Mittwoch, 18. November 2020

Trotz Corona - katholischer Krankenhaus- und Sozialkonzern schließt weitere Kliniken

Die Contilia GmbH ist nach Wikipedia eine soziale, katholische Dienstleistungs- und Trägergesellschaft, die unter anderem zahlreiche medizinische und Pflegeeinrichtungen in Essen und Mülheim an der Ruhr betreibt. Sie wurde nach eigener Aussage im Jahr 2006 von der St. Elisabeth-Stiftung Essen (66 Prozent), der Stiftung St. Marien-Hospital zu Mülheim an der Ruhr (33 Prozent) und dem Caritas-Trägerwerk im Bistum Essen e. V. (1 Prozent) gegründet. Dahinter stehen - ebenso nach eigener Aussage - die Barmherzigen Schwestern von der hl. Elisabeth, kurz Elisabeth-Schwestern. Diese sind eine Kongregation bischöflichen Rechts, die 1843 von Clara Kopp in Essen durch Umbildung von Beginenkonventen zu einer franziskanischen Drittordenskongregation gegründet wurde. Soziale Verantwortung also "in die Wiege gelegt" - möchte man meinen.

Corona führt inzwischen zu immer mehr Kapazitätsengpässen in den Krankenhäusern:
- am 08.10. meldeten die Ruhrnachrichten "stark steigenden Ansteckungszahlen mit dem Coronavirus", die "sich auch auf den Intensivstationen der Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen bemerkbar" machen,
- am 23.10. meldeten Medien rasant steigende Zahlen von Corona-Patienten in den Kliniken
- am 29.10. schlugen die Ärzte in NRW Alarm: "Noch sind bundesweit viele Intensivbetten frei. Doch in NRW sind bereits zwei Drittel belegt"
Anfang November meldeten einige Krankenhäuser dennoch erste Engpässe, nachdem immer mehr Corona-Patienten auf den Intensivstationen in NRW und Deutschland gelandet waren. Auch Ärzte und Pfleger schlugen Alarm. Die zweite Corona-Welle erreichte die Kliniken schließlich tatsächlich kurze Zeit später: Die Intensivstationen sind Anfang November so voll, wie im Frühjahr des Jahres 2020, als die erste Corona-Welle Deutschland erfasst hatte
(mehr Nachrichten zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).
- am 30.10. meldeten die Kölner Krankenhäuser eine deutliche Verknappung der Intensivbetten
- am 04.11. meldete der Kreis Gütersloh "Krankenhäuser an Belastungsgrenze"
- am 05.11. traf es das St.-Marien-Hospital in Lünen, das zum Katholische Klinikum Lünen/Werne gehört,
- am 12.11. wurde das Franz-von-Assisi-Haus der Caritas in Herten als Hotspot in Sachen Corona gemeldet: "33 Bewohner gelten aktuell als infiziert, zwei sind gestorben".
(wir beschränken uns bei der Aufzählung auf NRW, andere Regionen wie Südhessen haben wir nicht berücksichtigt)

Umso verwunderlicher ist, dass in Zeiten einer Pandemie das Unternehmen Contilia nach dem Marienhospital nun zum Jahresende auch das St. Vincenz-Krankenhaus in Stoppenberg schließt.
Oberbürgermeister Thomas Kufen kommentiert dies kritisch: „Durch das Vorgehen der Contilia hat sich bereits abgezeichnet, dass der Standort des St. Vincenz in Stoppenberg ebenfalls zum Jahresende schließen würde. Ausdrücklicher Wunsch der Stadt war es, das Krankenhaus auch über den Jahreswechsel für die gesundheitliche Versorgung im Essener Norden geöffnet zu halten“, so der OB. Auch weil die Rettungswache der Feuerwehr derzeit noch an das St. Vincenz gebunden ist, wäre der Weiterbetrieb des Krankenhauses wünschenswert gewesen, erklärte Kufen.

„Trotz der angekündigten Pläne der Contilia, grundsätzlich den Gesundheitsstandort in Altenessen nach der Schließung des Marienhospitals weiterentwickeln zu wollen, bleibt die große Kritik, dass Fakten geschaffen werden, bevor es einen adäquaten Ersatz für die Bürgerinnen und Bürger gibt.“
berichtet die WAZ und auch Radio Essen.

Die Schließungspläne laufen offenbar mehr als chaotisch ab. Von einer Abstimmung mit den Mitarbeitern oder der Stadt Essen kann offenbar keine Rede sein.

Erneut ein Beispiel dafür, dass auch vorgeblich "kirchliche Wohlfahrtseinrichtungen" primär den eigenen Finanzen verpflichtet sind. Solange sich Geld verdienen lässt, wird formal die christlich-soziale Flagge hoch gehalten. Dies rechtfertigt dann ja auch, wesentliche "Mitwirkungsrechte auf allenen Ebenen" (Mater et magistra, Rd. Nr. 91 (97) ff) zu beschränken und Personaldecken auszudünnen. Denn die kirchlichen Wohlfahrts-Einrichtungen sind ja keine Wirtschaftsunternehmen. Sie handeln - so wird landauf und landab verkündet - gemeinnützig und selbstlos, nur dem sozialen Wohl verpflichtet. Dass das nicht stimmt, beweisen diese Einrichtungen immer wieder - aktuell die "Contilia GmbH".

Die Schlussfolgerung daraus:
"Eigenum verpflichtet" steht schon im Grundgesetz. Wer nicht danach handelt, muss damit leben, dass das Eigentumsrecht hinterfragt wird. Soziale Einrichtungen gehören in die öffentliche Hand und dürfen nicht finanziellen Interessen überlassen werden. Denn:
»Es geht um Menschenleben«

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