Mittwoch, 28. Januar 2015

Was man in Pflegeberufen verdient? - zu wenig! Ver.di fordert bessere Bezahlung in der Altenpflege

Ver.di-Medieninformation vom 27. Januar 2015:
„Die Beschäftigten in der Altenpflege müssen deutlich besser bezahlt werden, damit sie für ihre wertvolle und schwere Arbeit endlich ange- messen entlohnt werden“, fordert Sylvia Bühler, Bundesvorstandsmitglied der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). ver.di fordere
zudem einen bundesweiten verbindlichen Personalschlüssel in der Al- tenpflege. Ausreichend Personal und eine faire Bezahlung würden der Altenpflege die verdiente Anerkennung bringen und zudem eine bessere Versorgung für die älteren Menschen ermöglichen, betont die Gewerkschafterin.



Die heute vom Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, präsentierten Studienergebnisse belegten den großen Handlungsdruck. ver.di fordere deshalb die Bundesregierung auf, handfeste Maßnahmen zu ergreifen und die angekündigten Reformen dafür zu nutzen, die Arbeitsbedingungen grundlegend zu verbessern und dafür zu sorgen, dass von den Trägern tatsächlich ein angemessener Lohn gezahlt wird.

Es sei empörend, dass qualifizierte Altenpflegerinnen  in einigen Regionen des Landes mit sehr niedrigen Löhnen, in Sachsen Anhalt beispielsweise mit lediglich 1.743 Euro abgespeist würden. „Die Altenpflege kommt Menschen so nah, wie kaum ein anderer Beruf. Es ist eine qualifizierte und verantwortungsvolle Tätigkeit. Sie ist psychisch und physisch belastend. Dass viele Arbeitgeber die Empathie der Beschäftigten und ihr großes Engagement so schamlos ausnutzen können, muss aufhören“, betont Bühler. Die Pflegeberufe müssen insgesamt aufgewertet werden. „Eine  examinierte  Pflegekraft muss mindestens 3.000 Euro Grundvergütung im Monat erhalten.“

Niedrige Löhne, der Zwang zu Teilzeitbeschäftigungen, Befristungen ohne Sachgrund und zu wenig Personal würden das Arbeitsfeld unat- traktiv machen. Die  niedrigen Löhne und Teilzeitarbeiten würden zu- dem dazu führen, dass die späteren Renten der Altenpflegerinnen oft- mals kaum die Lebenshaltungskosten decken könnten. Da zahlreiche private Altenheimträger Tarifverträge ablehnen, müsse ver.di diese in langen und schwierigen Auseinandersetzungen durchsetzen. Um den Wettbewerb um die billigsten Löhne zu beenden, strebe ver.di einen allgemeinverbindlichen möglichst bundesweiten Tarifvertrag für die Altenpflege an, da gleiche Arbeit in allen Bundesländern gleichermaßen bezahlt werden müsse. Grundlage dafür sei der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst.


Link zur Studie des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung), die im Auftrag des
Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten
sowie Bevollmächtigten für Pflege erstellt wurde:
Viel Varianz - Was man in Pflegeberufen in Deutschland verdient

Ärzteblatt vom 27.1.2015 zum Thema ("Altenpfleger werden schlechter bezahlt als Krankenpfleger")


Und noch eine Anmerkung zum Thema aus dem sozialpolitischen Blog von Prof. Stefan Sell
Aktuelle Sozialpolitik
von gestern abend:

Abschließend sei noch einmal an das Zitat des Pflegebeauftragten Laumann erinnert: »Vor allem aber brauchen wir starke Gewerkschaften, die für die Pflegekräfte eintreten und die für einen anständigen Tarifvertrag und für einen fairen Lohn kämpfen. Das ist nicht Sache der Politik.« An dieser Stelle müsste man dann aber auch darüber reden, dass wir in der Pflege auf Seiten der Anbieter mit vielen konfessionell gebundenen Einrichtungen bzw. Diensten konfrontiert sind, für die bzw. für deren Beschäftigte immer noch ein Streikverbot gilt, weil der deutsche Staat die nur historisch zu verstehenden Sonderrechte der Kirchen auf Dauer einzementiert hat und offensichtlich nicht bereit ist, das Vorenthalten elementarer Arbeitnehmerrechte für sehr viele Beschäftigte endlich auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen. Das sei hier nur angemerkt, so einfach ist es eben nicht, was aus Sicht des Herrn Staatssekretärs (von anderen) zu tun sei. Und selbstverständlich kann und muss die Politik tätig werden, beispielsweise hinsichtlich der entsprechenden Dynamisierung der Leistungen aus der Pflegeversicherung an die schöne und dringend notwendige neue Vergütungswelt in der Pflege, denn ansonsten wird die Rechnung einfach nur weitergereicht an Dritte, also an die Betroffenen, deren Angehörigen oder an das Sozialamt.

Und schließlich ein Statement der Pflegebeauftragten von Bündnis 90/Grüne Elisabeth Scharfenberg:
Gerade in der Altenpflege brauchen wir einen Bewusstseinswandel hin zu mehr Anerkennung der geleisteten Arbeit. Bei den Einrichtungen, aber auch bei den Pflegekräften selbst. Ihr gewerkschaftlicher Organisationsgrad ist niedrig. Sie sollten sich auf den Weg machen und für ihre Rechte kämpfen.

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