Donnerstag, 28. November 2019

kritische Begleitung des Synodalen Wegs

In einer gemeinsamen Erklärung haben sich 13 Pressesprecher von katholischen Bistümern und Institutionen für eine „kritische Begleitung“ des Synodalen Wegs durch die Medien ausgesprochen.
„In der Analyse und im Dialog werden die Medien eine wichtige Rolle spielen, auch was die Transparenz des Synodalen Wegs angeht“, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Erklärung. Die deutschen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wollen mit der Initiative nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Schwerpunktthemen des zunächst auf zwei Jahre angelegten Synodalen Wegs sind die Sexualmoral, die priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen in der Kirche.
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Die katholische Kirche habe sich vorgenommen, „die Wirklichkeit genau zu analysieren und den Dialog zu führen“.
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Unterzeichnet ist die Erklärung von den Sprechern der Erzbistümer Bamberg, Berlin, Freiburg und München-Freising sowie der Bistümer Aachen, Essen, Limburg, Münster, Rottenburg-Stuttgart, Speyer und Würzburg. Weitere Unterzeichner sind die Sprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und des Hilfswerks Adveniat.

Auch unser Blog ist ein Medium, das sich wohl immer wieder dem Prozess widmen wird - wie bisher auch; schließlich haben wir oft genug betont, dass wir im Kontext mit "Vertrauen zurückgewinnen" sowie "Macht und Gewaltenteilung" eine kritische Reflektion des speziellen kirchlichen Arbeitsrechts in Deutschland schmerzlich vermissen.

Wir zitieren hier auch die Erfurter Dogmatikerin Julia Knop, die auf katholisch.de wie folgt wiedergegeben wird:
Der Druck im kirchlichen Kessel sein enorm. "Der Reformstau ist riesig. Und durch den Missbrauchsskandal hat die Amtskirche massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Es muss etwas geschehen. Ansonsten läuft die Kirche Gefahr, zumindest als Institution schon in wenigen Jahren in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden."

Auch wir erwarten "belastbare Reformen". Diese dürfen sich nicht auf einzelne Aspekte des sogenannten "klerikalen Amtsmißbrauchs" beschränken. Der körperliche Mißbrauch hat genauso wie die vielen Finanzskandale und auch die spezielle Ausformung des kirchlichen Arbeitsrechts mit der Verweigerung einer Sozialparnterschaft mit den gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter*Innen durch die Bischöfe eine gemeinsame Ursache. Diesbezüglich schließen wir uns auch dem Generalvikar des Bistums Essen an, der auf "katholisch.de" wie folgt zitiert wird:

Glücklicherweise könne seit Papst Franziskus in der Kirche angstfrei "Tacheles geredet werden".

Und die 13 Pressesprecher, die wohl nicht ohne die Rückendeckung ihrer Bischöfe und Generalvikare den Appell um eine "kritische Begleitung" unterzeichnet haben, können sicher sein:

auch wir werden nicht nur kritisch sein, sondern uns auch um Fairness bemühen.

Die kritische Begleitung ergibt sich für uns wie für alle Gläubigen schon aus Can. 212 §§ 2 und 3 des Codex Iuris Canonici (CIC), die Fairness ist für uns als kirchliche Mitarbeiter*Innen selbstverständlich.

edit:
am heutigen Sonntag, dem 1. Dezember, erinnert die Tagesschau:
Angefangen hatte alles im September 2018 in Fulda. Da präsentierten die katholischen Bischöfe eine von ihnen in Auftrag gegebene Studie über das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche Deutschlands. Die Untersuchung, die nach den Standorten der Wissenschaftler aus Mannheim, Heidelberg und Gießen "MHG-Studie" genannt wird, legte dar, dass sich in den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 Belege finden für bundesweit 3.677 sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche durch Priester, Ordensmänner oder Diakone.
Die Studie wies zudem darauf hin, dass sexueller Missbrauch stets einen Missbrauch von Macht darstellt, "der durch autoritär-klerikale Strukturen der katholischen Kirche begünstigt werden kann". Sie empfahl daher dringend eine "grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Weiheamt des Priesters und deren Rollenverständnis gegenüber nicht geweihten Personen".
Der zweite Absatz des Zitats weist exakt auf das kirchliche Arbeitsrecht hin. Trotz besserer Erkenntnis, in der eigenen Soziallehre dokumentiert, verweigern die Bischöfe eine Sozialpartnerschaft "auf Augenhöhe" mit den gewerkschaftlich orientierten Arbeitnehmern. Die Begründung dazu wird hier kurz und prägnant offen gelegt.

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