Sonntag, 17. Oktober 2021

Sonntagsnotizen: der Papst, ein Revoluzzer nach unserem Herzen ...

- so kann man eine Meldung von Radio Vatikan interpretieren:
Papst an Volksbewegungen: Es ist Zeit zu handeln
Auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit für Minderprivilegierte hat Papst Franziskus für ein bedingungsloses Grundeinkommen und kürzere Arbeitszeiten geworben.
...

Jede Person, jede Organisation und jedes Land der Welt müsse sich einbringen, „denn wenn wir zu den alten Mustern zurückkehren, wäre das selbstmörderisch“, unterstrich der Papst. ...

Im Übrigen wundere er sich immer, so der Papst in seiner sehr frei gehaltenen Videoansprache, wenn ihm sogar aus seiner eigenen katholischen Kirche Widerstand entgegenschlage, sowie er soziale Probleme anspreche und Lösungen vorschlage *). Der Papst würde da „mit einer Reihe von Beinamen bedacht“, die nur der Abwertung dienten. „Es macht mich nicht wütend, es macht mich traurig“, erklärte Franziskus. Das alles sei Teil eines „Post-Wahrheits-Komplotts“, das zur Wegwerfkultur und zum technokratischen Paradigma gehöre und jede Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Globalisierung ausschalten wolle.

Katholische Soziallehre: eine traditionelle Doktrin der Kirche

Der Papst warb an diesem Punkt für die katholische Soziallehre *), die er als „traditionelle Doktrin der Kirche“ vorstellte; das Kompendium der Soziallehre sei von Papst Johannes Paul II. in Auftrag gegeben worden, Franziskus empfahl es allen Verantwortlichen in Gewerkschaften, Religionen, Politik und Unternehmensführung zur Lektüre. Er nannte das in der Soziallehre verankerte Prinzip der Solidarität: „Solidarität nicht nur als moralische Tugend, sondern auch als soziales Prinzip, ein Prinzip, das darauf abzielt, ungerechten Systemen entgegenzutreten“ und nach dem Gemeinwohl zu streben. Zudem benannte der Papst die Grundsätze der Teilhabe und der Subsidiarität: Beide seien dazu gedacht, Autoritarismus und staatszentriertes Denken in Schach zu halten. „Das Gemeinwohl darf nicht als Vorwand dienen, um Privatinitiative, lokale Identität oder Gemeinschaftsprojekte zu unterdrücken“, **) stelle der Papst klar. Genau deshalb förderten diese Grundsätze aus der katholischen Soziallehre eine Wirtschaft und eine Politik, die die Rolle der Volksbewegungen, aber auch der Vereine und der Familien anerkenne und damit ein breites soziales Wachstum ermöglichen. Das seien „fest verankerte Grundsätze in der Soziallehre der Kirche“, und damit könne man zur Tat schreiten: „Denn es ist Zeit zu handeln“, so der Papst.
...
Deshalb ermutigte Franziskus die Angehörigen der Volksbewegungen, überall dort, wo Entscheidungen getroffen werden, ihre Zusammenarbeit anzubieten. Zuletzt erinnerte der Papst an die Zusage Jesu: „ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20).
Der Bericht von Radio Vatikan mit einem Link zum Nachhören ist hier zum Nachlesen.
Bericht von katholisch.de hier - klick -
Zum Nachlesen und der Videoaufnahme (italienisch) hier - und keine Angst, liebe Verfechter des "Dritten Weges": wenn der Papst auf italienisch predigt, meint er vermutlich Nicaragua und nicht Deutschland.

Tatsächlich bezweifeln wir (nicht wütend sondern einfach nur realistisch), ob Volksbewegungen wie die Gewerkschaften mit einem weiteren Angebot zur ehrlichen Zusammenarbeit bei der deutschen katholischen Kirche erfolgreich sein würden. Ver.di - und vorher schon die Gründungsgewerkschaft ötv - haben den Kirchen über Jahre hin eine ehrliche, faire, partnerschaftliche Zusammenarbeit angeboten. Das Gegenangebot der katholischen Kirche (nach der höchstrichterlichen Bestätigung des Streikrechts in kirchlichen Einrichtungen) war ein Platz am Katzentisch als Schaufensterattraktion. Die im "Dritten Weg" angebotene Pseudogestaltungsmöglichkeit hat inzwischen auch den Marburger Bund bewegt, sich aus diesem historisch schwer belasteten Weg zurück zu ziehen (wir berichteten). Die Kirchenfürsten bleiben auf ihrem "hohen Roß". Sie sägen selbst am Ast, auf dem sie sitzen - und freuen sich, dass es so schön wippt. Es ist eine Frage der Zeit, wann der Ast bricht - und die Ernte nur noch eingesammelt werden muss.
Solange diese Kirche nicht "auf Vordermann gebracht wird", erübrigen sich daher wohl weitere freundschaftliche Angebote zur Zusammenarbeit bei der Gestaltung des Arbeitsrechts der kirchlichen MitarbeiterInnen.


*)
Die Soziallehre der Kirche hat nicht alle Antworten, aber sie hat einige Prinzipien, die diesem Weg helfen können, die Antworten zu konkretisieren und sowohl Christen als auch Nichtchristen zu helfen. Manchmal überrascht es mich, dass jedes Mal, wenn ich über diese Prinzipien spreche, einige bewundert werden und dann der Papst mit einer Reihe von Beinamen katalogisiert wird, die verwendet werden, um jede Reflexion auf ein bloßes erniedrigendes Adjektiv zu reduzieren. Es macht mich nicht wütend, es macht mich traurig. Sie ist Teil des postfaktischen Gefüges, das versucht, jede alternative humanistische Suche nach kapitalistischer Globalisierung zunichte zu machen, sie ist Teil der Wegwerfkultur und sie ist Teil des technokratischen Paradigmas.
**)
Ob der Papst damit das Agieren der Caritas-Arbeitgeber zum Allgemeinverbindlichen Tarifvertrag "Altenpflege" gemeint hat?

Samstag, 16. Oktober 2021

Wieviele MitarbeiterInnen hat jetzt die katholische Kirche Deutschland mit ihrem Wohlfahrtsverband Caritas - der ultimative Gottesbeweis?

Anlässlich der Neuwahl von Eva Maria Weiskop-Deffaa zur Caritas-Präsidentin (wir berichteten) haben wir wieder einmal die von den (kirchlichen) Medien verbreiteten Zahlen genommen, um unsere fast 10 Jahre alte Statistik (Wen vertritt IGMICK) zu überprüfen.

Aktuell wird also vorgestellt:
Mit rund 690.000 hauptamtlichen Mitarbeitern - 80 Prozent sind Frauen - ist die Caritas der größte private Arbeitgeber in Deutschland. Der Verband engagiert sich auf allen Gebieten der Gesundheits-, Jugend- und Sozialhilfe. Rund 8.000 rechtlich eigenständige Träger unterhalten bundesweit mehr als 24.000 Einrichtungen *) wie Kindertagesstätten, Altenpflegeheime, ambulante Pflegedienste oder Beratungsstellen.
wird von "Kirche und Leben" berichtet.
Nach "katholisch.de" sind alleine in
der Caritas .. gut 25.000 Einrichtungen *) mit fast 700.000 Mitarbeitern organisiert, dazu kommen mehrere Hunderttausend Ehrenamtliche.
Der Caritasverband selbst gibt auf seiner Homepage (hp) an:
693.082 Menschen arbeiten beruflich in den 25.064 Einrichtungen und Diensten *), die der Caritas bundesweit angeschlossen sind. Sie werden von mehreren hunderttausend Ehrenamtlichen und Freiwilligen unterstützt.
Hinzu kommen 42.249 Auszubildende und Schüler_innen, 4.875 Freiwillige im Sozialen Jahr und 4.687 Bundesfreiwilligendienstleistende.
Das ergab die aktuellste Erhebung der Caritas von 2020, Stichtag war der 31.12.2018. Die Zahlen werden alle zwei Jahre erhoben.
Nun ist der kirchliche Wohlfahrtsverband nur ein "Teil des Konzerns Kirche". Die "verfasste Kirche" - also die 27 (Erz-)Diözesen mit ihrer Diözesankurie (z.B. Finanzkammern und Kirchensteuerämter) sowie den tausenden von Pfarrämtern, mit eigenen Kindertagesstätten und weiteren Mitarbeitern in Pfarrverwaltungen, als Mesner (Küster), Kirchenmusiker und in der Seelsorge (Gemeinde- und Pastoralreferenten) sowie in kirchlichen Wäldern und Tagungshäusern und zusätzlich die eigenständigen Stiftungen und Ordenszentralen stellen weiter insgesamt hunderttausende von MitarbeiterInnen im "Konzern Kirche".
Und auch Radio Vatikan berichtet aktuell:
690.000 Mitarbeiter arbeiten hauptamtlich für die deutsche Caritas. Das Engagement des Verbands ist breit gefächert und umfasst alle Gebiete der Gesundheits-, Jugend- und Sozialhilfe. Rund 8.000 rechtlich eigenständige Träger unterhalten bundesweit mehr als 24.000 Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Altenpflegeheime, ambulante Pflegedienste oder Beratungsstellen.

Da verwundert es etwas, wenn die Bundesarbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen (BAG-MAV), die alle Mitarbeitervertretungen bei Caritas, Kirche und Orden zusammen fasst, ausführt:
Aktuell sind in den Einrichtungen der katholischen Kirche und der Caritas rund 650.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ca. 50.000 Einrichtungen. Es gibt viele kleine Einrichtungen mit weniger als 5 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern **), einige Ordensträger haben in ihren unterschiedlichen Einrichtungen insgesamt bis zu 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
(Quelle).

Im Kontext:
Bei der Caritas (dem katholischen Wohlfahrtsverband) gibt es bundesweit mehr als 24.000 Einrichtungen was sich mit der Kirche selbst auf ca. 50.000 Einrichtungen verdoppelt
und
Alleine die Caritas hat rund 690.000 (bzw. fast 700.000) hauptamtliche Mitarbeiter, Caritas und katholische Kirche zusammen kommen aber nicht auf mehr sondern auf weniger, nämlich rund 650.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wenn man nicht Phantasie-Zahlen (aus welchem Grund?) ohne reale Grundlage unterstellen will, dann muss man wohl an Wunder glauben ...

Anmerkungen
*) Die hp des Caritasverbandes spricht an anderer Stelle von "etwa 25.000 Einrichtungen und Diensten"
Link zum Statistik-Portal des Deutschen Caritasverbandes "klick mich"

**) solche Einrichtungen können keine Mitarbeitervertretung bilden und sind somit weder durch die BAG-MAV noch durch die Arbeitsrechtliche Kommission der Caritas vertreten

Freitag, 15. Oktober 2021

Verhandlungen TV-L: ver.di-Chef Werneke fordert höhere Löhne

Wir hatten bereits am Montag (11. Oktober) auf die hohe Preissteigerungsrate hingewiesen. Ganz ohne Statistik: wer regelmäßig an einer Tankstelle vorbei kommt, sieht die Entwicklung augenfällig. Nun wurde Frank Werneke deutlich:
Angesichts der hohen Inflationsrate hat ver.di-Chef Werneke eine deutliche Anhebung der Löhne gefordert. Dadurch könnten Beschäftige den Preisanstieg auffangen.
berichtet die Tagesschau und führt aus:
Dass die Inflationsrate in Deutschland so hoch ist wie seit 28 Jahren nicht mehr, sorgt seit Tagen für Diskussionsstoff. Die Gewerkschaft ver.di ruft nun nach Konsequenzen: Die Preissprünge etwa für Lebensmittel, Energie und Benzin träfen insbesondere Menschen mit geringeren und mittleren Einkommen, so ver.di-Chef Frank Werneke. Seine Forderung: deutlich spürbare Reallohnsteigerungen in den kommenden Tarifverhandlungen, wie er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte.
Recht hat er, der Frank ...

weitere Quellen: ZDF heute "Steigende Verbraucherpreise - Verdi fordert mehr Lohn wegen Inflation"

ergänzend:
Handelsblatt: IWF-Chefvolkswirtin: „Deutschland steht vor großen Herausforderungen“ - Der Internationale Währungsfonds fordert die Bundesrepublik zu mehr Flexibilität beim Schuldenmachen auf. Auch in Berlin zeichnet sich ein Umdenken ab.

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Alarmruf - Leiterin des kath. Pfarrkindergartens St. Albert in München zur Personalsituation:

Die Situation in den Münchner Kitas ist brisant: Jede zehnte Stelle ist dort nicht besetzt. Personalmangel herrscht, es gibt zu wenig Personal. Wer drunter leiden muss: Letztendlich wohl die Kinder.
Die Leiterin des katholischen Kindergarten St. Albert des Pfarrverbands St. Albert - Allerheiligen in Freimann erklärt gegenüber der TZ, wie prekär die Lage ist.
Für die Stadt zähle vor allem der Versorgungsschlüssel, um zu gewährleisten, dass Familien in den Stadtbezirken mit Kitaplätzen versorgt seien. Ob diese Kitaplätze dann aufgrund von fehlenden Erziehern wirklich zur Verfügung stehen und nicht nur auf dem Papier, spiele eine untergeordnete Rolle.

„Es war auch unnötig, die Kitagebühren abzuschaffen“, sagt Suyin Majthenyi. „Ich kenne so viele Eltern, die gerne Gebühren bezahlen würden, wenn sie so die Versorgung ihrer Kinder verbessern könnten.“

Dank einem Zeitungsartikel hatte die Kita St. Albert im letzten Jahr eine offene Stelle nach monatelanger Suche besetzen können. „Andere Kitas haben Pech und müssen dann ihr Betreuungsangebot reduzieren. Am Ende geht es immer zu Lasten der Kinder.“...
Die geschilderte Situation ist symptomatisch. Sie trifft nicht nur auf einige Pfarrkindergärten in Großstädten zu. Sie betrifft flächendeckend alle Träger. Und ver.di hatte von Anfang an dagegen protestiert, die zur Qualitätsverbesserung vorgesehenen Mittel ("Gute KiTA Gesetz") für Wahlgeschenke wie die Reduzierung der Elternbeiträge auszugeben (klick). Stattdessen wäre es sinnvoll, diese Mittel zur Förderung des gut ausgebildeten Personals zu verwenden - durch entsprechende Zulagen für Pädagogen mit Zusatzqualifikationen, die mit besonders betreuungsbedürftigen Kinder arbeiten oder für die Praxisanleiter zum Beispiel.

Hilferuf aus dem Krankenhaus - Pflegekräfte am Limit

berichtet "frontal" und führt aus:
Seit Jahren weiß die Politik um den Pflegenotstand und die Überbelastung des Pflegepersonals. Doch das Bundesgesundheitsministerium bleibt tatenlos, hat bisher keine bundesweit einheitliche Gesetzgebung zur Reform der Pflege verabschiedet.
Sendung vom 12.10.2021
Video 8 min verfügbar bis 12.10.2023

ergänzend berichtet die TAGESSCHAU:
Forderungen an die Ampel
Die Pflegebranche erwartet viel
Stand: 13.10.2021 04:21 Uhr
Die Not ist groß in der Pflege: Zu wenig Personal, zu geringe Bezahlung, zu hohe Kosten. Auf dem Deutschen Pflegetag werden die Forderungen an die künftige Bundesregierung groß sein.

ergänzend berichtet der SPIEGEL über den Unsinn, Einrichtungen der Daseinsvorsorge und soziale Dienste den Finanzmärkten auszuliefern:
Wie Investoren die Pflege auspressen
Seit Langem mangelt es in der Pflegebranche an Geld, trotzdem haben finanzstarke Investoren sie als lukratives Geschäft entdeckt. Für Heimbewohner bedeutet das oft nichts Gutes.



edit:
Aktuell gibt es eine Studie über die Situation bei der Altenpflege. Auf deren Grundlage haben sich auch diverse Medien um die Aufzeichnung der Problematik verdient gemacht.
Prof. Sell nimmt in seinem Blog die Entwicklung auf's Korn: "Das Kapital sucht sich seinen Weg in lukrative Anlagen: Private-Equity-Investoren und die Altenpflege mal wieder"
Der bereits zitierte SPIEGEL-Beitrag ist nicht kostenfrei zugänglich die Studie allerdings schon:
https://www.finanzwende-recherche.de/unsere-themen/private-equity-investoren-in-der-pflege/

Mittwoch, 13. Oktober 2021

Breaking news: Eva Maria Welskop-Deffaa zur neuen Caritas-Präsidentin gewählt

berichten aktuell katholisch.de und Kirche und Leben.

Wir gratulieren und sind uns sicher, dass unter der neuen Präsidentin der Caritas manche "Berührungsängste" mit ver.di der Vergangenheit angehören, und damit die Sozialpolitik Deutschlands gemeinsam mit den Gewerkschaften neue Gestaltungsmöglichkeiten erhält.

Zusatzversorgung - Notlagen der Kassen lösen?

In unserem Beitrag vom 13. September haben wir ausführlich die Hintergründe für die derzeitige Finanzierung der Zusatzversorgung durch "Arbeitgeberbeiträge" erläutert.

Nur kurz zur Erinnerung:
Die Arbeitgeber hatten sich anstelle einer "nicht vermittelbaren Vergütungserhöhung" bereit erklärt, die Beiträge für die Zusatzversorgung komplett zu übernehmen. Da es sich bei den angesparten Geldern um "Treuhandmittel" (also einen Lohnbestandteil) handelt, dürfen diese Gelder auch nur für die Altersversorgung verwendet werden. Sie müssen dann auch für anstehende Rentenzahlungen zur Verfügung stehen. Alles andere wäre als "Untreue" zu hinterfragen.
In der Folge wurden viele Zusatzversorgungskassen durch zu geringe Beiträge bzw. Umlagen unerfinanziert und "an die Wand gefahren". Dies ist insbesondere den Arbeitgebern anzulasten, die ihre Zusage auf eine auskömmliche Finanzierung der "Gesamtversorgung" nicht eingehalten hatten.
Diskussionen darüber wurden in der Vergangenheit mit der "Nachschusspflicht der Arbeitgeber" abgeblockt. Wenn das Geld nicht mehr reicht, müssen die Arbeitgeber - die ja eine tarifliche Verpflichtung zur Leistung der Betriebsrente haben - eben "nachlegen", und ein Defizit zum gegebenen Zeitpunkt entsprechend ausgleichen.

Dienstag, 12. Oktober 2021

Ergebnisse der Sitzung der Bundeskommission der Arbeitsrechtlichen Kommission in der Caritas

Die Pflegeausbildung befindet sich im Umbruch. So werden Alten-, Kinder- und Krankenpflege künftig auf gemeinsamer Grundlage aufbauen und sich die Wege erst im Laufe der Ausbildung trennen. Darauf hat nun die AK der Caritas (Bundeskommission) reagiert.
Neu hinzugekommen sind u.a. die arbeitsrechtlichen Regelungen für die akademische Hebammenausbildung.
Die neue Anlage 7 enthält u.a. eine monatliche Zulage von 100 Euro für praxisintegrierte duale Studiengänge. Auch ausbildungsintegrierte duale Studiengänge erhalten nun eine monatliche Zulage von 150 Euro, und die notwendigen Kosten für Unterkunft am auswärtigen Ort werden im notwendigen Umfang erstattet.
berichtet das AK-MAS Info.

ak.mas Info der Mitarbeitendenseite
Dienstgeberbrief 5/2021

Montag, 11. Oktober 2021

Verhandlungen TV-L und Entlastung in Berliner Kliniken

Liebe/r Kollege/in,

nach der ersten Verhandlungsrunde zum TV-L ist klargestellt: Die Arbeitgeber sind auf Konfrontationskurs! Sie blenden die Realität aus und wollen weder die Leistung der Beschäftigten anerkennen, noch die Preisentwicklung zur Kenntnis nehmen. Dieses fatale Signal an alle Länderbeschäftigten ist aus unserer Sicht das Ergebnis der ersten Runde. Unter anderem berichtet ver.di:
Abschreckung statt Fachkräftewerbung
Der Verhandlungsführer der TdL, Reinhold Hilbers, ließ sich schon vor dem Verhandlungsauftakt mit steilen Aussagen in der Presse zitieren: Man strebe eine schnelle Konsolidierung der Haushalte an – und: „Bei einem Anteil der Personalkosten von durchschnittlich 45 Prozent des Haushaltsvolumens wird dieser Bereich einen nennenswerten Betrag leisten müssen.“ Er droht sogar damit, dass die Länder einen Abschluss, der aus ihrer Sicht oberhalb ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit liege, mit Personalabbau beantworten würden.

Abgesehen davon, dass der Verhandlungsführer es mit Zahlen nicht so genau nimmt – tatsächlich liegen die Personalkosten bei 30 bis 35 Prozent der Ausgaben: Sieht so der Dank für Beschäftigte aus, die tagaus tagein Leistung bringen und insbesondere in Pandemie-Zeiten den Laden am Laufen halten? Wertschätzung für Beschäftigte und Attraktivität für künftige Beschäftigte sehen anders aus!

Realitätsverlust?
Noch erstaunlicher sind Zahlen, die Verhandlungsführer Hilbers zur Inflation präsentiert. Er geht von 2,1 Prozent in diesem Jahr und 1,9 Prozent für das nächste Jahr aus. Ein Inflationsausgleich sei aus Sicht der Arbeitgeber daher nicht nötig. Alle Wirtschaftsinstitute gehen von deutlich höheren Zahlen aus.

Einen Fachkräftemangel sieht er nicht, sondern genügend Bewerber*innen. Probleme gebe es allenfalls bei der Stellenbesetzung in Spezialbereichen. Auch der Gesundheitsbereich müsse nicht gesondert behandelt werden. Durch die Pandemie gab es lediglich eine temporäre Belastung, die nicht dauerhaft honoriert werden müsse. Da verwundert es schon nicht mehr, dass bei studentischen Mitarbeiter*innen ebenfalls kein Problem und daher auch keine Notwendigkeit für einen Tarifvertrag gesehen wird.
...
Quelle: ver.di Newsletter an alle Mitglieder mit TV-L-Bindung
Die Inflationsrate in Deutschland – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – wird nach einer Veröffentlichung des statistischen Bundesamtes vom 30.09.2021 im September 2021 voraussichtlich + 4,1 % betragen. "Einen höheren Wert für die Teuerungsrate wurde zuletzt im Dezember 1993 ermittelt: Damals lag die Inflation bei 4,3 Prozent" (Quelle: Tagesschau vom 30.08.2021). Die Forderungen nach Einkommenserhöhung von 5 Prozent, mindestens aber 150 Euro, sind daher für einen mehrjährigen Tarifabschluss mehr als berechtigt. Vor allem Beschäftigte mit geringeren Einkommen bekommen die aktuelle Preisentwicklung zu spüren und brauchen dringend einen Ausgleich. Genau deshalb ist der Mindestbetrag so wichtig.

Das sicher nicht gewerkschaftsfreundliche "Handelsblatt" schreibt dazu:
Länder-Tarifrunde: Arbeitgeber stellen selbst Forderungen – und provozieren so einen Arbeitskampf
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Unterdessen geht der Kampf um die Entlastung in Berliner Klinken weiter.
Tausende demonstrieren für bessere Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern

09.10.21 | 16:32 Uhr
Entlastung per Tarifvertrag - das ist eine der Hauptforderungen der Berliner Krankenhausbewegung. Am Samstag nahmen mehrere Tausend Menschen an einer Protestaktion in Neukölln teil.
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berichtet rbb.24. Solange es keine gesetzliche Regelung gibt, muss die Gewerkschaft eine Entlastung auf der tarifvertraglichen Ebene erkämpfen. Es kann mag zwar möglich sein, dass nach der Bundestagswahl eine neue Bundesregierung die Forderung in einem Koalitionsvertrag aufnimmt - das ist aber durchaus unsicher. Und ob die Entlastung dann nicht nur Mindestbedingungen festlegt sondern auch ausreichend ist, muss erst recht als unsicher bezeichnet werden. Und selbst wenn in einem Regierungsprogramm eine ausreichende Entlastung vorgesehen wäre, wird die Umsetzung sicher noch länger dauern als die Koalitionsverhandlungen. Darüber hinaus besteht immer die Möglichkeit, dass vereinbarte Ziele nicht umgesetzt werden können.

Sonntag, 10. Oktober 2021

Sonntagsnotizen - Franziskus vor Weltsynode: „Wir sind gerufen zur Einheit“

berichtet Radio Vatikan und führt u.a. aus:
Ausdrücklich kritisierte der Papst ein unter Priestern vorhandenes „Elitedenken, das dazu führt, dass man sich von den Laien abkoppelt, und am Ende wird der Priester zum Hausherrn“. Die Kirche brauche an diesem Punkt „eine Veränderung bestimmter, von oben herab´ gerichteter, verzerrter und einseitiger Vorstellungen von der Kirche, vom priesterlichen Dienst, der Rolle der Laien, der kirchlichen Verantwortung, der Leitungsfunktion, undsofort.“
Zweitens dürfe die Synode, Stichwort Intellektualismus, keine „Studiengruppe“ werden. Dabei nämlich würde sie sich „von der Wirklichkeit des heiligen Volkes Gottes“ lösen. Das dritte Risiko, die Unbeweglichkeit, knüpft Franziskus an den aus seiner Sicht irrigen Leitsatz, nichts dürfe sich ändern, weil „es immer so gemacht wurde“. Dabei würden am Ende bloß „alte Lösungen für neue Probleme“ aufgetischt und der Riss im Ganzen größer statt kleiner. Um das zu vermeiden, empfahl Franziskus, „dass der Synodale Weg wirklich ein solcher ist, dass er ein Prozess im Entstehen ist; er möge von unten ausgehen“, das heißt von den Ortskirchen, wo die Gläubigen in „eine leidenschaftliche und konkrete Arbeit“ im Stil der Partizipation einzubeziehen seien.
. Ob das auch für die eigene Soziallehre gilt und als eine Mahnung nach Deutschland verstanden werden darf?