Dienstag, 8. November 2016

Erzieherinnen sind überwiegend zufrieden mit ihrer Arbeit, aber weniger mit dem Lohn

...meldet das DIW Berlin:

Den vollständigen Bericht gibt es hier: DIW Wochenbericht 43/2016. (Seite 1023 bis 1034)

Der Bericht unterstreicht, dass die Aufwertungskampagne SuE mit dem Tarifabschluss 2015, der leicht verspätet auch bei der Caritas angekommen ist, nicht beendet ist. Die Aufwertung im Sozial- und Erziehungsdienst muss ein nachhaltiges Projekt bleiben, an dem wir in den nächsten Jahren dran bleiben müssen.
Und die Erfolge werden um so größer sein, je besser es gelingt, auch diejenigen an den Kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen und Vergütungen zu beteiligen, die sich bislang gewissermassen nur im Abschreibungswesen (also als Kopisten des TVöD, etwa Kirchen und Caritas) an den Tariferfolgen beteiligt haben.
Insgesamt wird es uns als Beschäftigte generell nicht schaden, wenn wir uns auch an den politischen und tarifpolitischen Diskussionen beteiligen, die die Inhalte unserer Arbeit, die Arbeitsbedingungen und Vergütungen betreffen.


Die Pressemitteilung des DIW vom 26.10.2016:
Viele Erzieherinnen möchten ihre Arbeitszeit gerne erhöhen – Mehr Investitionen in die frühe Bildung könnten Belastung der Erzieherinnen senken und Anerkennung erhöhen
Erzieherinnen sind mit ihrer Arbeit zufriedener als Beschäftigte vieler anderer Berufsgruppen. Ihr Gehalt empfinden sie – im Vergleich zu einigen anderen Berufsgruppen – häufiger aber als nicht so angemessen. Das sind zentrale Ergebnisse einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) der Jahre 2008 bis 2014 basiert. Analysiert wurden nur Erzieherinnen, nicht aber Erzieher, weil Männer diesen Beruf selten ergreifen und die Fallzahl in der Stichprobenerhebung für aussagekräftige Analysen zu gering ist. Die Analysen zeigen, dass Erzieherinnen mit ihrer Arbeit ähnlich hohe Zufriedenheitswerte wie Grundschullehrerinnen erreichen und höhere Werte als Verwaltungsfachfrauen und andere erwerbstätige Frauen mit berufsqualifizierendem Abschluss. Obwohl sich Erzieherinnen insgesamt nicht überdurchschnittlich stark belastet fühlen und beispielsweise nicht häufiger über Zeitdruck klagen als andere Beschäftigte, macht ihnen die zunehmende Arbeitsintensität zu schaffen.
„Die Anforderungen für die Berufsgruppe der Erzieherinnen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen“, erklärt Studienautorin C. Katharina Spieß, Leiterin der Abteilung Bildung und Familie am DIW Berlin. „Kinder gehen früher in die Kita, verbringen dort mehr Zeit und haben vielfältigere Bedürfnisse. Bei vielen Erzieherinnen ist die Balance zwischen beruflicher Belohnung und Verausgabung zum Beispiel im Vergleich zu Grundschullehrerinnen nicht so ausgewogen“, so Spieß. Darüber hinaus wurden Analysen durchgeführt, die nach der Haushaltskonstellation der Erzieherinnen unterscheiden. Es zeigt sich, dass sich Erzieherinnen ohne eigene Kinder oft verausgabter und weniger wertgeschätzt fühlen als Erzieherinnen mit Kindern – auch dann, wenn diese alleinerziehend sind.
Mehrheit der Erzieherinnen möchte ihre Arbeitszeit verändern

Viele Erzieherinnen sind mit ihrer Arbeitszeit nicht zufrieden: 31 Prozent würden die Zahl ihrer Wochenstunden gerne erhöhen – mehr als in jeder anderen der untersuchten Berufsgruppen. Insbesondere wenn sie weniger als 21 Stunden pro Woche arbeiten, haben Erzieherinnen den Wunsch nach einer längeren Arbeitszeit: In dieser Gruppe ist der Anteil derer, die ihren Erwerbsumfang erhöhen möchten, mit 63 Prozent am größten. „Inwiefern der künftige Fachkräftebedarf über eine Arbeitszeiterhöhung bereits erwerbstätiger Erzieherinnen gedeckt werden kann, ist nicht klar“, so Studienautor Franz Westermaier. „Fakt ist aber, dass es zwischen den Arbeitszeitwünschen und den tatsächlichen Arbeitszeiten eine große Diskrepanz gibt.“
Mehr Investitionen in die frühe Bildung wären aus Sicht von Spieß und Westermaier in jedem Fall sinnvoll. Dabei sollten die subjektive Belastung und Zufriedenheit der Erzieherinnen künftig eine größere Rolle spielen. Ein Ansatzpunkt könnte auch ein höherer Fachkraft-Kind-Schlüssel sein, sodass Erzieherinnen für weniger Kinder gleichzeitig verantwortlich wären. „Wer sich zu stark belastet fühlt und zu wenig Anerkennung erfährt, kann häufig nicht seine optimale Arbeitsleistung abrufen“, so Spieß. Soll der Kinderbetreuungsbereich für Fachkräfte attraktiver werden, müsse sich das ändern. „Entsprechende Maßnahmen wären, sofern sie die Qualität der Kinderbetreuung verbessern, gut investiertes Geld, denn sie würden das Humanpotential der deutschen Wirtschaft stärken“, so Spieß.

Kommentare:

  1. So ein Quatsch: die Erzieherinnen wollen vor allem bessere Arbeitsbedingungen. Die Anforderungen werden immer höher (BEP, traumatisierte Flüchtlingskinder ...), aber eine vernünftige Verfügungszeit zur Dokumentation, Vor- und Nachbereitung, zu Gesprächen mit Eltern und Ämtern wird überall verweigert. Und im Gegenteil: die Qualität der Ausbildung(optiprax) nimmt ab! Aber für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen bringt Euch Gewerkschaftsfuzzis ja keine massenhaft höheren Beiträge, sondern allenfalls ein paar Mitglieder mehr. Also steht die Kohle bei Euch vorne drann, obwohl die Arbeitsbedingungen wichtiger wären.

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    1. Die auf empirischen Daten gründende Studie schon gelesen?

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