woelki wächst.

Sonntag, 17. März 2019

Sonntagsnoitzen - nach Lingen, was bleibt?

Die Erwartungen waren hoch - und die Blicke der interessierten Öffentlichkeit auf die Bereiche "sexueller Missbrauch" und (schon deutlich weniger) auf das Thema "Finanzskandale" gerichtet, auf Frauenrechte, Zölibat, auf viele kirchlichen Themen, die nicht mehr "zeitgemäß" erscheinen, die aber alle zusammen im Kontext unter dem Oberbegriff "klerikaler Machtmissbrauch" subsummiert werden.
Da hat dann Thüringens Ministerpräsident Ramelow während der Bischofskonferenz noch ein Thema angesprochen, das (zumindest im Licht der breiten Öffentlichkeit) fast unterzugehen scheint: kirchliches Arbeitsrecht sei "überarbeitungsbedürftig"
Kirchliches Arbeitsrecht "kein zukunftsfähiger Weg"

Donnerstag, 8. Februar 2024

Machtmissbrauch - Papst warnt

In unserem Blog haben wir immer wieder das Thema "Machtmissbrauch" angesprochen. Wir haben dazu auch konkretisiert, dass - nach unserer Überzeugung - Besonderheiten des "kirchlichen Arbeitsrechts" in Deutschland nichts anderes sind als "klerikaler Machtmissbrauch". Denn mit diesen Besonderheiten wird unter maßloser Überdehnung der den Kirchen eingeräumten Befugnis zur Selbstordnung und Selbstverwaltung der eigenen Angelegenheiten ein Weg konstruiert, der kontrovers zur eigenen Soziallehre und dem universellen Kirchenrecht steht. Das Ergebnis ist ein massiver Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlust.
Das alles passiert frei nach dem Motto "Niemand bremst uns, da können wir machen wozu wir lustig sind".
Nun hat sich wieder einmal der Papst selbst zum Thema geäußert:
"WURZEL ALLER FORMEN DES MISSBRAUCHS"
Papst Franziskus warnt Priester vor Allmachtsgefühlen
VERÖFFENTLICHT AM 08.02.2024 UM 14:01 UHR
...
(edit - inzwischen auch beim Domradio: Papst warnt Priester vor Allmachtsgefühlen - "Wurzel aller Formen des Missbrauchs")

Mittwoch, 27. Februar 2019

Resümee aus dem Gipfel im Vatikan?

Höchst widersprüchlich sind die Reaktionen auf den mehrtägigen Gipfel der Bischöfe in Rom.
Tatsächlich scheint die Umsetzung der päpstlichen Vorgabe "Null Toleranz" im Hinblick auf den körperlichen Missbrauch auch auf dem Weg zu sein. Die Leiter von Dikasterien (das sind die Ministerien im Vatikan), die mit dem Thema Kinder und Jugendliche zu tun haben, sowie Vertreter des Staatssekretariats trafen das Organisationskomitee des Kinderschutzgipfels und dessen Moderator Federico Lombardi.
Wir können und wollen uns an dieser spezifischen Diskussion nicht beteiligen.

Das Thema "sexueller Missbrauch" ist nach unserer Überzeugung nämlich nur die Auswirkung, das Symptom einer viel tiefer greifenden strukturellen Problematik, die unter dem Stichwort "klerikaler Machtmissbrauch" in der öffentlichen Diskussion immer wieder aufscheint.

Montag, 11. März 2019

Deutsche Bischöfe tagen vom 11. bis 14. März in Lingen (Ems)

Nach den Turbulenzen um die kirchlichen Loyalitätsanforderungen gegenüber Laien einerseits (wir berichteten über die "Chefarzt-Entscheidung" des Bundesarbeitsgerichts vom 20. Februar sowie die "Mitgliedschafts-Entscheidung zur Einstellung" vom 25. Oktober letzten Jahres) und der Tagung der Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen in Rom zum Thema "Machtmissbrauch" (z.B. im emsländischen Meppen) werden die Bischöfe in der heute beginnenden Frühjahrsvollversammlung im niedersächsisch-emsländischen Lingen genug zu besprechen haben.
Ein Studientag zum Thema „Die Frage nach der Zäsur“ soll sich in diesem Zusammenhang mit „übergreifenden Fragen, die sich gegenwärtig stellen“, beschäftigen.

Wir wünschen den Bischöfen eine erfolgreiche Beratung und hoffen, dass sich - auch schon drei Monate vor Pfingsten - ein guter Weg in die Zukunft einstellt.

Freitag, 17. Januar 2020

Synodaler Weg - Umfrage: Kirche, Arbeitsrecht und Machtverzicht

Unter dem Stichwort "synodaler Weg" haben wir uns immer wieder mit dem Machtmissbrauch der Kirche in Deutschland eingesetzt. Dieser Machtmissbrauch wird insbesondere in der Weigerung deutlich, mit den gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Umsetzung der eigenen Soziallehre zu kooperieren ("Dritter Weg"). Welche Auswirkung die fehlende gemeinsame "Kostengrundlage" auf Beschäftigte und Betreute, auf Patienten und Refinanzierung hat - auch das thematisieren wir immer wieder. Das Thema „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“, das gerade durch das kirchliche Arbeitsrecht und die Weigerung "sich zu vertragen" tangiert ist, scheint immer wieder und nun auch beim "synodalen Weg" auf.

Heute berichtet "katholisch.de"
Analyse eines Priesters zur Kirchenkrise
Nur ein Verzicht der Kirche auf alle Machtstrukturen wird heilsam sein
Die Kirche verliert heute immer mehr an Relevanz und Autorität. Sie steckt in der Krise. Weder ein "Weiter so" noch halbherzige Reformen können die Kirche retten, analysiert der Priester Reiner Nieswandt.
Was meinen unsere user?

Der Diözesanrat aus der Erzdiözese München und Freising weist auf eine interessante Möglichkeit hin:
Sagen Sie Ihre Meinung!
Internetseite www.synodalerweg.de ermöglicht Beteiligung
Eine Möglichkeit für alle, die an unserer Kirche nicht schon restlos verzweifelt und resigniert sind.

Mittwoch, 6. Februar 2019

"Was die Kirche kaputt macht"

Unter dieser Überschrift kommentiert heute die Süddeutsche Zeitung (print, S. 4) anlässlich der Finanzskandale in unserer Kirche und führt dazu aus:
Das System, das da in Eichstätt sichtbar wird, hat einen Namen: Klerikalismus. Ein Bund der Brüder wähnt sich unangreifbar. Er schottet sich ab, Eindringlinge sind Feinde, kritische Fragen Blasphemie. Der gleiche Klerikalismus macht den Machtmissbrauchsskandal in der katholischen Kirche möglich. ....
...
Der Klerikalismus ist ein weltweites Problem. Jeder Priester sollte es bekämpfen, wenn er sein will, was er sein soll: Diener Gottes und der Menschen. Und die Gläubigen sollten es sowieso. Klerikalismus würdigt sie herab - und macht ihre Kirche kaputt.
 
Wir möchten dem nur hinzufügen, dass nach unserer Ansicht der Klerikalismus auch ursächlich für den Machtmissbrauch im kirchlichen Arbeitsrecht ist (die Weigerung, sich mit Gewerkschaften zu vertragen, steht als "negative Koalitionsfreiheit jedermann und jedem Arbeitgeber zu, widerspricht aber den kirchlichen Sozialenzykliken und damit dem universal geltenden Kirchenrecht und dem päpstlichen Lehramt).

Dienstag, 3. Dezember 2019

Synodaler Weg, klerikaler Machtmissbrauch und Arbeitsrecht

Am Sonntag hat nach längerer und durchaus kontroverser Diskussion der "Synodale Weg" in Deutschland mit seiner Arbeit begonnen. Der Reformdialog soll Empfehlungen erarbeiten, die von jedem Diözesanbischof umgesetzt werden können - oder auch nicht umgesetzt werden. Bei so großen "weltkirchlichen Themen" wie der Frauenordination sind die Erwartungen sicher zu hoch gespannt. Andere Themen, die spezifisch die Deutsche Kirche betreffen, wurden trotz anfänglicher Hoffnungen gar nicht erst in den Prozess einbezogen.
 
Wir schreiben hier im Blog immer wieder, dass die - der kirchlichen Soziallehre und dem päpstlichen Lehramt widersprechende - Verweigerung der Sozialpartnerschaft mit den Gewerkschaften "auf Augenhöhe" auch durch den Missbrauch der klerikalen Macht begründet ist.
 
Auf katholisch.de wird heute ein Bericht gebracht, der das Thema "Missbrauch" in einen breiteren Kontext stellt:
 
Besonders präsent in den Medien sei der sexuelle Missbrauch. Doch gerade im kirchlichen Kontext gehe es darüber hinaus – mit emotionalem und geistlichem Missbrauch: "Geistlicher Missbrauch oder spiritualisierte Gewalt – wie auch immer man das nennt – heißt, dem anderen den intimen Bereich der Gottesbeziehung zu nehmen." Der Täter nutze eine Seelsorgsbeziehung dafür aus, emotionale Bedürfnisse zu befriedigen. Er fühle sich dadurch bewundert und geliebt, habe das Gefühl, gebraucht und geschätzt zu werden: "Das kann extreme Formen annehmen. Plötzlich muss der Begleitete, beispielsweise eine Ordensfrau, für alles nachfragen." Statt in eine größere Freiheit würden die Opfer in eine Abhängigkeit geraten. "Es fallen Sätze wie 'Wenn du dich nicht jede Woche meldest…' oder 'Wie kannst du eine Entscheidung treffen, die ich nicht abgesichert habe?'." Dadurch stelle sich der begleitende Teil, der zum Täter wird, mit Gott gleich, erklärt Schwester Katharina.
 
Zurückzuführen sei jeder Missbrauch – sei er sexueller, emotionaler oder geistlicher Art – immer auf einen Machtmissbrauch. "Es ist nie ein Verhältnis auf Augenhöhe", sagt Kluitmann. In missbräuchlichen Strukturen stehe eine Person in einer hierarchisch höheren Position und nutze diese aus, obwohl sie die andere Person eigentlich schützen müsse. Bei Priestern komme eine spirituelle Aufladung hinzu. Dabei hätten die Täter meist ein geringes Selbstwertgefühl, würden es nach außen aber mit einem überhöhten Selbstwertgefühl verdecken. Was sie sich nicht auf gleichberechtigtem Weg verschaffen könnten, holten sie sich durch den Missbrauch.
 
"Für alles nachfragen... " und "Wie kannst Du eine Entscheidung treffen ..." - tendiert das nicht schon sehr in Richtung Arbeitsrecht? Welche länger im Dienst stehende Pfarrsekretärin hat diese Problematik bei dem einen oder anderen Pfarrer nicht schon selbst erlebt?
Ist der "konsensbezogene" Dritte Weg der deutschen Kirche, der streitige Auseinandersetzungen ("Arbeitskampf") verweigert und für jede Verbesserung die ausdrückliche Zustimmung der Arbeitgeberseite verlangt, nicht genau in diesem Kontext zu sehen?
 
Es ist schon nicht mehr fünf nach Zwölf, es ist noch später ...
 
 
 
 

Sonntag, 20. Januar 2019

Sonntagsgedanken: Vertrauensverlust ohne Ende?

Der Missbrauchsskandal hat ein schon lange schwelendes Unbehagen an der Amtskirche deutlich werden lassen:

18.01.2019

Ein betrübter Blick auf den Zustand der Kirche

Vertrauensverlust ohne Ende?

Es ist schlimmer als befürchtet: Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben im vergangenen Jahr mehr Vertrauen verloren, als alle andere gesellschaftlichen Institutionen.

 
Der Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen des Kölner Domradio hat seine Begründung für diese - ihn nicht überraschende - Entwicklung deutlich gemacht:
 
Wie oft bleibt jeder Christ hinter den eigenen Ansprüchen zurück? Wo wird nicht überall Wasser gepredigt und dann leider doch der Wein in falschen Schläuchen serviert? 
 
Wir möchten den von Brüggenjürgen genannten Beispielen noch einen weiteren Punkt hinzufügen: schon in der Würzburger Synode wurde es als "fortwirkenden Skandal" beklagt, dass die Kirche die Arbeiterschaft verloren habe. Tatsächlich hat dieser Bruch konkret aufzeigbare Ursachen:
  1. mit dem "Reichskonkordat" wurden auch die starken christlichen Gewerkschaften, gemeinsam mit der gesamten Gewerkschaftsbewegung, auf dem Altar der Vermögenssicherung geopfert.
  2. nach dem Krieg wurde es versäumt, die Chance zu ergreifen, die eigene Soziallehre umzusetzen und sich mit den neu erstanden Gewerkschaften "zu vertragen". Stattdessen hat die Kirche unter Rückgriff auf historisch schwer belastete Begrifflichkeiten die (jedem Arbeitgeber zustehende negative Koalitionsfreiheit) Möglichkeit genutzt, Tarifverträge mit den Gewerkschaften zu verweigern.
Vereinzelte Publikationen von einzelnen Bischöfen, Sozialethikern, Theologen ändern daran nichts. Sie wirken bei vielen Gewerkschaftern wegen der weiteren hartnäckigen Gesprächsverweigerung als "Schaufensteraussagen" ohne Substanz.
Inzwischen "kracht ein Balken nach dem anderen" aus dem Gebälk. Finanz- und Mißbrauchsskandale sind weitere Aspekte, die am verbliebenen Vertrauensvorschuss der Kirche zehren. Und ursächlich für alle diese Skandale ist Machtmißbrauch. Macht ohne Kontrolle auf Augenhöhe führt zwangsläufig zu Machtmissbrauch. Und eine klerikale Einstellung in kirchlichen Institutionen führt zu Machtmissbrauch dieser Institutionen.
Ob es dann hilft, noch mehr zu institutionalisieren - mehr Institutionen zu schaffen und diese zu stärken?
Der Kommentar im Domradio endet mit:
"Legt deshalb die Lüge ab, und redet untereinander die Wahrheit; denn wir sind als Glieder miteinander verbunden… Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte! … Vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat!" (Eph 4.25ff)
Mt. 7, 16 - 20 sollte reichen.

Donnerstag, 2. Mai 2019

Kardinäle im Streit - Kasper will kirchliche Verwaltungsgerichte als Machtbegrenzung

Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper widersprach seinem Mitbruder, Kardinal Gerhard Müller, der es für unmöglich hält, dass in Verwaltungsgerichten Laien über Bischöfe zu Gericht sitzen könnten. „Das sehe ich anders. Es geht ja nicht um ein Urteil über Personen, sondern über deren Entscheidungen“, sagte Kasper.


Diese Bemerkenswerte Aussagen finden sich in aktuellen Berichten u.a. von Radio Vatikan, wonach Kardinal Kasper die Einführung innerkirchlicher Verwaltungsgerichte als Beschwerde-Instanzen fordert. Als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal würde eine solche Einrichtung der Autorität eines Bischof nichts wegnehmen. 
Es handele sich um
"Formen von Machtbegrenzung, die sich bewährt haben"
"Wenn wir zu Recht über arroganten, selbstverliebten Klerikalismus und Machtmissbrauch in der Kirche klagen, dann müssen wir doch auch sehen, welche Formen von Machtbegrenzung und Machtkontrolle sich anderswo bewährt haben, etwa in demokratischen Gemeinwesen."
Quelle:

Donnerstag, 6. Februar 2020

Was bei uns nicht vorkommt – und warum

unter dieser Überschrift berichtet RADIO VATIKAN heute, warum sich dort nicht jede aufregende Nachricht aus dem Vatikan oder vom Synodalen Weg, die durch die Medien irrlichtert, findet.
 
Bischöfe, die zu heiklen Nazi-Vergleichen greifen. Intrigen und Machtkämpfe im Vatikan. Warum kommen sie bei uns nicht vor? Zensur ist es nicht - und Scheuklappen haben wir auch nicht.
 
Aber wir haben einen Auftrag. Und der lautet, nicht ungeprüft alles wiederzugeben, was andere schreiben oder auch spekulieren. Gerade besonders sensationell klingende Meldungen sind oft nur die halbe Wahrheit; ein paar Stunden oder einen Tag später ist man schlauer, aber das Porzellan ist dann längst zerschlagen.
 
Wir können die Begründung nur dankbar aufnehmen und uns anschließen. Auch wir widmen uns nicht allen Auseinandersetzungen und Nachrichten. Das könnten wir als Blogredaktion auch gar nicht.
Fragen zum kirchlichen Sakramentenrecht, zu Liturgie oder Seelsorge etwa sind grundsätzlich nicht unser Thema - und wir werden auch nur dann auf solche Fragen eingehen, wenn sich daraus unmittelbare Auswirkungen auf kirchliche Arbeitsverhältnisse ergeben. Das ist dann etwa beim Thema der "Loyalitätspflichten" der Fall. Das Problem unserer Kirche ist nicht der schwule Krankenpfleger oder der wiederverheiratete Chefarzt, sondern vor allem der sexuelle Missbrauch durch kirchliche Amtsträger - oder allgemeiner: ein Machmissbrauch aufgrund klerikaler Strukturen (womit wir wieder beim kirchlichen Arbeitsrecht sind).
Genauso wenig können wir uns mit den Arbeitsbedingungen und Arbeitskämpfen in der Luftfahrt befasssen, auch wenn dort ver.di Kolleginnen und Kollegen unmittelbar "an vorderster Front" beteiligt sind.
Unser Schwerpunkt ist das kirchliche Arbeitsrecht - das im Kontext mit dem staatlichen oder weltlichen Arbeitsrecht steht. Und im Arbeitsrecht überschneiden sich zwei Rechtskreise: der kirchliche und der staatliche Rechtskreis. Welche kirchlichen Rechtsträger etwa der bischöflichen Gesetzgebungskompetenz unterliegen - das ist Kirchenrecht, hat aber auch Auswirkungen auf das kirchliche Arbeitsrecht. Und welche Kompetenzen der Staat den Kirchen bei der Ordnung und Verwaltung ihrer Angelegenheiten einräumt, das ist weltliches oder staatliches Recht. Hat aber auch Auswirkungen auf das kirchliche Arbeitsrecht.
Wenn man so will, dann widmen wir uns im Wesentlichen dem Teil des Arbeitsrechts, in dem sich kirchlicher und weltlicher Rechtskreis überschneiden. Dieser Bereich wird als "res mixta" bezeichnet. Er ist weder alleine kirchlich noch alleine staatlich. Und deshalb werden wir - um im vorgenannten Bild zu bleiben - die Fragen des "schwulen Krankenpflegers" oder des "wiederverheirateten Chefarztes" aufgreifen - nicht aber einen Machtmissbrauch, der keinen arbeitsrechtlichen Bezug hat.
 
Auch deshalb klammern wir in unseren Beiträgen zum "Synodalen Weg" einige Diskussionsbereiche bewusst aus. Uns interessiert im Wesentlichen die arbeitsrechtliche Machtfrage, und das ist im Arbeitsrecht immer auch die Frage zwischen "oben und unten", zwischen denen, die einen Dienst leisten oder geben, und denen, die den Dienst einfordern oder nehmen.
 
Klingelt es da jetzt bei einigen wegen der "Begrifflichkeit" (mit der man auch >verdrehen< kann)?
 
Zugespitzt konzentrieren wir uns auf das Thema "klerikaler Machtmissbrauch durch das und im Arbeitsrecht", und die Weigerung der Kirche(n), "auf Augenhöhe" mit den eigenen Beschäftigten umzugehen. Dabei ist "Augenhöhe" die Grundlage einer fairen Vertragspartnerschaft.
 
Das musste einmal festgestellt werden ...

Dienstag, 20. November 2018

"Vertrauenskrise extremsten Ausmaßes"

Bischof Overbeck fordert deutliche Veränderungen in der Kirche

"Vertrauenskrise extremsten Ausmaßes"


Nach Veröffentlichung der Missbrauchsstudie fordert Essens Bischof Franz-Josef Overbeck deutliche Veränderungen in der katholischen Kirche. Diese erlebe "eine Vertrauenskrise extremsten Ausmaßes", sagte der Ruhrbischof in Mülheim an der Ruhr.

Fragen zur Sicht der Kirche auf Homosexualität, Zölibat, Machtmissbrauch und die Rolle der Frau müssten neu gestellt und beantwortet werden, so Overbeck nach Angaben des Bistums vom Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion.
Quelle und mehr: Domradio

Wir meinen: auch die Verweigerung der Kooperation mit Gewerkschaften könnte als "Machtmissbrauch" verstanden werden. Diese Haltung entspringt den
Abhängigkeitsstrukturen zwischen Geistlichen und Laien

Auch zum Klerikalismus nehmen die Wissenschaftler Stellung: Sie definieren ihn "als das Bestreben, einer Religion über die religiös-geistige Einflusssphäre hinaus weltliche Macht zu verleihen und religiösen Dogmen politische Geltung und politisches Gewicht zu verschaffen".

Sie kommen zu dem Schluss, dass "Priester mit klerikalem Amtsverständnis dazu tendieren, Laien in der Interaktion zu dominieren und asymmetrische Abhängigkeitsstrukturen zwischen sich und Laien zu schaffen".
(zitiert aus einem Bericht des Domradio *klick*) - allerdings können sich Gewerkschaften auch auf anderen Wegen zu Wort melden. Daher gilt auch hier das Schlagwort:
"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."

Sonntag, 11. September 2022

Sonntagsnotizen - Machtmissbrauch ansprechen und verhindern

So hatten wir schon vor einigen Wochen einen Beitrag überschrieben und diesen dann auch mit einem Literaturhinweis versehen. Heute möchten wir der Reihe der "Literaturhinweise" eine Ergänzung aus dem Herder-Verlagsprogramm anfügen.


Anmerkung:
Leider stimmt der Preis von € 20,- nicht; ursprünglich war das zwar mal angedacht, mittlerweile beläuft er sich auf € 22,-

Nachtrag - aus einem Interwiew bei "katholisch.de":
MÜNCHEN ‐ In der Kirche herrscht eine Kultur der Angst, gute Führung ist Mangelware – das ist die These eines neuen Buchs, das Berichte von kirchlichen Mitarbeitern über Formen von Machtmissbrauch sammelt. Herausgeberin Hiltrud Schönheit erläutert, woran es in der Kirche krankt – und wie Mitarbeiterführung aussehen müsste.
...
Frage: In kirchlichen Einrichtungen haben die Mitarbeitervertretungen (MAV) die Aufgabe dafür zu sorgen, dass Mitarbeitende "nach Recht und Billigkeit behandelt werden". In den Betroffenenbeiträgen im Buch fällt auf, dass nur einmal im Halbsatz eine MAV erwähnt wird. Versagt da die betriebliche Mitbestimmung in der Kirche?

Schönheit: Wenn Mitarbeitervertretungen anderswo erfolgreich sind, dann ist das bei uns nicht angekommen. Von einem Mitglied einer MAV wurde uns berichtet, dass dem Gremium aus der obersten Führungsebene sehr deutlich signalisiert wurde, dass es eh nichts zu melden hat. Auch bei der betrieblichen Mitbestimmung ist es ein Problem, wenn Macht und Autorität letzten Endes theologisch begründet werden und die Führung den Willen Gottes für sich reklamiert. Da ist dann kein Agieren auf Augenhöhe möglich.

Frage: Im kirchlichen Arbeitsrecht wird von der "Dienstgemeinschaft" gesprochen. Ist das schon Teil des Problems?

Schönheit: Die Begriffe "Dienst" und "Gemeinschaft" können benutzt werden, um von Machtverhältnissen abzulenken. Wenn am Ende doch der Pfarrer sagt, wo es lang geht, ohne Rücksicht auf Absprachen und Kompetenzen, dann kann man so viel von Dienstgemeinschaft reden, wie man will: Der Begriff dient dann doch nur der Vertuschung der wahren Machtverhältnisse.
...
(Hiltrud Schönheit ist Juristin und engagiert sich ehrenamtlich als Vorsitzende des Katholikenrates der Region München, und in unterschiedlichen Funktionen von verschiedenen kirchlichen Vereinen und Verbänden)

Montag, 12. Juni 2023

Gemeindereferentin: Pastorales Personal leidet unter Machtmissbrauch

Unter dieser Überschrift berichtet katholisch.de auch darüber,
dass das ganze System unserer Kirche machtmissbräuchlich ist
(das berichten auch das Domradio sowie "Kirche und Leben")

In einer zutreffenden Analyse werden zwei unterschiedliche "Missbrauchsebenen" dargestellt:
Wenn zum Beispiel eine Gemeindereferentin genial predigen kann und der Pfarrer verbietet es ihr in der Eucharistiefeier, weil das Kirchenrecht sagt, dass Predigen ohne Weihe nicht geht, dann ist das kein Machtmissbrauch durch diesen Pfarrer, sondern es ist gedeckt durch eine machtmissbräuchliche Regelung des Systems. Wenn hingegen ein dienstvorgesetzter Pfarrer Mitarbeitende demütigt oder sie in ihren Kompetenzen oder auch ihrer Spiritualität nicht respektiert, eventuell sogar sexuell übergriffig wird, dann missbraucht er seine Macht, denn solche Verhaltensweisen sind weder kirchen- noch arbeitsrechtlich legitimiert.
Beide Arten beruhen auf realen Erfahrungen, wie von Mitgliedern aus den Mitarbeitervertretungen in den (Erz-)Diözesen oder auch Pfarrsekretär'Innen bestätigt werden kann.
Das kann auch nicht verwundern. Denn schon im Studium der künftigen Priester fehlt jeder Bezug zu arbeitsrechtlichen Standards, wie es etwa unter dem Stichwort "Personalführung" bei Student'Innen der Betriebswirtschaft der Fall ist. Stattdessen wird den Priesteramtskandidaten ein elitäres Selbstbewusstsein eingetrichtert, das es mit der Arroganz von Volljuristen nach einem abgeschlossenen Studium der Rechtswissenschaft aufnehmen kann. Nur - Theologen sind noch "weltfremder" als Volljuristen, die wenigstens in der täglichen Arbeit mit den realen Nöten und Sorgen der Mandanten konfrontiert werden.
Daraus resultieren dann Unsicherheiten im Umgang mit Mitarbeiter'Innen und deren eigener Meinung, die vielfach im zitierten hilflosen Satz
Ich bin hier der Chef und so läuft es."
münden.
Diese Unsicherheit und die Angst vor Konflikten kann auch ein Grund dafür sein, dass die katholische Kirche - sich gegen das päpstliche Lehramt stellend - in Deutschland am "Dritten Weg" und eigenen kirchlichen Arbeitsrechtsmodalitäten festhält. Man will Konflikte vermeiden - wählt aber mit dem Verbot, Konflikte auch konträr auszutragen, einen Weg, der genau das Gegenteil dessen erreicht, was bezweckt werden soll.
Und mit manipulierten oder zumindest manipulierbaren Wahlgängen zu- und Abstimmungsquoren in arbeitsrechtlichen Kommissionen, diversen Regional- und Untergruppen und letzlich dem entscheidenen Inkraftsetzungsakt durch einen Bischof, der abseits der Auseinandersetzungen residiert, sorgt man dafür, dass die Energie derjenigen, die etwas ändern wollen, verpufft. Das Ergebnis ist entweder die Resignation bis hin zum (zumindest innerlich vollzogenen) Kirchenaustritt - oder aber das Engagement außerhalb der kirchlichen Strukturen.
Niemand kann erwarten, dass die katholische Kirche schon morgen Tarifverträge abschließt - übermorgen reicht. Aber zumindest Gespräche darüber, wie das Tarifrecht gemeinsam gestaltet und der Kosten- und Verdrängungswettbewerb in der Branche beendet werden kann, wären dringend - und auch im Interesse der kirchlichen Einrichtungen längst überfällig.

Sonntag, 5. Juni 2022

Pfingst- Sonntagsnotizen - Kardinal Faulhaber, der Hitler-Gläubige ... aus der Geschichte nichts gelernt !

Wir haben den Münchner Kardinal Faulhabe bereits mehrfach eigenen Beiträge gewidmet und ihn in anderen erwähnt. Vielfach war die Freigabe seiner Tagebücher dazu der Anlass (www.faulhaber-edition.de), so z.B. bei den Blogbeiträgen:
- Zum Geburtstag von Kardinal Faulhaber - der letzte Fürstbischof?
- Ein etwas anderer Wochenrückblick
- Sonntagsnotizen - Kardinal Faulhaber und die Zerschlagung der Gewerkschaftsbewegung 1933
- "Irrlehre" und "Götzenkult" - 80 Jahre "Mit brennender Sorge"
- Dienstgemeinschaft – Idee und Wirklichkeit
(mit der "Option für das Gewerkschaftsprinzip" in der Ansprache Pius XII. an die italienischen christlichen Arbeitervereine vom 11. März 1945, 3 und Brief Pius XII. an Kardinal Faulhaber v. 01.11.1945 zur Frage der "Einheitsgewerkschaft")
. - Vom September 1933 bis zum September 2019
Insgesamt ist dabei ein wenig schlüssiges und widersprüchliches Bild des Kardinals entstanden.

Heute möchten wir die Reihe mit einem Blick in die Presselandschaft fortsetzen. Nun ist mit den Bänden 1942 bis 1944 die gesamte Notizführung Faulhabers die der NS-Zeit dokumentiert. Es fehlen zwar noch die Bände zur Weimarer Republik - aber zum Verhältns von Faulhaber zu Hitler und der NS-Diktatur lässt sich ein zumindest vorläufiger Schlußstrich ziehen.
Unter dem Titel >Das Hitler-Attentat - ein "ruchloses Verbrechen"< nimmt sich der gewiss nicht linkslastige Münchner Merkur (Ausgabe Nr. 113 vom 17.05.2022) einer weiteren Auswertung der Tagebuch-Einträge von Kardinal Faulhaber an. *)
Am bezeichnenststen für die Haltung Fauhalbers gegenüber dem NS-Regime sind ... die Notizen nach dem 20. Juli 1944 ... "Heute alles nervös, weil das ruchlose Verbrechen, das Attentat auf den Führr bekannt wurde", heißt es am 21. Juli im Tagebuch. ...<
Das Hitler-Attentat - ein ruchloses Verbrechen? ....

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Wie eingeschränkt der Horizont Faulhabers damals schon war, zeigt ein weiterer Tagebuch-Eintrag vom 21. Juli 1944. Faulhaber berichtet hier über die Entschärfung eines Blindgängers in der Promenadenstraße - "sechs Tage war die Straße gesperrt. Dachauer lösten einander ab. Es wurde ausgegraben." "Dachauer" - damit waren KZ-Häftlinge aus Dachau gemeint. Dass Faulhaber deren Schicksl irgendwie rührte, ist zumindest hier nicht ersichtlich. Der leidenschaftslose Begriff der "Dachauer" aufder einen Seite, die Empörung über das "ruchlose Verbrechen" auf der anderen Seite - größer könnte der Kontrast nicht sein. ...


Wer sich so äußert, und Hitler (wie es im Artikel des Merkur heißt) "persönlich sehr schätzt" (Zitat 1937), der sieht die Zerschlagung der Gewerkschaftsbewegung eher nicht kritisch - der steht wohl auch der Ideologie von Volks-, Betriebs- und Dienstgemeinschaft erst einmal nicht skeptisch gegenüber. Das könnte erklären, warum auch die katholische Kirche in Deutschland entgegen der eindeutigen Hinweise aus Rom (s.o.) am Leitbild der "Dienstgemeinschaft als tragendes Grundprinzip des kirchlichen Dienstes und damit auch des kirchlichen Arbeitsrechts" festgehalten hat.
Dann ist aber auch der Verlust der Arbeitnehmerschaft für die Kirche die unausweichliche und logische Konsequenz - ein "fortwährender Skandal", wie schon die Würzburger Synode festgestellt hat.
Warum steckt die katholische Kirche in einer tiefen Krise und verliert ihre eigenen Anhänger? Zwei Theologen erklären die "desaströse Lage" geschichtlich: Man habe aus der jüngeren Vergangenheit nichts gelernt.

Die katholische Kirche hat nach Ansicht von zwei Theologen aus der totalitären "Absturzgeschichte" der Moderne nichts gelernt. Heute fehlten ihr deswegen Mechanismen, um Macht zu kontrollieren und Machtmissbrauch entgegenzuwirken, schreiben Rainer Bucher und Birgit Hoyer in einem am Mittwoch veröffentlichten Beitrag auf dem österreichischen Portal feinschwarz.net. Moderne liberale Gesellschaften orientierten sich mittlerweile an Menschenrechten und praktizierten Gewaltenteilung. Die Kirche hingegen habe sich "dank des Beistandes Gottes und dank der eigenen überlegenen Moral" vor Machtmissbrauch geschützt gewähnt: "Das war natürlich eine Illusion."

Die "desaströse Lage" der katholischen Kirche führen beiden Experten auf "das fundamentale Glaubwürdigkeitsdefizit" zurück. "Wenn religiöse Institutionen gegen zentrale normative Grundlagen jener Gesellschaften verstoßen, in die sie eingebettet sind, geraten sie in gesellschaftliche Existenzprobleme", schreiben sie. Die Kirche habe es mit "strukturellen Selbstwidersprüchen" zu tun und verliere dadurch vor allem ihre eigenen Anhänger.
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Quelle: katholisch.de

Wir stellen am Entwurf der Grundordnung fest, dass sich der Heilige Geist trotz anhaltender Skandale immer noch an den Portalen der katholischen Domkirchen und der Bischofshäuser vorbei schleicht!

e.s.


Weitere Hinweise zur Haltung Faulhabers:
*) siehe auch katholisch.de "Kardinal Faulhaber sah Attentat auf Hitler als "ruchloses Verbrechen""
Tagebücher von Münchner Erzbischof aus Nazizeit jetzt online (Radio Vatikan)
Der Münchner Kardinal, der bei der Revolution weinte (Münchner Merkur)
Auf welcher Seite stand Kardinal von Faulhaber? (Süddeutsche Zeitung)
Der Kardinal, der Hitler beglückwünschte (WELT)

Dienstag, 6. August 2019

Kardinal Marx: Schwarz-Weiß-Denken überwinden - Frankfurts Stadtdekan: wir sind nicht weitsichtig und nicht mutig genug

in einem Radiobeitrag der Sendereihe „Zum Sonntag“ des Bayerischen Rundfunks hat Kardinal Marx als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz die Spannungen zwischen den Bischöfen aufgegriffen und gefordert, „die scheinbaren Gegensätze von Tradition und Reform im Denken“ zu überwinden. Beides seien keine Gegensätze in der Geschichte der Kirche und des Glaubens, sondern ergänzten sich und ermöglichten Veränderung.
In diesem Kontext ist nach Ansicht von Marx auch der Begriff der Synodalität zu verstehen. „Eine synodale Haltung verträgt kein Schwarz-Weiß-Denken, keinen Abgesang auf den Konsens, kein ,wir wissen doch eh, wie es ausgehen wird'.“ Es sei zwar klar, dass gerade am Anfang des gemeinsamen Weges die Auseinandersetzung dazugehöre und Streit nicht auszuschließen sei. Zugleich hielt Marx fest, dass Synodalität selbst aber „noch keine Reform und auch keine Abkehr von der Tradition“ bedeute, sondern vielmehr, gemeinsam unterwegs zu sein als Volk Gottes.
Es ist dann doch bemerkenswert, dass gewerkschaftlich orientierte kirchliche Mitarbeiter zur Vorbereitung genauso wenig eingeladen sind wie Gewerkschafter, die (immer noch) auch Kirchenmitglieder sind. Sie gehören demnach wohl nicht zum Volk Gottes,