Sonntag, 28. Februar 2016

Medienrückblick

Zur Erklärung der Dienstgeberseite der Arbeitsrechtlichen Kommission ("Tarifrunde 2016: Vorstellungen der Mitarbeiterseite wirtschaftlich nicht tragbar")  zur Forderung der Mitarbeiterseite *) haben wir in zwei Medien Berichte gefunden:

Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) meldet:

...und auch Wohfahrt Intern meldet
Interessant ist, dass die Dienstgeberseite die Erhöhungen unter Verweis auf die "erst im Dezember 2015" beschlossene Tariferhöhung für den Sozial- und Erziehungsdienst problematisiert. Hier rächt sich dann die Praxis der AK, die Tariferhöhungen des öffentlichen Dienstes erst mit Verzögerung zu beschließen und/oder zu übernehmen! Diese Benachteiligung gegenüber dem öffentlichen Dienst wird den Arbeitnehmern Dienstnehmern **) der Caritas dann nochmal als Argument entgegen gehalten, wenn es darum geht, ihre Identifikation mit den gewerkschaftlichen Forderungen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu kritisieren: "ihr habt doch gerade erst eine Lohnerhöhung bekommen!" (Und die Region Nord hat sie erst noch vor sich!!)

Der Forderung der Beschäftigten, die unabdingbare Wertschätzung auch durch Tarifsteigerungen zu realisieren, wird entgegengehalten:
 „Dass wir diese Wertschätzung mit überdurchschnittlichen Löhnen und weiteren guten Arbeitsbedingungen leisten, wird leider jedes Mal übersehen.“ 
Tja. Übersehen wird von der Dienstgeberseite auch gerne, dass diese "überdurchschnittlichen Löhne" der Standard im öffentlichen Dienst sind - und die Caritas regelmäßig um Monate hinter dem öffentlichen Dienst herläuft!

*) wenn schon die "Vorstellungen der Mitarbeiterseite" zu wirtschaftlichen Problemen führen, was für Folgen würden dann erst tatsächliche Tarifsteigerungen haben?!

**) Mit dem Begriff "Dienstnehmer" und "Dienstgeber" haben wir so unsere Probleme. Wer gibt denn den Dienst - und wer nimmt ihn? Auf die historische Belastung des damit verwobenen Begriffes der "Dienstgemeinschaft" haben wir ohnehin oft genug verwiesen. Wenn schon dieser Anklang gewünscht wird, dann wäre es konsequent und im Übrigen auch philologisch richtig, den Begriff "Dienstherr" anstelle des irreführenden "Dienstgeber" zu verwenden.


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Großes Thema in den Medien war auch der Bericht zur Armutsentwicklung 2016, der vom Paritätischen Wohlfahrtsverband in Kooperation mit weiteren Verbänden (Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e. V., Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e. V., Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e. V. Deutscher Kinderschutzbund e. V. Deutsches Kinderhilfswerk e. V. Pro Asyl e. V. ,Verband alleinerziehender Mütter und Väter e. V., Volkssolidarität Bundesverband e. V.) vorgestellt wurde:
Zeit zu handeln. Bericht zur Armutsentwicklung 2016.
Caritas und Diakonie sind hier nicht mit von der Partie. Wenige Tage vor der Vorstellung des Berichts gab der Generalsekretär der Caritas der Süddeutschen Zeitung ein Interview, das auf die Lektüre dieses Berichts schon mal vorbereitet hat:
"Es wäre völlig abstrus, Kalkutta mit Deutschland zu  vergleichen." Georg Cremer, Generalsekretär der Caritas, über die Tücken der Armutsstatistik und überzogene Klagen der Sozialverbände. Und warum die Unterschicht eine Willkommenskultur bräuchte. 
SZ vom 12.2.2016, Wirtschaft, S. 16, leider nicht kostenfrei online zugänglich
Den Streit der Wohlfahrtsverbände über die angemessene Betrachtung der Armut thematisiert SZ zumindest bildlich in ihrem Beitrag vom 23. Februar 2016
Armutsbericht. Immer mehr arme Menschen in Bayern und NRW 


Zur Vertiefung der Thematik empfehlen wir diesmal eine Buchlektüre:
Kampf um die Armut, mit Beiträgen von Ulrich Schneider, Christoph Budderwegge, Friedhelm Hengsbach SJ, Rudolf Martens und Stefan Sell. Westend Verlag, Frankfurt 2015.
Erhältlich in jeder guten Buchhandlung.










Nebenbei: durch die bundesdeutschen Medien gehen aktuell Presseberichte zu Meldungen aus verschiedenen Diözesen, die von neuen (Kirchensteuer-)Rekordeinnahmen der Bistümber berichten.


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