Montag, 2. Dezember 2013

Caritas-Präsident Prälat Peter Neher heute im Interview mit der SZ u.a. über den 3. Weg der Caritas

In der heutigen SZ (2.12.2013, S. 18)stellt sich Caritas-Präsident Neher auf den Wirtschaftsseiten im Montagsinterview den Fragen über Glaube, Geld und Macht.


Eine Feststellung müssen wir dann doch etwas kritischer angehen. Dort wo es um den 3. Weg geht, werden leider Behauptungen wiederholt, die dann doch deutlich differenzierter zu betrachten wären:

Peter Neher:
Gerade im Bereich der Pflege liegen unsere Tarife um bis zu 20 Prozent höher als jene, die von den Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelt werden. Der Caritas-Tarif ist einer der höchsten im Sozialbereich. Wir sind inzwischen der einzige Träger im Wohlfahrtsbereich, der noch ein bundeseinheitliches Arbeitsrecht hat. 

Uns sind keine Tariftabellen in den Arbeitsvertragsrichtlinien des Deutschen Caritasverbandes bekannt, die keine Tarifverträge von Gewerkschaften als direktes und unmittelbares Vorbild hätten. Wie sollen da die Caritas-Tarife höher sein als diejenigen, die man eins zu eins (!) kopiert hat?

Und bundeseinheitliches Tarifrecht? Wie erklärt sich dann die Meldung "30000 Caritas-Mitarbeiter erhalten bis zu 14 % weniger Geld als West-Kollegen" auf den Seiten der Mitarbeiterseite der Arbeitsrechtlichen Kommission?

Auch der herablassende Blick auf das "Konfliktmodell" der Gewerkschaften im Gegensatz zu den "konsensualen Lösungen" des 3. Weges wirkt bitter auf uns katholische Gewerkschafter, die wissen, dass auch der Tarifstreik in den Konsens des Tarifvertrages mündet (wenn man den kompromisshaften Charakter von Tarifregelungen partout als Konsens charakterisieren will). Und der 3. Weg auch nach Feststellungen seiner Verfechter nur funktioniert, weil die Tarifdurchsetzung an die Tarifparteien gewissermassen vorgelagert outgesourct sind.

Das entscheidende Problem ist, dass die Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie einen gemeinsamen Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen und Vergütungen im Bereich von Gesundheit, Soziales und Pflege im Wege stehen, weil sie mit vermeintlich eigenen partikularen Lösungen den nötigen Flächentarifvertrag vereiteln.


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Die erste Frage im Interview befaßt sich mit dem Thema "Spenden", "Spenden für soziale Zwecke".
Aus welchen Mitteln werden eigentlich die 3. Wege der Kirchen finanziert?







Kommentare:

  1. Und aus welchen "Spenden für soziale Zwecke" wird das Büro der Caritas-MAS in Berlin finanziert, das "Lobby-Arbeit gegen einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag" betreibt?
    Der Anfangsetat ist mit 500.000 Euro festgelegt, und jährliche Steigerungen sind beschlossen - ein Hohn für die Caritas-Beschäftigten in der Region, die seit 2008 kein Vergütungsanpassungen über den so gepriesenen "Dritten Weg" erhalten haben.

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  2. Neher ist auch gegen den Mindestlohn von 8,50 Euro. Obwohl dieser Mindestlohn trotz Vollzeitstelle und lebenslanger Arbeit nicht einmal eine Mindestrente im Sozialhilfesatz ermöglicht. Gerade er muss doch wissen, dass die eigene Soziallehre den "familiengerechten Lebenslohn" fordert.
    Wer sich so weit von seinen eigenen Wurzeln entfernt muss sich fragen, ob er nur noch aus der betriebswirtschaftlichen Warte des kirchlichen Arbeitgebers und gelernten Bankers argumentiert.
    Er übersieht schon eine grundlegende volkswirtschaftliche Weisheit: Wirtschaft lebt von Nachfrage. Nachfrage kann aber nicht da entstehen, wo das Einkommen nicht mal zum Leben reicht. Wenn die Armen immer ärmer werden, und die Einkommensschere zwischen den höchsten und den niedrigsten Einkommen immer weiter auseinander klafft, kann keine stimulierende Nachfrage generiert werden. Und da geht mittel- und langfristig die ganze Volkswirtschaft den Bach runter.

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  3. Also mal ernsthaft...........ich finde das es in vielen einrichtungen nur noch heißt : Pflege,Versorgung und Geld Sparen......ich selbst bin im BFD , und in einer Caritas Einrichtung.
    Ich als BFD`er werde schon so dermaßen ausgenutzt, das denen ihr Arbeitssystem zusammenfällt, wenn ich mal eine Woche Urlaub hätte........welchen ich aus diesem Grund seit über einem halben Jahr nicht hatte, genauso wenig, wie meine Freistellung nach einem Wochenend-Dienst oder Feiertagsdienst.
    Ich arbeite als BFD`er dort und nicht als Festangestellter..............bekomme 360,-€ im Monat Taschengeld.....habe eine 39 stunden Woche laut Vertrag...welche sich aber locker auf 45 Stunden die Woche beziffern lässt .

    Das ganze Caritas gerede, ist totaler Blödsinn ! Es geht denen nur noch ums Geld ! Nächstenliebe gibt es in dem Verein überhaupt nicht mehr !
    Mitarbeiter werden gekündigt, weil Bewohner mit denen nicht zufrieden sind, trotz das diese eigentlich eine sehr gute Arbeit machen !
    Und die Mitarbeiter die den ganzen Tag nur rum sitzen, und nichts tun, die behält man schön !...........

    Sehr Kirchlich das ganze !

    Es ist einfach nur noch unverschämt , was dort abläuft !
    Auch das man die BFD`er in diesem einem Jahr dermaßen verbraucht ! Ist alles andere als Nächstenliebe !

    und dann bekommt man verträge vorgesetzt wo drinnen steht das man über interne sachen mit niemanden außerhalb reden darf.............ich finde das alles gehört mal an die öffentlichkeit !

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