Sonntag, 31. Mai 2015

Offener Brief an Heiner Geissler - statt einer Medienrundschau

Am Samstag, 30. Mai 2015 um 09:20 Uhr hat Heiner Geissler aus der Redaktion eine E-Mail erhalten:
Sehr geehrter Herr Geissler

diese Woche haben Sie im SZ-Magazin auf die Frage:
"Haben Sie Verständnis für die Lokführer-Gewerkschaft, die immer wieder den Bahnverkehr in Deutschland lahmlegt?"
geantwortet:
"Ja, genau wie für Verdi mit dem Kita-Streik. Die Erzieherinnen sind nichts anderes als die Lokführer im Erziehungswesen. Das Gleiche müsste eigentlich für die Krankenschwestern gelten. Aber die Kirchen verbieten, dass sie sich organisieren und streiken, und Verdi kümmert sich nicht um sie. Dabei verdienen sie noch weniger als Erzieherinnen, obwohl sie eine genauso lange und qualifizierte Ausbildung über drei Jahre haben und es einen Pflegenotstand gibt. Ich überlege mir, ob ich in den nächsten Jahren nicht eine Gewerkschaft für Krankenschwestern gründe."
Ich möchte Sie bei dieser Gelegenheit auf die diversen Aktionen von ver.di hinweisen, die wir in unserem caritas-verdi-blog dokumentiert haben und weiterhin dokumentieren werden.

http://caritas-verdi.blogspot.de/2015/05/risiko-krankenhaus-ard-sendung-es-ist.html

http://caritas-verdi.blogspot.de/2013/11/gesundheit-braucht-genug-personal.html

...

und zugleich anfragen, ob Sie Interesse haben, sich an der Aktion "162.000 fehlen" zu beteiligen.

https://www.facebook.com/events/379880942218094/permalink/391006514438870/

Ich möchte Sie als Mitglied der ehrenamtlichen Blog-Redaktion ganz herzlich dazu einladen. .... Am Besten ist allerdings, Sie melden sich bei der MAV des nächsten kirchlichen Krankenhauses und bitten dort um eine der dem Krankenhaus zugegangenen Teilnahmenummern.

Für ein Belegfoto ihrer Teilnahme, das wir gerne veröffentlichen werden, wären wir dankbar.


Mit freundlichen Grüßen


Einige Dinge sind uns dann aber doch noch durch den Kopf gegangen:
hat Herr Geissler (den wir ansonsten sehr schätzen) sich da nicht mehr als etwas "vergaloppiert"? Oder ist er auch den ständigen Einflüsterungen von kirchlichen Arbeitgebervertretern unterlegen? Nach dem Motto: "Jeder Arbeitgeber behauptet gern, dass man sich im seinem Betrieb nicht gewerkschaftlich organisieren oder gar streiken dürfe - aber wenn der Pfarrer das sagt, wird's zur Glaubenswahrheit."

1. Dass einzelne Kirchenvertreter ein gewerkschaftliches Engagement ungern sehen, sei zugestanden. Und dass es ein kirchengesetzliches Streikverbot (für die evangelische Kirchen in der Magdeburger Synode beschlossen, für die katholische Kirche in Art. 7 Abs. 2 der Grundordnung festgelegt) gibt, möchten wir nicht abstreiten.

Aber die Gewerkschaft geht gegen diese Beschränkung der Koalitionsfreiheit vor. Nach dem Bundesarbeitsgericht (BAG) - das eine Beschränkung des Streikrechts unter eng begrenzten Voraussetzungen für zulässig erachtet - liegt der Streit inzwischen beim Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung. Und auch die vom BAG vorgegebenen engen Beschränkungen sind derzeit nirgends erfüllt.

Jede Gewerkschaft kann also kirchliche Arbeitgeber zu Tarifverhandlungen auffordern und ggf. Warn- oder sogar Erzwingungsstreiks einleiten.


2. Woher aber nimmt Geissler die Vermutung, Verdi würde sich nicht um die Krankenschwestern kümmern?

3. Und ... ach ja, die Ausbildung von Erzieherinnen dauert in Bayern in der Regel fünf Jahre ...

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