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Mittwoch, 22. September 2021

„Solidarisch aus der Krise kommen – Impulse aus dem Denken von Oswald von Nell-Breuning“ - Veranstaltung in Frankfurt/Main mit Kardinal Marx und Prof. Hockerts

Am 29. September befasst sich eine Veranstaltung des Frankfurter Haus am Dom anläßlich des 30. Todestags von Oswald von Nell-Breuning unter dem Titel „Solidarisch aus der Krise kommen – Impulse aus dem Denken von Oswald von Nell-Breuning“ mit der Frage, welche Anregungen seine Gedanken angesichts der aktuellen Covid-19-Krise noch geben können. 

Am 21. August 1991 verstarb im Alter von 101 Jahren Pater Oswald von Nell-Breuning – in Gesellschaft und Politik sowie zuletzt auch in der Kirche als „Nestor der Katholischen Soziallehre“ hoch angesehen. Sein Verständnis der Soziallehre bezeichnete er im Anschluss an den Jesuitenpater Heinrich Pesch (1854 – 1926) als „Solidarismus“.

In der Covid 19-Krise ist viel von Solidarität die Rede. Die starken Verteilungswirkungen, die in der Krise bereits zu Tage getreten sind und die ihre Bewältigung auf jeden Fall noch haben wird, verdeutlichen, wie wichtig es ist, dass „die Politik“ eine solidarische Antwort auf die Krise findet.

Anlass genug, im Werk des „Solidaristen“ Pater von Nell-Breuning nach Impulsen für aktuelle gesellschaftspolitische Debatten zu fragen!

Dr. Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising und Kardinal, Sozialethiker und eine der wichtigsten sozialen Stimmen der Katholischen Kirche in der Gegenwart, wird im Werk Oswald von Nell-Breunings nach Anregungen für den Weg aus der Covid 19-Krise suchen. Auf seine Ausführungen antwortet Prof. Dr. Hans Günter Hockerts, prägender Denker der Geschichte der Sozialpolitik und intimer Kenner des Werks von Oswald von Nell-Breuning.

Der Abendvortrag wird über Youtube gestreamt und findet – abhängig von der Pandemieentwicklung – auch in Präsenz statt.

Donnerstag, 29. Oktober 2015

„Ach, wenn ich doch heute einen Nell‐Breuning hätte, den ich um Rat fragen könnte.“

„Ach, wenn ich doch heute einen Nell‐Breuning hätte, den ich um Rat fragen könnte.“ Sozialpolitik und Christliche Sozialethik zu Nell‐Breunings Zeiten und heute
... ist der Titel eines Fachgesprächs, welches vom Oswald-von-Nell-Breuning-Institut am 11. November 2015 veranstaltet wird.

Der Seufzer ist uns durchaus vertraut (sehr vertraut!), weil auch wir immer wieder Nell-Breunings Position gegenüber dem kirchlichen Sonderarbeitsrecht, die sehr grundsätzlich sozialethisch begründet und von der katholischen Soziallehre hergeleitet war, in den aktuellen Debatten vermissen.

Sonntag, 8. März 2015

Oswald von Nell-Breuning zum 3. Weg der Kirchen

Zum heutigen 125. Geburtstag von Oswald von Nell-Breuning SJ tragen wir heute einige Zitate zusammen, die zeigen, wie aktuelle seine kritische Einschätzung des arbeitsrechtlichen Sonderwegs der Kirchen war und ist.

"Keine noch so idealen Vorstellungen von Dienstgemeinschaft vermögen es zu rechtfertigen, Menschen, die nichts weiter wollen als rechtschaffenen Broterwerb und gutes Fortkommen im Leben, ein religiös bestimmtes Dienstverhältnis aufzunötigen, das mehr Opfer und Verzichte abverlangt und weniger Freiheit und rechtliche Absicherung gewährt als ein Arbeitsverhältnis beim Staat oder in der Wirtschaft."

Samstag, 28. März 2015

Einheit hat Zukunft

In den Turbulenzen um die Tarifauseinandersetzungen
- bei den Ländern (TV-L), die sich wegen der Attacken auf die Zusatzversorgung auch dort auf kirchliche Beschäftigte auswirken, wo der TVöD von Bund und Kommunen (und nicht der TV-L) die Bezugsgrundlage der eigenen Regelungen ist,
- und um den Sozial- und Erziehungsdienst, die sich zumindest mittelbar auf die Beschäftigten bei Caritas- und Kirche auswirken (wenn nicht gar, wie bei den bayerischen Pfarrkindergärten, über die "Vergütungsautomatik" eine unmittelbare Auswirkung besteht)
ist es fast untergegangen.
Höchste Zeit also, zu Beginn der Karwoche 2015 darauf hinzuweisen:

Einheit hat Zukunft

Freitag, 21. August 2015

Oswald von Nell-Breuning zum 3. Weg der Kirchen

Der heutige 24. Todestag von Oswald von Nell-Breuning SJ ist für uns Anlaß, mal wieder an einige Zitate zu errinnern, die Pater Nell-Breunings kritische Einschätzung des arbeitsrechtlichen Sonderwegs der Kirchen dokumentieren:

"Keine noch so idealen Vorstellungen von Dienstgemeinschaft vermögen es zu rechtfertigen, Menschen, die nichts weiter wollen als rechtschaffenen Broterwerb und gutes Fortkommen im Leben, ein religiös bestimmtes Dienstverhältnis aufzunötigen, das mehr Opfer und Verzichte abverlangt und weniger Freiheit und rechtliche Absicherung gewährt als ein Arbeitsverhältnis beim Staat oder in der Wirtschaft."

Sonntag, 21. August 2016

Oswald von Nell-Breuning zum 3. Weg der Kirchen

Der heutige 25. Todestag von Oswald von Nell-Breuning SJ ist für uns Anlaß, mal wieder an einige Zitate zu errinnern, die Pater Nell-Breunings kritische Einschätzung des arbeitsrechtlichen Sonderwegs der Kirchen dokumentieren:

"Keine noch so idealen Vorstellungen von Dienstgemeinschaft vermögen es zu rechtfertigen, Menschen, die nichts weiter wollen als rechtschaffenen Broterwerb und gutes Fortkommen im Leben, ein religiös bestimmtes Dienstverhältnis aufzunötigen, das mehr Opfer und Verzichte abverlangt und weniger Freiheit und rechtliche Absicherung gewährt als ein Arbeitsverhältnis beim Staat oder in der Wirtschaft."

Oswald von Nell-Breuning, Kirchliche Dienstgemeinschaft, Stimmen der Zeit 1977, S. 707

"Die Kirchen sind nicht wie die Unternehmer von Haus aus Arbeitgeber; sie sind vielmehr erst durch die Entwicklung der neueren und neuesten Zeit in diese ihnen an sich fremde Rolle hineingewachsen, ohne sich bis jetzt dieser Tatsache mit allen sich daraus ergebenden Folgewirkungen voll bewusst geworden zu sein. Daraus erklärt sich das Suchen nach dem vermeintlichen „dritten Weg“. Diesen „dritten Weg“ werden sie nicht finden; den „dritten Weg“ gibt es nicht."
[Schlußabsatz von: Arbeitnehmer in kirchlichem Dienst*, aus: Klute/Segbers (Hrsg): Gute Arbeit verlangt ihren gerechten Lohn, *Erstveröffentlichung in: Arbeit und Recht. Zeitschrift für Arbeitsrechtspraxis. Heft 11, Januar 1979.]

"Gelänge es der Kirche (den Kirchen), sich zu den Entschluss durchzuringen, auch für ihre Anstalten und Einrichtungen sich des Tarifvertrags als einer vom staatlichen Recht dargebotenen Möglichkeit "zur Wahrung und Förderung der Arbeitsbedingungen" zu bedienen, dann würde(n) sie nach meiner festen Überzeugung nicht nur sich nicht das Allergeringste vergeben, sondern dürfte(n) sich davon einen hohen Gewinn an Ansehen und Vertrauen in breiten Kreisen der Arbeitnehmerschaft versprechen. - Die Unternehmerschaft hat lange gebraucht, um die hohen Vorzüge unseres Tarifvertragssystems zu begreifen, die selbstverständlich auch ihren Preis kosten. Mein dringender Wunsch ist, dass auch bei den Kirchen diese Einsicht sich bald siegreich durchsetzt."

(aus: Oswald von Nell-Breuning SJ, Kirche(n) als Arbeitgeber, Erstveröffentlichung in ötv-magazin 3/1980, S. 33-35, hier zitiert nach Klute/Segbers (Hrsg.) Gute Arbeit verlangt ihren gerechten Lohn, S. 147)

Dienstag, 8. März 2022

Geburtstag Oswald von Nell-Breuning 8. März1890 - Abbau kirchlicher Sonderrechte im Arbeitsrecht - Internationaler Weltfrauentag und KiTA-Streiks

Den Abbau hat schon Nell-Breuning gefordert. Leider ist - außer der nur verbalen Aufforderung aus der Würzburger Synode, bei den Gewerkschaften mit zu tun - nichts aus diesen Forderungen von Nell-Breuning geworden. Das "Bekenntnis zum Gewerkschaftsprinzip", das die kirchlichen Sozialenzykliken kennzeichnet, hat es nicht über die Alpen hinweg zu den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geschafft. Dort ist dagegen vielfach angekommen, dass ein Gewerkschafsbeitritt zur Kündigung führen könnte. Muss die fehlende innerkirchliche Bereitschaft und die Stärke der Beharrungskräfte in der Kirche nun doch "von draussen gekippt" werden?
Beteiligung der Gewerkschaften an Verhandlungen gefordert
Ver.di will umfassenden Abbau kirchlicher Sonderrechte im Arbeitsrecht

Die Ampelkoalition will das kirchliche Arbeitsrecht dem staatlichen angleichen – doch am Tisch soll neben der Politik nur die Kirche setzen. Der Kirchenfachrat der Gewerkschaft ver.di fordert eine Beteiligung auch der Arbeitnehmer – und grundlegende Reformen.
beschreibt nun katholisch.de die Situation - und verkennt, dass der Kirchenfachrat von ver.di hier nur die innerkirchlichen Anforderungen aufgreift, die sich beispielsweise schon in Nr. 97 ff der päpstlichen Enzyklika "Mater et magistra" (1961) finden. Und "katholisch.de" verkennt auch, dass der Kirchenfachrat von kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gebildet wird. Das ist keine "externe Kampforganisation", die da zum Dialog mit den eigenen, solidarisch gewerkschaftlich organisierten Beschäftigen auffordert.
Ist es peinlich, dass selbst katholische Medien diesen Zusammenhang nicht erkennen - oder ist das die Folge eines jahrzehntelangen Geschwurbels um die historisch schwer belastete "Dienstgemeinschaft"? Anderswo nennt man dieses Geschwurbel auch "Hirnwäsche" und wirft es autokratischen Systemen als undemokratisch vor.

Btw.: Katechismus und Sozialenzykliken bestätigen ausdrücklich das Streikrecht. Am heutigen Internationalen Weltfrauentag müssen sich Eltern von Kindergartenkindern bundesweit (nicht nur in Bayern oder Niedersachsen und NRW) auf geschlossene Kitas einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat in den laufenden Tarifverhandlungen zu Warnstreiks aufgerufen. Sie fordert unter anderem höhere Löhne, mehr Anerkennung und Maßnahmen gegen Fachkräftemangel.
Quellen u.a.:
Bayerischer Rundfunk / br24 - Gewerkschaftsforum.de - NDR - RP Online - Sachsen Fernsehen online - Süddeutsche Zeitung -

Die tun was und nehmen ihr Schicksal solidarisch selbst in die Hand. Gut so - ganz im Sinne des Oswald von Nell-Breuning ...

Samstag, 15. Februar 2014

Den "dritten Weg" gibt es nicht! (Oswald von Nell-Breuning SJ, vor 35 Jahren)

"Die Kirchen sind nicht wie die Unternehmer von Haus aus Arbeitgeber; sie sind vielmehr erst durch die Entwicklung der neueren und neuesten Zeit in diese ihnen an sich fremde Rolle hineingewachsen, ohne sich bis jetzt dieser Tatsache mit allen sich daraus ergebenden Folgewirkungen voll bewusst geworden zu sein. Daraus erklärt sich das Suchen nach dem vermeintlichen „dritten Weg“. Diesen „dritten Weg“ werden sie nicht finden; den „dritten Weg“ gibt es nicht."

Montag, 31. Oktober 2022

Oswald von Nell-Breuning weiterdenken: zum kirchlichen Arbeitsrecht

Im Anschluß an eine Fachtagung in der Hochschule Sankt Georgen aus Anlass des 30. Todestages von Oswald von Nell-Breuning hat sich ein Themenband "Oswald von Nell-Breuning weiterdenken. Solidarische Perspektiven für das 21. Jahrhundert" mit Anregungen aus seinem Denken befasst.

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich und auch im Internet als OpenAccess zugänglich: https://doi.org/10.5771/9783748932420

Zwei Beiträge befassen sich auf dem Hintergrund von Nell-Breunings sehr kritische Position zum kirchlichen Arbeitsrecht aus sehr unterschiedlichen Positionen mit dem kirchlichen Arbeitsrecht und dem "Dritten Weg"

  • Thomas Schüller: Nell-Breunings bleibende Impulse für eine grundlegende Überarbeitung des kirchlichen Arbeitsrechts
  • Stefan Greiner: Kirchliches Arbeitsrecht: Anfragen an den "Dritten Weg"

Die beiden Beiträge beschreiben gut das Spektrum, das man aktuell wahrnehmen kann, von der Erinnerung an die sehr grundlegende Kritik Nell-Breunings am kirchlichen Sonderarbeitsrecht und seine Aktualität (Thomas Schüller) bis zu den aktuellen Versuchen, das kirchliche Sonderarbeitsrecht zu retten (Stefan Greiner). 


Donnerstag, 1. Januar 2015

Ein gutes neues Jahr

wünschen wir allen unseren Lesern!

Und den Blog lassen wir das Jahr mit einem programmatischen Zitat von Oswald von Nell-Breuning beginnen:
Gelänge es der Kirche (den Kirchen), sich zu den Entschluss durchzuringen, auch für ihre Anstalten und Einrichtungen sich des Tarifvertrags als einer vom staatlichen Recht dargebotenen Möglichkeit "zur Wahrung und Förderung der Arbeitsbedingungen" zu bedienen, dann würde(n) sie nach meiner festen Überzeugung nicht nur sich nicht das Allergeringste vergeben, sondern dürfte(n) sich davon einen hohen Gewinn an Ansehen und Vertrauen in breiten Kreisen der Arbeitnehmerschaft versprechen. - Die Unternehmerschaft hat lange gebraucht, um die hohen Vorzüge unseres Tarifvertragssystems zu begreifen, die selbstverständlich auch ihren Preis kosten. Mein dringender Wunsch ist, dass auch bei den Kirchen diese Einsicht sich bald siegreich durchsetzt.

Montag, 7. Dezember 2015

Schlußtext der Bischofssynode zum "Subsidiaritätsprinzip"

Unter Punkt 8 des Schlussdokuments der Bischofssynode lesen wir unter der Überschrift "Empfehlungen":

Es wird eine Studie zur Klärung der Frage empfohlen, ob das für den Bereich der menschlichen Gesellschaft gültige Subsidiaritätsprinzip auch im Bereich der Kirche angewandt werden kann und - wenn ja - bis zu welchem Grade und in welchem Sinne seine Anwendung möglich bzw. nötig sei (vgl. Pius XII. AAS 38, 1946, S. 144).

Freitag, 13. Februar 2015

Kirchliche Arbeitgeber, die ohne triftigen Grund...

...ihren Arbeitnehmern unsichere Arbeitsverträge zumuten, verstoßen "nicht nur gegen das Recht des Arbeitnehmers und seiner Familien auf Sicherheit", sondern sie beteiligen sich "auch noch an der Vermehrung von Armut in ihrer Gesellschaft". 


Sonntag, 15. Februar 2015

Zum 125. Geburtstag von Oswald von Nell-Breuning...

...veranstaltet das Oswald von Nell-Breuning Institut im Haus am Dom in Frankfurt eine Zukunftswerkstatt, die sich dem Thema:

 Solidarität neu denken

widmet.

7. März 2015, 09:00h-17:00h  im Haus am Dom, Frankfurt a.M.
Ausgewiesene Experten, wie Friedhelm Hengsbach SJ, Matthias Möhring-Hesse, Ilona Ostner und Wolfgang Schroeder aus unterschiedlichen Denkwerkstätten präsentieren ihre Vorstellungen und politischen Handlungsvorschläge für eine solidarische Gesellschaft als Alternative zu wirtschaftsliberalen Leitbildern und Strategien.
heißt es in der Ankündigung. 

siehe: www.sankt-georgen.de (weitere Hinweise, Kosten, Anmeldung)

Sonntag, 7. April 2013

Wir trauern um Ottmar Schreiner

Ottmar Schreiner ist gestern im Alter von 67 Jahren gestorben.

Der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete hat sich als einer der wenigen sachkundigen Politiker auch intensiv an der Debatte um den 3. Weg beteiligt. Als katholischer Sozialdemokrat waren ihm die programmatischen Hintergründe seiner Partei sowohl in der Gewerkschaftsbewegung wie auch in der katholischen Soziallehre deutlich. Lange Jahre stand er an der Spitze der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen.

In Eichstätt konnte man ihn vor einem Jahr mit großem Vergnügen die (wahre) Anekdote vortragen hören:
...der von mir hochgeschätzte Prof. Dr. Oswald von Nell-Breuning sagte vor vielen Jahren einmal in Anwesenheit des daraufhin hochentsetzten Norbert Blüm "Das Godesberger Programm der SPD ist die Kurzfassung der katholischen Soziallehre."
Ottmar Schreiner war einer der wenigen Politiker, der nicht nur namentlich, sondern auch in der Substanz sich auf die wichtigen Beiträge von Oswald von Nell-Breuning und der von ihm geprägten katholischen Soziallehre zur Sozialkultur unserer Republik bezogen hat.

Daß er in seinen Diskussionsbeiträgen als Sozialdemokrat Kardinäle, Jesuiten und Päpste zitiert hat, während die Kirchenvertreter bevorzugt sich auf Juristen und Gerichte beziehen, gehört zu den Seltsamkeiten einer Diskussion, in der uns die Stimme von Ottmar Schreiner fehlen wird. In Gesprächen zwischen Christen, Gewerkschaften und SPD war er derjenige, der Gemeinsames zu betonen wußte.

Ottmar Schreiners Referat am 5. März 2012 auf der Eichstätter Fachtagung zum kirchlichen Arbeitsrecht
Das kirchliche Arbeitsrecht in der politischen Bewertung endet mit:
Wer den Kirchen gut will, der kann ihnen nur anraten, einen das eigene Selbstverständnis bedrohenden Dauerkonflikt mit erheblichen Teilen der eigenen Belegschaften und ihrer Vertretungen abzuwenden. Das heißt dann aber auch, der in Sonntagsreden immer wieder betonten Bedeutung von Gewerkschaften auch praktische Konsequenzen folgen zu lassen. Warum sollte all dies sich um Himmels Willen nicht mit einer christlich inspirierten Unternehmenskultur vertragen können? Eine letzte Stimme sei noch zitiert: „Die modernen Gewerkschaften sind aus dem Kampf der Arbeitnehmer, der Arbeiterschaft und vor allem der Industriearbeiter, für den Schutz ihrer legitimen Rechte gegenüber den Unternehmern und den Besitzern der Produktionsmittel entstanden. Ihre Aufgabe ist die Verteidigung der existentiellen Interessen der Arbeitnehmer in allen Bereichen, wo ihre Rechte berührt werden. Die historische Erfahrung lehrt, dass Organisationen dieser Art ein unentbehrliches Element des sozialen Lebensdarstellen. Das bedeutet freilich nicht, dass nur Industriearbeiter Vereinigungen dieser Art errichten können. Die Angehörigen aller Berufe können sich ihrer zur Sicherung der jeweiligen Rechte bedienen“. (Papst Johannes Paul II.: Enzyklika Laborem Exercens; 1981)
Wir trauern um einen geradlinigen Katholiken und Sozialdemokraten und einen überaus kompetenten und geschätzten Diskussionspartner.

Samstag, 14. Juli 2012

Kommentierte Liste - Materialien zu den Themen "Dritter Weg" und "TV Soziales"



11.7.2012
Studie der Hans-Boeckler-Stiftung: 
Diakonie: Arbeitsbedingungen durch Ausgliederungen, Leiharbeit und zersplitterte Tariflandschaft unter Druck.  Pressemitteilung
Titel der Arbeit: Heinz-Jürgen Dahme, Gertrud Kühnlein, Anna Stefaniak, Norbert Wohlfahrt: Leiharbeit und Ausgliederung in diakonischen Sozialunternehmen: Der "Dritte Weg" zwischen normativem Anspruch und sozialwirtschaftlicher Realität. Juli 2012  Link zum Abschlußbericht

2011
Friedhelm Hengsbach, Der 3. Weg - eine endliche Geschichte ohne Restrisiko


Juli 2009
Sell, S. (2009): Das Kreuz mit der Pflege. Konfessionelle Träger von Pflegeheimen als Getriebene und Treiber in Zeiten einer fortschreitenden Ökonomisierung des Pflegesektors (= Remagener Beiträge zur Sozialpolitik 06-2009), Remagen, 2009PDF-Datei

Juni 2004
Sozialethischer Zwischenruf - Plädoyer für Tarifverträge bei Diakonie und Caritas
Getragen wird der Aufruf von namhaften evangelischen und katholischen Sozialethikern.

2001
Jürgen Kühling, Arbeitskampf in der Diakonie
Vorzügliches Gutachten, in dem Kühling als Verfassungsrechtler überraschend theologisch argumentiert und zur Sache kommt.

1979 und 1980
Die besten Text zum Dritten Weg, nämlich die  Artikel von 
Oswald von Nell-Breuning SJ, Arbeitnehmer im kirchlichen Dienst (1979) 
und 
Oswald von Nell-Breuning SJ, Kirche(n) als Arbeitgeber (1980) 
sind leider online nicht verfügbar. Zu finden sind sie aber z.B. in dem vorzüglichen Buch 
Jürgen Klute/Franz Segbers (Hrsg.),  Gute Arbeit verlangt ihren gerechten Lohn. Tarifverträge für die Kirchen
(...das aber leider auch nur noch gebraucht erhältlich ist.)

Sonntag, 11. November 2012

Die Kirche als Arbeitgeber - ist der sogenannte dritte Weg ein Irrweg?

...zu diesem Thema findet am 13. November, 18:00 Uhr eine Veranstaltung im Vogtshof in Hachenburg statt, die gemeinsam vom Forum für soziale Gerechtigkeit und Ver.di getragen wird.
Neben Ver.di sind Dienstgebervertreter und Dienstnehmervertreter aus Diakonie und Caritas an der Veranstaltung beteiligt.
Siehe: Veranstaltungskalender Weserkurier und WW-Kurier: Die Kirche als Arbeitgeber im Fokus

Nachtrag 16.11.2012: die Veranstaltung hat inzwischen stattgefunden, den Bericht gibt es hier


Zum selben Thema bereits 1980 Nell-Breuning SJ:
"Gelänge es der Kirche (den Kirchen), sich zu dem Entschluss durchzuringen, auch für ihre Anstalten und Einrichtungen sich des Tarifvertrgs als einer vom staatlichen Recht dargebotenen Möglichkeit "zur Wahrung und Förderung ihrer Arbeitsbedingungen" zu bedienen, dann würde(n) sie nach meiner festen Überzeugung nicht nur sich nicht das Allergeringste vergeben, sondern dürfte(n) sich davon einen hohen Gewinn an Ansehen und Vertrauen in breiten Kreisen der Arbeitnehmerschaft versprechen. - Die Unternehmerschaft hat lange gebraucht, um die hohen Vorzüge unseres Tarifvertrassystem zu begreifen, die selbstverständlich auch ihren Preis kosten. Mein dringender Wunsch ist, dass auch bei den Kirchen diese Einsicht sich bald siegreich durchsetzt."
(Oswald von Nell-Breuning SJ, Kirche(n) als Arbeitgeber (1980))

Also: eindeutig ja.

Dienstag, 5. August 2014

Zitat des Tages: Oswald von Nell-Breuning über "Kirchliche Dienstgemeinschaft"

"Keine noch so idealen Vorstellungen von Dienstgemeinschaft vermögen es zu rechtfertigen, Menschen, die nichts weiter wollen als rechtschaffenden Broterwerb und gutes Fortkommen im Leben, ein religiös bestimmtes Dienstverhältnis aufzunötigen, das mehr Opfer und Verzichte abverlang und weniger Freiheit und rechtliche Absicherung gewährt als ein Arbeitsverhältis beim Staat oder in der Wirtschaft."

Oswald von Nell-Breuning, Kirchliche Dienstgemeinschaft, Stimmen der Zeit 1977, S. 707


Montag, 7. März 2016

Mitbestimmungsjahr 2016 (Heute Ausstellungseröffnung mit Kardinal Reinhard Marx)

Die Wanderausstellung „Vom Wert der Mitbestimmung“ der Hans-Böckler-Stiftung wird heute in Berlin eröffnet und öffentlich präsentiert. Festredner ist Kardinal Reinhard Marx.

Die Wanderausstellung „Vom Wert der Mitbestimmung“ der Hans- Böckler-Stiftung zeigt anhand von mehr als 20 historischen Stationen, wie die Mitbestimmung zum zentralen demokratischen Gestaltungselement der sozialen Marktwirtschaft wurde. Frei gewählte Betriebsräte ebneten den Weg für den Wiederaufbau der Demokratie. In den Gründerjahren der Bundesrepublik erkämpften die Gewerkschaften die betriebliche Mitbestimmung. In den 1970er Jahren gelang es, gesetzliche Mitbestimmungsrechte weiter auszubauen.
Vor 40 Jahren, am 1. Juli 1976, trat das Mitbestimmungsgesetz in Kraft, das VertreterInnen der Beschäftigten eine paritätische Beteiligung im Aufsichtsrat großer Kapitalgesellschaften garantiert. Die Mitbestimmung hierzulande war entscheidend bei der Bewältigung von Wirtschaftskrisen und Strukturwandel. Neue Herausforderungen an die Mitbestimmung sind in der globalisierten und zunehmend digitalen Wirtschaft im 21. Jahrhundert entstanden, in der Unternehmen versuchen, sich durch Lücken in der nationalen und europäischen Gesetzgebung der Mitbestimmung zu entziehen. Erstmals öffentlich präsentiert wird die Ausstellung am 7. März in Berlin, Festredner ist Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Vom 9. bis 19. März ist die Wanderausstellung im Willy-Brandt-Haus der SPD in Berlin zu sehen (Stresemannstraße 28,dienstags bis sonntags, 12 bis 18 Uhr). www.boeckler.de/6273

Quelle: Einblick 4/2016

Morgen ist übrigens Oswald von Nell-Breunings 126. Geburtstag.
Aus diesem Anlaß wiederholen wir mal wieder seine Mahnung:

Dienstag, 4. November 2014

"Flächentarife sind Planwirtschaft"

So wird Bernd Meurer, der Chef des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) in der Ausgabe 11/2014 von Wohlfahrt Intern zitiert. "Im Interview", so heißt es weiter, erklärt er, "dass er in solchen gewerkschaftlichen Vereinbarungen einen Ausdruck von Planwirtschaft statt von Gerechtigkeit sieht."

Manchmal kann man nur noch mit dem Kopf schütteln, wer in der "Sozialbranche" alles aktiv ist. Wer den Unterschied zwischen einem "Tarifvertrag zwischen gleichberechtigten Vertragspartnern auf Augenhöhe" und "staatlich angeordneter Planwirtschaft" nicht kennt, stellt sich schon fachlich selbst ein miserables Zeugnis aus.

Samstag, 22. Januar 2022

Caritaspräsidentin für Reform des kirchlichen Arbeitsrechts (?)

ohne Fragezeichen berichtet das katholisch.de und zitiert Welskop-Deffaa:
"Der grundsätzliche Ausschluss des Streikrechts in der Grundordnung könnte die Frage aufwerfen, ob sich hier nicht der gleiche Geist ausdrückt, der auch die Missbrauchsfälle so bedrückend macht"
Liebe Eva-Maria: der "grundsätzliche Aussschluss des Streikrechs" ist höchstrichterlich längst als obsolet und rechtswidrig erkannt. Mit der gnadenhalber erfolgten Einräumung eines solchen Rechts wird heute keine Gewerkschaft mehr geködert - mit Ausnahme vielleicht von christlichen Gewerkschaften, die bekanntlich gegenüber den Arbeitgebern besonders christlich sind.

Nachtrag:
Bernhard Emunds, Wirtschaftsethiker im Nell-Breuning-Institut, Theologe, Ökonom und "synodaler Weggefährte" bezeichnet die Aussage von Welskop-Defaa in einem Tweet als
Schönes Signal von @NYwelskop:
und führt dazu aus:
Es ist dringend geboten, dass endlich Bewegung ins kollektive Arbeitsrecht der Kirchen kommt!
Auch Stefan Sell greift auf Twitter die Nachricht auf - allerdings ohne Bewertung. Dafür sind die Reaktionen nicht uninteressant.

Soweit sich Protestanten zum "Dritten Weg" äussern, sei das unbenommen. Für Katholiken gilt die Treue zum päpstlichen Lehramt und der Katechismus, der das Streikrecht ausdrücklich legitimiert. Und für die Ökonomen katholischer Einrichtungen die im universellen Kirchenrecht (CIC) enthaltene Verpflichtung, die päpstlichen Sozialenzykliken genauestens zu beachten. Damit sind wir beim Gewerkschaftsprinzip und dem Tarifvertrag (Mater et magistra), nicht aber bei irgendwelchen protestantisch häretischen Sonderwegen ("Dienstgemeinschaft") der Deutschen katholischen Kirche.