Neulich um 8 Uhr morgens im Münchner Hauptbahnhof traf ich einen sehr
wichtigen Caritas-Funktionär. Er konfrontierte mich mit dem Vorwurf, wir würden
mit der AWO gemeinsame Sache machen und behaupten, dass die Caritas die unteren
Einkommensgruppen schlechter als die AWO
bezahlen würden.
Ich war zunächst völlig
konsterniert. Denn wie kommt ein Caritas Dienstgeber dazu, ver.di und die AWO
in einen Topf zu schmeißen, wie kommt er dazu, die Vorwürfe der AWO gegenüber
der Caritas uns mit auf’s „Butterbrot zu schmieren“?
Nachdem mir dann auch noch unsere ehrenamtlichen Kollegen, die in
Caritas-Einrichtungen beschäftigt sind, ähnliche Behauptungen seitens ihrer
Dienstgeber erzählt haben, meine ich, ist es Zeit, einiges klar zu stellen.
Die AWO in Bayern und ver.di befinden sich aktuell in einer sehr
schwierigen Tarifauseinandersetzung. Die Lage hat sich inzwischen so
zugespitzt, dass wir bereits einen Arbeitskampf in Form eines Warnstreiks
einleiten mussten. Ein Streik ist eine ausgesprochene ernste Angelegenheit für
die Beschäftigten, für ver.di und natürlich auch für den betroffenen
Arbeitgeber. Solche Maßnahmen ergreift eine Gewerkschaft nur, wenn es absolut
notwendig ist.
Wie man dann uns „der Kumpanei“ mit der AWO unterstellen kann, ist
völlig unverständlich und ein starkes Stück.
Was ist passiert?
Am dritten Verhandlungstag am 6. August 2012 hat uns die
Arbeitgebervereinigung (AGV) AWO mit der Behauptung konfrontiert, dass der Wettbewerber
Caritas sich Kostenvorteile verschafft hat, indem er die unteren
Einkommensgruppen abgesenkt hat. Exemplarisch zeigte er uns dies an der Kr3a
auf. Der Vorwurf an die Caritas kam von der AWO und nicht von uns!
Wir kämpfen in der aktuellen Tarifverhandlung TV AWO Bayern 2012 für
eine einheitliche Gehaltssteigerung aller Beschäftigten und wehren uns gegen
das Abkoppeln der unteren Einkommensgruppen. Dies ist über die
Presseberichterstattung, über die Arbeitgeber-Infos und über unsere Tarifinfos
gut nachzulesen. Also daher mein Rat, bitte erst sachkundig machen, bevor man
unhaltbare und diffamierende Behauptungen aufstellt.
Gemeinsam versuchen wir ein Lohndumping in der Sozialbranche zu
verhindern. Z.B. mit den Kollegen, aus der Arbeitsrechtlichen Kommission der
Caritas, die bei uns Mitglied sind, stehen wir in einem intensiven Austausch, um zu verhindern, dass
es zu weiterem Lohndumping kommt.
Lorenz Ganterer, ver.di Bayern, Landesfachbereich 3 und Mitglied der
Verhandlungskommission AWO
5. Oktober 2012
Man könnte meinen, die Arbeitgeber hätten sich abgesprochen: jeder zeigt auf den anderen, um mit dessen angeblich niedrigen Löhnen (die natürlich die Refinanzierung beeinflussen) zu begründen, das man "aus Wettbewerbsgründen" nicht mehr zahlen kann.
AntwortenLöschenDie Kr 3a bei der Caritas trifft nur eine minimale Anzahl von Beschäftigten, dafür hat die Caritas Bayern den TVöD übernommen.
Aus diesem gegenseitigen "Aufzeigen" kommen wir raus - mit einem gemeinsamen und allgemein verbindlichen Sozialtarifvertrag, der die Grundlage für die Refinanzierung bietet.
Da sollte schon der "Marktdruck" bei den Arbeitgebern entspechende Einsicht erzeugen - oder will man weiter Preiswettbewerb zu Lasten der eigenen Beschäftigten?