Sonntag, 28. Juni 2026

Sonntagsnotizen: Zum Kardinalskonsistorium in Rom - Bekenntnis zur Soziallehre der Kirche

Leo XIV. hat zum dritten Mal in seiner Amtszeit alle Kardinäle nach Rom gerufen. Seit Freitag (26. Juni) berieten die Kardinäle über gesellschaftliche Spaltungen und KI.

In seiner Eröffnungsrede nannte der Papst vier Themenblöcke zur Diskussion:
unächst sind wir eingeladen, die Welt zu betrachten, in der die Kirche berufen ist, das Evangelium zu verkünden. Bevor wir uns fragen, was zu tun ist, müssen wir vor der Wirklichkeit innehalten, sie mit den Augen des Glaubens betrachten und uns vom Hören auf die Brüder und Schwestern hinterfragen lassen. Wie ich vor wenigen Wochen in Erinnerung gerufen habe, „geht Jesus durch die Straßen, überquert die Plätze, besucht unsere Stadtviertel, wohnt an den Orten unseres Alltags. Er ist der Gott der Nähe, der mit seinem Volk geht, der Herr der Geschichte...“ (Homilie auf der „Plaza de Cibeles“, Madrid, 7. Juni 2026). Und auch heute geht uns der Herr in der Geschichte voran, und die Kirche ist vor allem aufgerufen, seine Gegenwart zu erkennen.

Anschließend werden wir gemeinsam über die Kultur der Macht und die Zivilisation der Liebe nachdenken. Viele von Euch kommen aus Ländern, die von Krieg, Gewalt, sozialer oder religiöser Polarisierung geprägt sind. Doch niemand von uns ist frei von den vielfältigen Formen von Konflikten, Unterdrückung und Brüchen, die unsere Gesellschaften heute durchziehen. Deshalb betrifft die geistliche Unterscheidung (Discernimento), zu der wir gerufen sind, alle und fordert die Sendung der Kirche in jedem Kontext heraus. Die Enzyklika Magnifica humanitas bietet uns einige wertvolle Schlüssel zur Deutung dieser Zeit. Mir liegt vor allem daran zu hören, wie diese Seiten in Ihren Ortskirchen nachklingen, welche Fragen sie aufwerfen, welche Perspektiven sie eröffnen und welche Schritte sie nahelegen. Eine Enzyklika setzt ihren Weg nämlich erst dann fort, wenn sie aufgenommen, gedeutet und im konkreten Leben der Kirchen Fleisch wird.

Die dritte Sitzung wird die Enzyklika Magnifica humanitas weiter vertiefen und nach dem Beitrag fragen, den die Kirche zum Aufbau des Gemeinwohls leisten kann. Wir leben in einer Zeit, in der die Versuchung der Fragmentierung wächst und Eigeninteressen leicht die Oberhand gewinnen. Die Soziallehre der Kirche erinnert uns daran, dass das Gemeinwohl nicht von selbst entsteht, sondern geteilte Verantwortung erfordert. Für die Kirche nimmt dies eine ganz präzise Form an: einen synodalen Stil im Dienst an der Sendung des Reiches Gottes. Daran erinnert die Enzyklika Magnifica humanitas unter der Nummer 86 und fügt hinzu, dass dies Aufmerksamkeit dafür verlangt, wie Entscheidungen getroffen und Verantwortungen wahrgenommen werden – in Transparenz, Rechenschaftspflicht und Mitverantwortung.

Schließlich werden wir eine Sitzung dem Weg der Umsetzung der Synode widmen. Diese letzte Sitzung eröffnet kein neues Thema, sondern greift das auf, was wir in den vorangegangenen Sitzungen geteilt haben, und setzt es miteinander in Beziehung. Angesichts der Wunden der Welt, des Aufbaus des Gemeinwohls und der Sendung der Kirche zeigt die Synodalität einen Weg des Voranschreitens auf: gemeinsam zu hören, geistlich zu unterscheiden und die Verantwortung für die Entscheidungen zu übernehmen, die der Herr uns anvertraut. Die Synodalität ist nicht in erster Linie ein Gefüge von Verfahren; wie ich schon mehrfach betont habe, ist Synodalität eine Haltung, eine Offenheit, eine Bereitschaft zum Verstehen. Manchmal wurde sie als eine Schmälerung der Autorität gedeutet. In Wirklichkeit hilft sie uns, die Bedeutung der Autorität selbst tiefer zu verstehen, die ja existiert, um die Gemeinschaft zu wahren, die Teilhabe aller zu fördern und den gemeinsamen Weg der Kirche auszurichten.

Was ist nun "raus gekommen"?
Wir zitieren:
...
Ein weiterer zentraler Beratungspunkt war die Realisierung des Gemeinwohls, dessen Vermittlung in der gegenwärtigen Politik oft vernachlässigt werde. Die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Eigentum erschwere den Zugang zu diesem Prinzip. Die Kardinäle hielten fest, dass das Bewusstsein für das Gemeinwohl im Glauben an Gott und in der Transzendenz des Menschen wurzle. Als Gegenmodell zum Individualismus wurde die Solidarität mit den Armen und der Aufbau unentgeltlicher Beziehungen auf allen Ebenen hervorgehoben. Hierbei komme der Politik eine wesentliche Funktion zu. Die kirchlichen Institutionen wurden aufgefordert, die Soziallehre der Kirche in der Ausbildung für den öffentlichen Dienst fest zu verankern, um gesellschaftlichen Spaltungen entgegenzuwirken.
...
berichtet Vatikan-News.
Ob das ausser uns noch jemand registriert?

Das nächste Außerordentliche Konsistorium der Kardinäle soll 2027 im Vatikan stattfinden. Wir sind dann in Deutschland wahrscheinlich immer noch nicht weiter.


Wortlaut: Predigt von Leo XIV. bei der Messe zum Konsistorium

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