Donnerstag, 12. November 2020

Die Pflege ist am Limit

stellt sogar das "Domradio" in einem Bericht zum Deutschen Pflegetag fest.
Die Stimmung ist angespannt: Gerade erst hat etwa das Land Niedersachsen entschieden, die Arbeitszeit in der Pflege - wie im ersten Lockdown - auf bis zu 60 Wochenstunden zu erhöhen. Bereits im August schlug der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung Alarm.

Nötig sei ein klares Signal für bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen; sonst drohe eine weitere Abwanderung von Personal. "Das wäre fatal", sagte Andreas Westerfellhaus. "Die Pflege ist am Limit", erklärte auch ein "Bündnis für gute Pflege" aus 23 Organisationen, zu denen Sozialverbände, Verbraucherschützer, kirchliche Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften gehören.
Unmittelbarer Auslöser dieser Debatte sind die aktuellen Coronafälle. Dabei ist diese Pandemie nur der Kumulationspunkt einer seit Jahrzehnten von der Pflegegewerkschaft ver.di angeprangerten Fehlentwicklung ("Belastungscheck"). Diese "Corona-Krise macht Probleme sichtbarer" (Tagesschau).
Anstatt sich für Pandemien vorzubereiten wurden über Jahrzehnte sind sogenannte "Überkapazitäten" (eigentlich: "Notfall- und Reservekapazitäten") abgebaut. Dies erfolgte insbesondere durch eine gezielte "Sparfinanzierung" des "Sozialstaates". Dabei wurden vor allem kleinere Krankenhäuser geopfert. Zugleich wurde der Personalstand so ausgedünnt, dass jede Grippewelle zu pesonellen Überlastungen führte. Heute mögen zwar noch Betten für die Intensivversorgung zur Verfügung stehen - es fehlt aber an qualifiziertem Personal. Und ähnlich sieht die Situation in der Altenpflege aus. Das Gewinnstreben vieler Träger einerseits und die Einsparbemühungen der öffentlichen Hand wurden zu Lasten der SeniorInnen und des Pflegepersonals "gelöst".
Kaum jemand will noch diesen Beruf ergreifen. Viele qualifizierte Kräfte wenden sich vorzeitig ab. Arbeitsdruck, geringe Vergütung (auch wenn von einer wunderbaren Welt schwadroniert wird) und hohe Anforderungen, die nicht erfüllt werden können sind die Ursachen.

Da passt es dann durchaus "ins Bild", wenn vorgeblich kirchliche Einrichtungen wie das "Allgäu-Stift" oder die Caritas-Altenhilfeeinrichtungen der „LiLA - Liebenau Leben im Alter gGmbH“ weiter Tarifverhandlungen mit der Pflege-Gewerkschaft ver.di verweigern.
Die Verhandlungen mit der Liebenau befanden sich schon auf der Zielgeraden, als die Arbeitgeberseite sie am 2. November überraschend und nicht nachvollziehbar abbrach und angekündigt hat, die kirchlichen Regelungen anwenden zu wollen (wir berichteten). Damit bleibt sich auch dieser Arbeitgeber treu: Kosten einsparen auf dem Rücken der rund 800 betroffenen Kolleg*innen in der Altenhilfe. Denn es ist nur ein weiteres Manöver, um möglichst lange weiterhin an gar kein Tarifwerk gebunden zu sein.

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