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Sonntag, 19. November 2017

Sonntagsnotizen: Franzikus, Benedikt, Lehramt, Gewerkschaft und Entweltlichung

Ratzinger-Preis verliehen.

Anlässlich der Verleihung des "Nobelpreis der Theologie", wie der Preis der vatikanischen Joseph Ratzinger-Benedikt XVI.-Stiftung auch genannt wird, in der Sala Clementina des Apostolischen Palasts an zwei deutsche Theologen *) und einen estnischen Musiker **) wurde von Papst Franziskus in dieser Woche auch das Werk seines Vorgängers, Papst Benedikt, gewürdigt:
"Sein Werk und sein Lehramt sind weiterhin ein lebhaftes und wertvolles Erbe für die Kirche und unseren Dienst."
Der 90-jährige Joseph Ratzinger sei nach wie vor ein Lehrmeister für alle,
"die das Geschenk der Vernunft nutzen, um auf den Ruf der Menschen zur Suche nach der Wahrheit zu antworten",
sagte Franziskus am Samstag im Vatikan.
Quellen: Domradio, katholisch.de, jeweils unter Bezug auf KNA.

Ratzinger - der zurück getretene Papst Benedikt - hat nicht nur durch seinen Rücktritt "Geschichte geschrieben". Er ist einer der Größten der theologischen Wissenschaft weltweit. Sein Werk ist für die Katholiken überall auf der Welt wegweisend. Dennoch stellt sich die Frage, ob mit dieser Würdigung nicht auch eine Botschaft an Deutschlands Katholiken verbunden sein könnte. Welche Lehren kann Franziskus gemeint haben, wenn er anlässlich der Verleihung eines nach dem deutschen Papstes benannten Preise (an zwei deutsche Theologen) auf dessen Lehramt verweist? Kann es sein, dass das auch etwas mit der katholischer Kirche in Deutschland zu tun haben sollte?

Mittwoch, 14. September 2016

Papst Benedikt und Deutschland I: 10 Jahre Abschiedsansprache am Flughafen Erding

Heute, am Jahrestag der Veröffentlichung der Enzyklika "Laborem exercens", jährt sich zum zehnten mal die Abschiedsansprache von Benedikt - und der erste, drängende Appell, den Benedikt an die Katholiken seiner Heimat richtete. Am 14. September 2006 erklärte Papst Benedikt:
...

... angetrieben, hat die Kirche unter der Führung des Geistes die Antworten auf die Herausforderungen, die im Laufe der Geschichte auftraten, immer neu im Wort Gottes gesucht.
....
Ich unterstreiche das bei diesem Anlaß, weil gerade heute, am 14. September, der 25. Jahrestag der Veröffentlichung der Enzyklika Laborem exercens ist
...
Auf der Basis dieser Grundintuition gab der Papst in der Enzyklika einige Orientierungen, die bis heute (.) aktuell sind. Auf diesen Text, der durchaus prophetischen Wert besitzt, möchte ich auch die Bürger meiner Heimat verweisen, weil ich sicher bin, daß seine praktische Anwendung auch für die heutige gesellschaftliche Situation Deutschlands von großem Nutzen sein kann...
siehe auch "Die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft ist ohne starke Gewerkschaften nicht denkbar", Blogbeitrag vom 31. August 2013

Samstag, 25. September 2021

Zehn Jahre: Rede von Papst Benedikt XVI. im Konzerthaus Freiburg

Die Aufforderung zur "Entweltlichung" hat zu heftigen Debatten in der katholischen Öffentlichkeit geführt. Auch wir beziehen uns immer wieder auf Papst Benedikt XVI. und seiner Ausführungen, wenn wir Kritik am priveligierten und spezifischen Arbeitsrecht der katholischen Kirche - etwa beim Scheitern der Bemühungen um einen Allgemein verbindlichen Tarifvertrag "Altenpflege" - üben. Wer die Rede nachlesen will - Sie ist unter von diversen Medien im www online gestellt. Wir zitieren daraus:
... Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben.
...
Um so mehr ist es wieder an der Zeit, die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen. Das heißt nicht, sich aus der Welt zurückzuziehen. Eine vom Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial-karitativen Bereich den Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern, die besondere Lebenskraft des christlichen Glaubens vermitteln.

Montag, 19. September 2016

Wie kirchlich ist die Caritas? Spiritualität als Ressource für eine dienende Kirche ....

Gerade rechtzeitig zum Jubiläum der "Freiburger Konzerthausrede" ist unter dem Titel "Spiritualität als Ressource für eine dienende Kirche" eine Untersuchung veröffentlicht worden, die der Caritas-Verband Würzburg im letzten Jahr von den Freiburger Religionssoziologen Lucia Segler und Michael Ebertz 1) durchführen lies. Diese „Würzburg-Studie“ wurde im Echter Verlag veröffentlicht (ISBN 978-3-429-03994-3). Im Buch wird auf Seite 238 dargestellt, welche Ausbau- und Reduktionswerte für verschiedene Dinge von den Mitarbeitern gewünscht werden.
Vier Merkmale (Ausbauwerte) liegen über 50 %; gewünscht wird:
+ "dass Mitarbeiter gerecht entlohnt werden" wünschen 80 % der Beschäftigten (das ist der höchst Ausbauwert in der Studie überhaupt!)
+ Zeit für Klienten -> 65 %
+ fachlich-menschliche Qualität -> 58 %
+ Wertschätzung der Mitarbeiter -> 52 %

Freitag, 18. Oktober 2019

Deutsche Kirche - und der Vatikan

Es gibt viele Dinge in der Geschichte der Kirche, die von Deutschland ausgegangen sind und im Vatikan nicht auf Freude stießen. Wir brauchen dabei nicht unbedingt an Luther zu denken, auch wenn die Haltung der nationalen "Deutschen Kirche" maßgeblich für die Umsetzung der historisch schwer belasteten und gegen die katholische Soziallehre gerchteten Ideologie einer "Dienstgemeinschaft" war.
 
Auch heute wird die Deutsche Kirche im Vatikan aufmerksam beobachtet, nun aber stehen die Katholiken selbst im Fokus. Die Irritationen um den "Synodalen Weg" sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Nun hat der der aus Baden-Württemberg stammende Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI., Erzbischof Georg Gänswein, erneut auf die Sorgen Benedikts hingewiesen. Benedikt, der die katholische Kirche in Deutschland wohl kennt wie kaum ein anderer, mache sich "große Sorgen um die Lage der Kirche in Deutschland. Die derzeitige Situation schmerze den 92-Jährigen":
 
Er liebe die Kirche des Landes, doch "vieles von dem, was er nun von dort erfährt und erlebt", schmerze ihn. .... Dass Benedikts Befürchtungen sich bestätigten, sei für ihn keine Genugtuung oder Trost ... Mittlerweile gebe es in der Kirche in Deutschland "in vieler Hinsicht eine große Verwirrung". Viele Gläubige würden die Vorgaben des Katechismus kaum mehr ernstnehmen und sich nicht nach der Lehre der Kirche richten.
 
 
Was die genannten Befürchtungen betrifft, müssen wir auf zwei eindringliche Ermahnungen hinweisen, die wir immer wieder ansprechen:
  1. Benedikts Appell zur Anwendung von "Laborem Exercens" anlässlich seiner Abschiedsansprache auf dem Flughafen Erding
  2. Benedikts Aufruf zur "Entweltlichung" anlässlich der "Konzerthausrede" in Freiburg
Es ist erschreckend, wie wenig davon aufgenommen und umgesetzt wird. Die Deutsche Kirche dreht und wendet sich um den eigenen Bauchnabel, hält verzweifelt an längst überholten "Selbstbestimmungsansprüchen" fest und versteht nicht, dass Glaubwürdigkeit auch die Umsetzung der päpstlichen Soziallehre verlangt, auch im eigenen Betrieb.
Glaubwürdigkeit - das fängt mit dem Zugangsrecht von Gewerkschaftern in kirchlichen Einrichtungen an, die aktuell im Erzbistum Bamberg wieder in Frage gestellt wird. *)
Glaubwürdigkeit - das beinhaltet die Sozialpartnerschaft mit Gewerkschaften, wie das päpstliche Lehramt immer wieder deutlich macht,
Glaubwürdigkeit - das heißt auch, die Vorgaben der im Katechismus dokumentierten kirchlichen Lehre in den eigenen Einrichtungen umzusetzen, es - zumindest - zu versuchen.



*)
"Ich habe die Pflicht mich zu äußern, wenn die Dinge, meiner Meinung nach, einen verwerflichen Gang nehmen." (Indianerweisheit)

Can. 212 — § 3 Entsprechend ihrem Wissen, ihrer Zuständigkeit und ihrer hervorragenden Stellung haben sie (die Gläubigen) das Recht und bisweilen sogar die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, den geistlichen Hirten mitzuteilen und sie unter Wahrung der Unversehrtheit des Glaubens und der Sitten und der Ehrfurcht gegenüber den Hirten und unter Beachtung des allgemeinen Nutzens und der Würde der Personen den übrigen Gläubigen kundzutun.
Can. 221 — § 1. Den Gläubigen steht es zu, ihre Rechte, die sie in der Kirche besitzen, rechtmäßig geltend zu machen und sie nach Maßgabe des Rechts vor der zuständigen kirchlichen Behörde zu verteidigen. (Codex Iuris Canonici)

Eine tarifzuständige Gewerkschaft darf sich an Arbeitnehmer über deren betriebliche E-Mail Adressen mit Werbung und Information wenden. Die Entscheidung einer Gewerkschaft, Arbeitnehmer auf diesem Weg anzusprechen ist Teil ihrer im Grundgesetz geschützten Betätigungsfreiheit. BAG Rechtssprechung.