Sonntag, 3. Juni 2018

Sonntagsnotizen: Krankenpflege - Ideal und Alltag?

Auch in den letzten Tagen hat die Pflege die Medien bewegt. Während Papst Franziskus das Bild der Krankenpflege idealisiert...
Papst: Krankenpflege ist ein „Fitnessstudio des Lebens“

Kranken zu helfen ist wichtig, aber noch wichtiger ist das Herz, mit dem diese Hilfe angeboten wird. Daran hat Papst Franziskus am Samstag bei einer Begegnung mit Muskelschwund-Patienten und ihren Betreuern erinnert.

Die Krankenpfleger hätten den Auftrag, ein „Fitnessstudio des Lebens“ zu sein, besonders für junge Menschen, die mit diesem Beispiel vor Augen in einer Kultur der Solidarität und des Willkommens aufwachsen, so der Papst weiter.
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Quelle: Radio Vatikan vom 02.06.2016

…. berichtet der SPIEGEL von der Beichte einer Krankenschwester:
"Das Schrecklichste, was mir je passiert ist – wirklich das Schrecklichste"

Eine Krankenschwester macht einen Fehler, wie er täglich passieren kann - zu viel Stress, falsche Routinen. Doch ihr Patient stirbt. Wie geht sie damit um? Hier erzählt sie ihre Geschichte.

Es war ein Tag im August vorigen Jahres, als Ulrike Korth in einer Kleinstadt mitten in Deutschland jener verhängnisvolle Fehler unterlief. Korth, 57, bemerkte ihre Tat selbst, stand dafür ein, auch juristisch, und möchte sie hier schildern – in der Hoffnung, aufmerksam zu machen auf Missstände, die solche Fehler begünstigen. Sie bittet um Verständnis, dies nicht unter ihrem richtigen Namen tun zu wollen.
An diesem Tag bin ich um 5.30 Uhr auf die Station gekommen. Eigentlich beginnt die Schicht erst um sechs Uhr, aber die Station hat 33 Bewohner, und ohne diese zusätzliche halbe Stunde ist die Arbeit nicht zu schaffen, auch wenn ich diese Extrazeit nicht bezahlt bekomme. Es gibt immer nur eine examinierte Pflegekraft pro Schicht; ich bin eine davon. Ich arbeite Teilzeit und verdiene 1000 Euro netto im Monat.
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Quelle: SPIEGEL Online vom 01.06.2018 , ebenso PRINT Ausgabe vom 02.06.2018

Es mag sich in beiden Meldungen um Extremansichten handeln - und beide Ansichten werden sicher ihre Berechtigung haben. Dennoch möchten wir mit Fragen nachfassen:
- Wessen Ansicht spiegelt wohl die Realität näher wieder?
- Wer, so möchten wir gerne wissen, ist "näher dran" an der Krankenpflege?

Und auch, wenn das Beispiel der Krankenschwester nur eine "Ausnahmesituation" widerspiegelt (was wir nicht so recht glauben können, denn die geschilderte Situation wird in vielen Einrichtungen auftreten) - jede einzelne einer solchen "Ausnahme" ist eine Zuviel.

Die Patienten und Patientinnen brauchen einen Mindestbesetzung "am Bett" !
Die Pflegerinnen und Pfleger brauchen eine Mindestbesetzung - kein Dienst allein !
Wir brauchen Entlastung !

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