Freitag, 7. September 2018

Wissenschaftler: Entwicklung erregt Besorgnis

Bereits vorgestern haben wir auf eine Studie der Böckler-Stiftung zum Thema "frühkindliche Bildung - Standards von Kindertagestätte" hingewiesen. Darüber hinaus sind in den letzten Tagen weitere Studien veröffentlicht worden, deren Ergebnis Anlass zur Sorge gibt.

Ebenfalls die Böckler-Stiftung veröffentlichte den Europäischer Tarifbericht des WSI 2017/2018. Lohnentwicklung und Ungleichheitsdynamiken. Obwohl die Entwicklung der Reallöhne (Nominale Arbeitnehmerentgelte pro Arbeitnehmer inflationsbereinigt auf Basis des Harmonisierten Verbraucherpreisindex) in Deutschland und auch noch in Europa leicht positiv war, bleibt eine wissenschaftlich fundierte Kritik nicht aus:
Die Verteilungswirkungen der Lohnpolitik stehen im Fokus des diesjährigen europäischen Tarifberichts, der die Rolle von Lohnquote und Lohnspreizung für gesamtgesellschaftliche Ungleichheitsdynamiken beleuchtet. Um Europa auf einen nachhaltigen und inklusiven Wachstumspfad zu bringen und die Ungleichheit zu bekämpfen, sind eine Stärkung der Arbeitsmarktinstitutionen und eine Erhöhung der Tarifbindung unerlässlich.
Unser ständiges "memento mori", dass die "Konkurrenz der Wege" in der Sozialwirtschaft eine (sozial und volkswirtschaftlich) sinnvolle Lohn- und Gehaltsentwicklung blockiert, kann auch in diesem Zusammenhang wieder angestimmt werden.

Prof. Stefan Sell *) selbst hat vor einigen Tagen eine weitere Untersuchung vorgelegt, die uns wieder in den Bereich der sozialen Berufe und damit auch wieder der Kindertagesstätten führt: "Psychische Belastungen in der Arbeitswelt – eine der Ursachen für eine (spätere) Erwerbsminderung. Und wieder einmal eine ungleiche Verteilung zwischen Männern und Frauen"

Generell gilt hinsichtlich der psychischen und Verhaltensstörungen: Sowohl die absolute Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage als auch der prozentuale Anteil am Erkrankungsgeschehen insgesamt ist von 2007 auf 2016 deutlich gestiegen:

Bei den Frauen entfallen 21,27 Prozent aller AU-Tage auf die psychischen und Verhaltensstörungen – bei den Männern waren es 2016 „nur“ 13,82 Prozent.
...
Die Schlussfolgerung daraus?
Auch das haben wir schon mehrfach betont: wir können es uns nicht leisten, gerade in dem "Mangelberufen" des sozialen Dienste die bewährten Fachkräfte vorzeitig zu verlieren. Wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen, ein Alters- und Alternsgerechtes Arbeiten. Das sollte auch im Interesse aller Arbeitgeber der Branche liegen.



*)
Prof. Dr. Stefan Sell lehrt VWL, Sozialpolitik, Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz,

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