Mittwoch, 20. August 2014

Morgen tagt der Vermittlungsausschuss der AK-Bundeskommission

...in Fortsetzung des am 23. Juli 2014 in einem ersten Termin geführten Vermittlungsverfahrens. Über den weiten Weg eines möglichen Vermittlungsvorschlags bis zur Umsetzung in den Regionen informiert die akmas in einer kleinen Übersicht.

Eine nennenswerte Diskussion der aktuellen Situation findet - zumindest soweit man das öffentlich wahrnehmen kann - kaum statt. Und das Engagement auch der einfachen Form der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist quantitativ aktuell noch nicht sehr spektakulär.

Dabei sind die Möglichkeiten, Varianten und Alternativen relativ begrenzt:



  • die Mitarbeiterseite hat Forderungen, die gegenüber dem TVöD-Abschluß vom April 2014 etwas höher liegen, würde sich aber vermutlich mit einer eins-zu-eins-Übernahme des TVöD-Abschlusses begnügen, wenn er mit Perspektiven verbunden sind, die auch für die Region Ost positiv sind...
  • die Erwartungen der Dienstgeberseite haben wir vorgestern dargestellt: die prozentualen Erhöhungen sind eventuell verhandelbar, nicht aber der Sockelbetrag und es steht die Forderung, dass in der Altenpflege die ungelernten Kräfte nicht an dem teilhaben sollen, was den andern gewährt werden soll
Vom Niveau her gibt es auf diesem Hintergrund 3 Möglichkeiten: 
  1. die Tarifrunde der AK wird besser als die des TVöD, 
  2. die Tarifrunde der AK orientiert sich eins-zu-eins am TVöD, 
  3. die Tarifrunde der AK lässt gegenüber TVöD-Abschluß Federn  (mit 2 Untervarianten: dauerhaft durch Veränderung der Tabellen oder vorübergehend durch verspätete Übernahme der Erhöhungen ohne Kompensation)
Die erste Möglichkeit ist schwer zu vermitteln: schon der langjährige Vorsitzende der AK, Dompropst Feldhoff hielt es für "fatal, wenn die wenigen, die einen Arbeitsplatz bei der Kirche haben, aus den Kirchensteuermitteln zusätzliches Geld bekommen" (Feldhoff, Dienst in der Kirche, S. 115). Auch im Bereich der Caritas dürfte eine Besserstellung aus Caritasmitteln problematisch sein.
Möglichkeit zwei, die eins-zu-eins-Orientierung am TVöD ist die bewährte Lösung, die in der Vergangenheit von beiden Seiten der AK immer wieder auch als Erfolgsmerkmal der AK-Caritas gewertet wurde: die Vergleichbarkeit mit den Vergütungen im öffentlichen Dienst (und übrigens auch weiten Teilen des verfaßten Bereichs der katholischen Kirche!). Das könnte man übrigens auch ohne AK und 3. Weg haben - der öffentliche Dienst kriegt das mit ganz ordinären Tarifverträgen hin!
Die dritte Möglichkeit, gewissermassen der 3. Weg, wäre die Variante, dass der Caritasbereich gegenüber dem TVöD nach unten abschmiert. Begründungsbedürftig wäre dann die Frage, warum Caritasbeschäftigte bei gleicher Tätigkeit weniger verdienen als Kolleginnen und Kollegen im öD.

Unübersichtlich wird die tarifliche Situation der Caritas aber weiter dadurch, dass neben diesen Möglichkeiten der Orientierung am allgemeinen Niveau des TVöD auch die Möglichkeit besteht - wie es die Dienstgeberseite vehement fordert - die interne Vergütungsstruktur der AVR Caritas zu verändern, nämlich den Abstand zwischen den oberen Vergütungen  und den unteren Vergütungen - natürlich aus hehren, marktfrommen Motiven - gegenüber dem öffentlichen Dienst zu vergrößern. 
Tarifentwicklung auf Kosten und auf dem Rücken der unteren Vergütungsgruppen und schwacher Regionen?


Vermittlungsvorschläge sind selten geeignet, alle Parteien zufrieden zu stellen. Gespannt sein darf man dennoch. So oder so, wird der Vermittlungsausschuss nicht daran vorbeikommen, die Weichen grundsätzlich zu stellen. 

Und welchen Vorlagen in der AK letztendlich zugestimmt wird, ist manchmal doch nur eine Frage der Begründungskunst auf beiden Seiten - alles ist möglich...


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Noch ein kleiner Exkurs: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit hat sich vor einem Jahr in einem IAB-Kurzbericht ausführlicher mit dem Thema:
Deutsche Geringverdiener im europäischen Vergleich
auseinandergesetzt. Angesichts der aktuellen Dienstgeber-Positionen lohnt sich ein Blick in das weiterhin aktuelle Papier (die kursiven Texte sind dem zusammenfassenden Text auf der ersten Seite des genannten Kurzberichtes entnommen):

  • "Länderübergreifend sind Frauen, jüngere sowie gering qualifizierte oder befristet Beschäftigte und Ausländer unter den Geringverdienern überrepräsentiert."
    Von den 590401 beruflichen Mitarbeiter(innen) der Caritas sind 81,5 % Frauen!

  • "Tendenziell sind Niedriglöhne in Ländern mit hoher Tarifabdeckung weniger verbreitet als in solchen mit stark dezentralisierter Lohnfindung"
    Caritas: keine Tarifverträge + Regionalisierung!

  • "Deutschland ist neben einem längerfristigen Trend zu mehr Lohnungleichheit durch einen zuletzt robusten Beschäftigungsaufschwung gekennzeichnet. Im Ländervergleich ergeben sich jedoch keine Hinweise auf Zusammenhänge zwischen Arbeitslosen- bzw. Erwerbstätigenquoten einerseits und dem Ausmaß der Lohnungleichheit andererseits."
    Für die Hoffnung, eine positive Entwicklung des Arbeitsmarkts würde den wachsenden Lohnspreizungen entgegenwirken, gibt es keine Grundlage!

Kommentare:

  1. "Morgen" war am 21. August - vor fünf Tagen. Aus dem beredeten Schweigen ist wohl zu schließen, dass es kein Ergebnis gab ....

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  2. Genau die Frage habe ich mir auch gestellt.
    Wir warten auf weitere Infos Herr Sczepanski.

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    1. Liebe/r Anonym,

      Sie dürfen mich gerne ansprechen - allerdings vor allem bei Artikeln, die von mir auch namentlich gezeichnet sind.
      Und was das Ergebnis (oder auch nicht) des Vermittlungsausschusses betrifft, warte ich bisher auch auf weitere Infos.

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