Sonntag, 4. Februar 2018

Sonntagsnotizen: Warum wir Flüchtlinge und Zuwanderer brauchen

Ihre Vorsorge de - ein Portal der deutschen Rentenversicherer - berichtet unter dem Titel
Rente / 26.01.2018

Zuwanderer lösen Probleme nur teilweise

Wissenschaftler einig: Deutschland braucht langfristig Ausländer - doch auch sie werden die demografische Herausforderung allein nicht bewältigen.
aus der Jahrestagung des Forschungsnetzwerks Alterssicherung (FNA) in Berlin :
In den kommenden Jahrzehnten stehen die Systeme der Alterssicherung in Deutschland vor einer Herkules-Aufgabe. Die geburtenstarken Jahrgänge treten spätestens ab Mitte der 2020-er Jahre verstärkt in den Ruhestand, während eine - sehr wahrscheinlich - sinkende Zahl von Erwerbstätigen die Rentenansprüche der in den Wirtschaftswunder-Jahren geborenen Frauen und Männer befriedigen muss. Eine Situation, die bis vor wenigen Jahren auch die Bevölkerungsforscher einhellig in Alarmstimmung versetzte. Doch die verstärkte Zuwanderung seit Ende des vergangenen Jahrzehnts, insbesondere aus Ländern Ost- und Südosteuropas, könnte der von manchen Seiten befürchteten Überforderung der gesetzlichen Rentenversicherung zumindest entgegenwirken. In dieser Einschätzung waren sich etwa 120 Experten aus Rentenversicherung, Wissenschaft und Verbänden am .... ersten Tag der Jahrestagung des Forschungsnetzwerks Alterssicherung (FNA) ... einig.

Voraussetzung dafür ist - so die Forscher - dass die
Menschen gefördert und in den Arbeitsmarkt integriert werden.
Quelle: ihre Vorsorge, Bericht vom 29.01.2018

In einem völlig anderen Kontext hat Papst Franziskus seine Predigt zum Welttag der Flüchtlinge gehalten:
...
Es ist eine Einladung, unsere Ängste zu überwinden, um dem anderen entgegenzugehen, ihn anzunehmen, kennenzulernen und anzuerkennen. Es ist eine Einladung, die die Gelegenheit bietet, der Nächste des anderen zu werden, um zu sehen, wo und wie er lebt. In der Welt von heute bedeutet aufnehmen, kennenlernen und anerkennen für die Neuangekommenen, die Gesetze, die Kultur und die Traditionen der Aufnahmeländer kennenzulernen und zu achten. Dies bedeutet ebenso, ihre Ängste und Sorgen hinsichtlich der Zukunft zu verstehen. Für die örtlichen Gemeinschaften bedeutet aufnehmen, kennenlernen und anerkennen, sich ohne Vorurteile dem Reichtum der Verschiedenheit zu öffnen, die Möglichkeiten und Hoffnungen der Neuangekommen zu verstehen wie auch ihre Verletzlichkeit und ihre Furcht.

Die echte Begegnung mit dem anderen bleibt nicht bei der Aufnahme stehen, sondern verpflichtet uns auch zu den anderen drei Tätigkeiten, die ich in der Botschaft zum heutigen Tag hervorgehoben habe: schützen, fördern und integrieren.
(Quelle: Im Wortlaut: die Papstpredigt zum Welttag des Migranten und Flüchtlings - zum Nachlesen für diejenigen, die sich für "christlich" und "sozial" halten, aber nationalpopulistische Parolen von sich geben)

ich freue mich, dass es inzwischen fast überall Stimmen gibt, die sich mit nationalpopulistisch dumpfen, vermeintlich christlichen Strömungen kritisch auseinandersetzen - z.B. in Polen:
Kritik an Flüchtlingspolitik
„In Polen stirbt vor unseren Augen das Christentum“


Von Gerhard Gnauck | Stand: 25.01.2018 |

...„In Polen stirbt vor unseren Augen das Christentum.“ Feindschaft, Hass und nationale Ideologie seien „wie Gift“ in die Kirche eingedrungen.

Schlimmster Ausdruck dessen sei die verbreitete Mentalität der Abschottung und die von vielen Katholiken unterstützte rigide Flüchtlingspolitik der polnischen Regierung, kritisiert der 81 Jahre alte polnische Dominikaner Ludwik Wisniewski.
...
Es dürfe nicht länger sein, schreibt Wisniewski weiter, dass die Regierung ihre Weigerung, muslimische Flüchtlinge aufzunehmen, mit der „Verteidigung Polens und des Christentums“ rechtfertige. Die Regierung hatte sich Schritt für Schritt von der Zusage ihrer Vorgängerin verabschiedet, 7000 Flüchtlinge aus anderen EU-Ländern aufzunehmen...

Fast gleichzeitig mit Wisniewskis Appell verkündete Erzbischof Stanislaw Gadecki, dass die mehrheitliche Ablehnung einer Aufnahme von Flüchtlingen in der Bevölkerung für Christen überhaupt kein Argument sei. „Und selbst wenn 99 Prozent sagen, man dürfe sie nicht aufnehmen und ihnen nicht helfen, so richten wir uns trotzdem nicht danach.“

Das Streben des Staates nach Sicherheit sei wichtig, aber egoistisch; für die Kirche gelte: „Der Mensch steht an erster Stelle“. ...
Nicht nur in Polen - möchte man meinen - stirbt das Christentum vor unseren Augen.
"Die Staatsregierung lässt auf Biegen und Brechen Afghanen einsammeln"
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 18. Januar
kassiert aber Gott sei Dank auch reihenweise Niederlagen durch unabhängige Gerichte:
Gerichte kassieren fast die Hälfte der abgelehnten Asylbescheide
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 14. Januar


Kann es wirklich sein, dass Kirchen, Gewerkschafter und "linke Parteien" die einzigen sind, die in Deutschland noch ein christliches Politikverständnis vertreten?

Not kennt keine Obergrenze. Humanität darf daher auch keine Obergrenze haben. Gerade Deutschland, das mit politischer, ethnischer und religiöser Verfolgung ursächlich für ein großzügiges Asylrecht war, darf sich seiner geschichtlichen Verantwortung nicht entziehen.
Und wer innerhalb der EU Solidarität einfordert, darf diese Solidarität auch innerhalb der EU nicht verweigern. Und deshalb ist es falsch, die Aufnahmekosten der Flüchtlinge den Staaten an der EU-Aussengrenze, wie etwa Griechenland aufzubürden.

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